Börsenkurse der Woche Überraschen Sie uns, Herr Klude!

Zwar bereiten Washington und Rom den Märkten Sorgen. Am Aktienmarkt gibt es aber aktuell einige Chancen. Etwa einen US-Sportartikelriesen, eine Immobilienfirma und einen Autozulieferer. Die Show der Börsenkurse, auf die Anleger jetzt achten sollten - heute von Börsenprofi Carsten Klude.
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Politik und Kapitalmärkte, Teil 1: Chaos in Washington DC

Nachdem sich in den USA Republikaner und Demokraten nicht auf die Verabschiedung eines neuen Budgets einigen konnten, wurden einige Bundesbehörden und öffentliche Einrichtungen geschlossen ("government shutdown"). Die direkten wirtschaftlichen Folgen der Schließung dürften begrenzt bleiben. Wesentlich kritischer wäre es jedoch, wenn sich die US-Politiker bis zum 17. Oktober nicht auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze verständigen.

In diesem Fall könnte das Finanzministerium keine neuen Kredite aufnehmen, um Zinsen und Altschulden zu bezahlen. Faktisch würde dies einem Zahlungsausfall und damit einer Pleite der USA entsprechen - mit möglicherweise katastrophalen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Anleger räumen einem solchen Szenario aber eine äußerst geringe Wahrscheinlichkeit ein, ansonsten hätten die Kurse der US-Staatsanleihen in den vergangenen Tagen stark unter Druck geraten müssen, was aber nicht der Fall ist.

Politik und Kapitalmärkte, Teil 2: Chaos in Rom

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Am vergangenen Wochenende verkündeten die fünf Minister der PDL auf Geheiß Silvio Berlusconis geschlossen ihren Rücktritt aus der Regierung von Ministerpräsident Letta und stürzten das Land damit in eine neue Regierungskrise. Anleger reagierten wie sie immer in einer solchen Situation reagieren und verkauften sowohl italienische Aktien als auch italienische Staatsanleihen.

Allerdings könnte die alte Regierung doch im Amt bleiben, weil eine Reihe von Abgeordneten der Berlusconi-Partei angekündigt hat, sich dem Votum Berlusconis zu widersetzen und für Letta zu stimmen, wenn dieser im Parlament die Vertrauensfrage stellt. Von daher ist nicht mit einem erneuten Aufflammen der Euro-Krise zu rechnen, nicht zuletzt auch deshalb, weil es mit dem OMT-Programm der EZB und dem ESM mittlerweile ausreichende Schutzmechanismen gibt.

Mittelstandsanleihen - Spiel mit dem Feuer

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Das Marktsegment der Mittelstandsanleihen kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Nachdem die Pleitewelle im Sektor "Erneuerbare Energien" zuletzt den Emittenten Windreich traf, ist aktuell mit der "MS-Deutschland-Anleihe" ein weiterer Emittent, diesmal mit bekanntem Namen, in Schwierigkeiten.

Die vorgelegten Zahlen für 2012 zeigen einen dramatischen Ergebnisrückgang sowie ein negatives Eigenkapital. Für die aktuellen Zinszahlungen muss sogar der Mehrheitsgesellschafter Aurelius mit einem Darlehen einspringen.

Das zeigt, dass bei Mittelstandsanleihen allein ein bekannter Name nicht für eine Investitionsentscheidung ausreicht. Zudem rollt auf das Segment ab dem Jahr 2015 eine große Refinanzierungswelle zu. Die Ratingagentur Scope hat ermittelt, dass in den Jahren 2015 und 2016 jeweils knapp 700 Millionen Euro Mittelstandsanleihen fällig werden. Dann wird sich zeigen, welche Unternehmen in der Lage sein werden, dies zu stemmen.

Nike - gelungener Start in die US-Berichtssaison

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Normalerweise startet die US-Berichtssaison traditionell mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen von Alcoa . Allerdings ist der Aluminiumhersteller seit dem 23. September nicht mehr Mitglied des Dow Jones , genauso wenig wie die Bank of America  und Hewlett-Packard , die ebenfalls aus dem Index herausgenommen wurden. Diese drei Unternehmen wurden ersetzt durch Goldman Sachs , Visa  und Nike .

Der amerikanische Sportartikelhersteller legte in der vergangenen Woche ein beeindruckendes Quartalsergebnis vor und meldete einen deutlich gestiegenen Umsatz und Gewinn. Vor allem in Nordamerika und Europa haben sich die Geschäfte verbessert. Da die Auftragsbücher voll sind, dürfte der positive Trend anhalten, zumal mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien im kommenden Jahr eine Großveranstaltung ansteht, die sich nochmals positiv auf die Geschäfte auswirken dürfte.

Dax - Rekord ist nicht gleich Rekord

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Der Deutsche Aktienindex hat im September mit 8770 Punkten den höchsten Stand in seiner 25-jährigen Geschichte erreicht. Allerdings ist die Aussage, dass sich der Dax  auf Rekordniveau befindet, nur bedingt richtig. Denn der Dax ist im Unterschied zu den meisten internationalen Indizes ein sogenannter Performanceindex.

Das bedeutet, dass die ausgeschütteten Dividenden bei der Wertentwicklung berücksichtigt werden. International gebräuchlicher sind dagegen reine Kursindizes, in die die Dividenden nicht einfließen. Stellt man also die Wertentwicklung des Dax der des Euro Stoxx 50  oder des S&P 500 gegenüber, muss man sich, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, auf den Dax-Kursindex beziehen. Dieser liegt aktuell bei rund 4600 Punkten und damit immer noch 25 Prozent unter seinem Rekordwert aus dem Jahr 2000. Selbst die Kurse aus dem Sommer 2007 sind noch nicht wieder erreicht.

Gagfah - vom Immobilienboom profitieren

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Gagfah hält über 140.000 Wohnungen vom unteren bis mittleren Preissegment in Deutschland. Etwa 60 Prozent der Wohnungen befinden sich in Großstädten ab 100.000 Einwohner. Das Unternehmen ist in einem der weltweit stabilsten Wohnimmobilienmärkte positioniert mit kontinuierlich steigenden Mieteinnahmen und einer rückläufigen Leerstandsquote.

In den nächsten fünf Jahren will Gagfah  250 Millonen Euro in diverse Modernisierungsprogramme investieren. Den Großteil davon in attraktive Standorte wie Berlin, Hamburg oder Dresden, wo das Mietsteigerungspotenzial leicht realisiert werden kann. Da sich zudem das Refinanzierungsumfeld für das Unternehmen verbessert, werden die Zinsaufwendungen zukünftig sinken. Die Analysten von Warburg Research empfehlen die Aktie zum Kauf mit einem Kursziel von 11,50 Euro.

Dürr - Autozulieferer auf Rekordkurs

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Dürr veröffentlichte in dieser Woche ein Upgrade seiner Guidance für das Jahr 2013 und berichtete von einer kontinuierlich positiven Entwicklung im 3. Quartal. Während die Ziele für den Konzernumsatz und dem Konzernauftragseingang unverändert blieben, erhöhte das Management den avisierten EBIT-Margenkorridor auf 7,5 bis 8 Prozent.

Wir halten eine weitere Margenexpansion nach 2013 für wahrscheinlich, angetrieben durch eine höhere Auslastung der jüngst aufgebauten Kapazitäten und eine höhere Preisqualität im Auftragsbestand. Letztere reflektiert eine Verbesserung des Marktumfelds, sowie das innovative Produktportfolio von Dürr , das den Kunden kurze Amortisationszeiten ermöglicht.

Und zu guter Letzt hat das Unternehmen verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um die Serviceumsätze zu erhöhen. Die Analysten von Warburg Research bleiben positiv gestimmt für die Dürr-Aktien mit einem Kursziel von 60 Euro.

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