Sonntag, 22. September 2019

Börsengang Börsen-Fehlstart von Rocket Internet

Rocket-Management: Johannes Bruder, Oliver Samwer, Peter Kimpel und Alexander Kudlich (v.l.)

Schock für die Samwer-Brüder: Zum Börsenstart stürzt die Aktie von Rocket Internet fast 14 Prozent unter den Ausgabepreis. Auch die Titel von Börsenneuling Zalando verlieren kräftig. Beide Aktien können sich etwas erholen.

Berlin - Die Aktie der Startup-Schmiede Rocket Internet Börsen-Chart zeigen ist am Donnerstag schwach an der Börse gestartet. Nach einem ersten Kurs exakt auf dem Ausgabepreis von 42,50 Euro ging sie auf Talfahrt. Nach wenigen Minuten fiel der Kurs bis auf 36,66 Euro, konnte sich aber danach wieder etwas erholen.

Der Börsengang von Rocket ging wesentlich leiser vonstatten als beim Schwesterunternehmen Zalando Börsen-Chart zeigen, das am Mittwoch mit viel Brimborium an den Markt gegangen war. Auch die Zalando-Aktien brachen am Donnerstag in der Spitze um 10 Prozent ein und dämpften die Börsen-Euphorie der vergangenen Wochen.

"Da wurden jede Menge Aktien auf den Markt geworfen", beschrieb ein Händler den Handelsstart von Rocket Internet. Selbst Stützungskäufe der Banken, die den Börsengang begleiteten, hätten kaum etwas gebracht: "Der Verkaufsdruck zur Eröffnung war so groß, dass die Emissionsbanken nicht dagegenhalten konnten."

Banken können mit Stützungkäufen den Kurs nicht halten

Die Internet-Holding der Berliner Startup-Unternehmer Oliver, Marc und Alexander Samwer hatte die Aktien zu je 42,50 Euro zugeteilt und damit die Preisspanne voll ausgereizt. Doch nach den ersten Minuten herrschte bei den Managern gedrückte Stimmung. "Man muss Aktien langfristig betrachten und nicht kurzfristig an einem Tag, einer Woche oder einem Monat", sagte Oliver Samwer zu Reuters TV.

Wer den Bullen reitet ... Oliver Samwer, Chef und Gründer von Rocket Internet, gab sich am Morgen des 2. Oktober noch ganz optimistisch. Dann musste er miterleben, wie die Aktie zunächst abstürzte
Rocket nimmt mit dem Börsengang bis zu 1,6 Milliarden Euro ein. Das Unternehmen hätte nach eigenen Angaben zu diesem Preis auch mehr als das Zehnfache der 37,9 Millionen angebotenen Papiere losschlagen können, obwohl Experten vor den Risiken einer solchen Aktie warnen. Rocket ist damit der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens in Europa seit dem Boom-Jahr 2000 und die größte Neuemission in Deutschland seit sieben Jahren. Das Unternehmen wird mit 6,7 Milliarden Euro bewertet.

Jetzt mehr als zwei Milliarden Euro auf der hohen Kante

Mit dem Börsengang hat Rocket mehr als zwei Milliarden Euro auf der hohen Kante. Oliver Samwer will die neu gegründeten Unternehmen künftig bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben. Rocket solle "die führende Internetplattform außerhalb der USA und Chinas werden", hatte der Kölner Anwaltssohn sein Ziel formuliert.

Er und seine beiden Brüder haben ebenso wie die anderen Alt-Eigentümer beim Börsengang keine Anteile abgegeben. Die Beteiligung des Global Founders Fund der Samwers wird aber auf knapp unter 40 von 52 Prozent verwässert. Der schwedische Internet-Investor Kinnevik hält künftig noch 14 Prozent. Die Samwers sind auch Großaktionäre bei Zalando mit knapp 15 Prozent..

Rocket Internet hatte den Börsengang , nachdem die Platzierung der Aktien bei Investoren vorzeitig abgeschlossen worden war. Nach Ablauf aller Sperrfristen sollen rund 24 Prozent der Aktien von Rocket Internet an der Börse gehandelt werden.

Am Mittwoch war der mit Rocket Internet verwandte Online-Modehändler Zalando Börsen-Chart zeigen an der Börse gestartet. Die Aktie kam nach einem anfänglichen Kurssprung am Ende aber nicht über den Ausgabepreis von 21,50 Euro hinaus. Zalando ist damit 5,35 Milliarden Euro wert. Das Unternehmen hatte im Gegensatz zu Rocket die Preisspanne von bis zu 22,50 Euro nicht ganz ausgeschöpft.

Das Rocket-Geschäftsmodell ist es, junge Internet-Unternehmen zu etablieren. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Online-Handel und Dienstleistungen. Die Startup-Produktion ist wie am Fließband organisiert, ein Geschäftsmodell wird schnell in verschiedenen Ländern an den Start gebracht.

Mittlerweile ist Rocket Internet mit rund 50 Firmen in 116 Ländern aktiv. Bei dem Börsengang werden gut 33 Millionen neue Aktien ausgegeben plus rund 4,9 Millionen als Mehrzuteilung für die begleitenden Banken. Mehrere Investoren hätten sich bereits verpflichtet, Rocket-Aktien zum Angebotspreis im Wert von 582,5 Millionen Euro zu erwerben, hieß es.

Analyse: Die sechs Rocket-Risiken

ts/dpa-afx

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