Mittwoch, 23. Oktober 2019

47-Milliarden-Dollar-Start-up peilt Börsengang im September an WeWork rechnet auch in naher Zukunft nicht mit Gewinnen

Adam Neumann, Gründer des Coworking- und Immobilien-Start-ups WeWork, verspricht zum IPO und mindestens ein Jahr danach keine weiteren Anteile zu verkaufen
China Stringer Network / REUTERS
Adam Neumann, Gründer des Coworking- und Immobilien-Start-ups WeWork, verspricht zum IPO und mindestens ein Jahr danach keine weiteren Anteile zu verkaufen

Der US-Büroraum-Anbieter WeWork hat am Mittwoch Papiere für seinen geplanten Börsengang vorgestellt. Mit dem SEC-Filing gewährt das Unternehmen erstmals einen genaueren Einblick in seine Kennzahlen, zugleich macht es einen großen Schritt in Richtung IPO, der nun für September erwartet wird. Führungskräfte sollen in Erwartung eines schwächeren Börsenumfeldes unruhig geworden sein und auf September gedrängt haben. Ob es angesichts der aktuell schlechten Börsenlage auch in den USA bei diesem Zeitplan bleibt, ist fraglich.

Die Pläne für den Börsengang waren schon Ende April bekannt geworden. So hatte das Unternehmen im Dezember einen entsprechenden Antrag bei der SEC eingereicht. Die nun am Mittwoch bekannt gewordenen Papiere zeichnen laut "Wall Street Journal" das Bild eines Unternehmens, dessen Umsatz stark wächst - so haben sich die Erlöse zwischen 2016 bis 2018 mehr als vervierfacht -, dessen Verluste jedoch mindestens genauso schnell zugenommen haben.

Den Unterlagen zufolge hat WeWork in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bei Umsätzen von 1,54 Milliarden Dollar einen Nettoverlust von 690 Millionen Dollar (rund 617 Millionen Euro) eingefahren. Damit setzt sich die Verlustserie des Unternehmens fort. Für das vergangene Jahr war ein Verlust von 1,9 Milliarden Dollar bekannt geworden, bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar.

Und WeWork rechnet vorerst nicht mit Gewinnen: "Wenn wir mit der gleichen Geschwindigkeit wachsen, werden wir auf absehbare Zeit nicht profitabel sein", schreibt das Unternehmen auf Seite 25 des SEC-Dokuments.

Verlustserie setzt sich im ersten Halbjahr fort

Laut den Angaben von Mittwoch vermiete WeWork mittlerweile an 528 Standorten in 111 Städten auf der ganzen Welt und zähle 527.000 Kunden. Das Wachstum von WeWork ist allerdings mit hohen Kosten verbunden. Denn das Unternehmen hat mit den gleichen Entwicklungen auf den Immobilienmärkten zu kämpfen wie alle anderen Akteure auf diesem Märkten auch: also mit tendenziell steigenden Preisen in angesagten Lagen.

Für seine Expansion muss WeWork daher viel Kapital aufbringen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass eine Gruppe von Banken, darunter JPMorgan Chase und Goldman Sachs Group Inc., sich verpflichtet haben, dem Unternehmen bis zu sechs Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen - Kapital, das WeWork dann nicht mehr über einen Börsengang bei Investoren einsammeln müsste.

Das mittlerweile in WeCompany umbenannte Start-up, war nach einer letzten privaten Finanzierungsrunde, an der sich Softbank beteiligt hatte, mir rund 47 Milliarden Dollar bewertet worden. Ob potenzielle Investoren diese Bewertung ebenfalls so taxieren, ist völlig offen, schließlich macht WeWork - wenn auch bei aktuell steigenden Umsätzen - seit Jahren hohe Verluste.

Mitgründer will keine Anteile verkaufen und noch ein Jahr halten

Irritierend dürfte zuletzt auf Investoren gewirkt haben, dass WeWork-Gründer Adam Neumann noch vor dem geplanten IPO Kasse machte. 700 Millionen Dollar hatte Neumann mit dem Verkauf oder Beleihung von Anteilen einspielt. Potenzielle Investoren sehen es lieber, wenn Gründer ihr Kapital bis zum Börsengang in dem Unternehmen belassen.

Das habe Neumann jetzt zugesagt und sich verpflichtet, seine Anteile nicht vor Ablauf von 12 Monaten nach dem Börsengang zu verkaufen. Neumann soll an dem Unternehmen immer noch die Stimmenmehrheit besitzen, heißt es.


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WeWork stellt Unternehmen langfristig angemietete Immobilien zur Verfügung zu - etwa in Form von Gemeinschaftsbüros. Zu den Kunden zählen neben vielen Start-ups auch größere Konzerne wie IBM. WeWork wurde 2010 gegründet und wäre nach Uber, Lyft, Pinterest und Zoom ein weiterer hochgehandelter Börsenneuling in diesem Jahr.

Der geplante Börsengang gilt letzter großer Test für das Interesse von Investoren an Unternehmen, die viel Geld verbrennen aber in privaten und somit wenig transparenten Finanzierungsrunden hoch gehandelt werden. Ernüchternde Beispiele gab in der Vergangenheit durchaus:

So verloren die Aktien des zuvor hochgehandelten Fahrdienstvermittlers Lyft in den ersten Wochen gut ein Fünftel ihres Wertes. Gut einen Monat nach seinem Börsengang, der bei einem Ausgabepreis von 72 Dollar rund drei Milliarden Dollar in Kasse von Lyft spülte, stellte Lyft dann seinen verdutzten Anteilseignern noch ein miserables Jahr in Aussicht.

Die Aktie des Wettbewerbers Uber, der Wochen später das Börsenparkett betrat, hatte gleich am ersten Handelstag 20 Prozent eingebüßt - und notieren immer noch weit unter Ausgabepreis. Dabei hatte der Mobilitätsdienst schon vor dem Börsengang viel heiße Luft abgelassen und den Ausgabepreis auf 45 US-Dollar gesenkt, obwohl US-Investmentbanken im Vorfeld von astronomisch Bewertungen geschwafelt hatten.

Gesunde Skepsis gegenüber hohen Bewertungen und Versprechungen ist also angebracht.

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