Börsengang des Elektro-Pickup-Bauers Rivian will aus dem Stand mehr wert sein als Ferrari

Rivian-Chef Robert J. Scaringe trumpft auf: Beim für kommende Woche erwarteten Börsengang will der von Amazon unterstützte Elektro-Pick-up Bauer bis zu 8,4 Milliarden Dollar einnehmen. Damit wäre Rivian aus dem Stand mehr wert als die Auto-Ikone Ferrari.
Fettes, schweres Elektro-Teil: Rivians Pick-up R1T bei einer Präsentation in New York im September 2021

Fettes, schweres Elektro-Teil: Rivians Pick-up R1T bei einer Präsentation in New York im September 2021

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John Marshall Mantel / imago images/ZUMA Wire

In den USA steht einer der größten Börsengänge des Jahres an: Das auf Elektro-Nutzfahrzeuge Start-up Rivian dürfte bereits in der kommenden Woche seine Handelspremiere an der New Yorker Tech-Börse Nasdaq feiern – und wird sich viel Geld für den Start der Massenfertigung sichern: Bis zu 8,4 Milliarden Dollar will Rivian bei seinem IPO einnehmen, wie Mitteilungen von Rivian und ein aktualisierter Börsenprospekt nun zeigen.

Wie das Unternehmen am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte, will das Unternehmen 135 Millionen Aktien in einer angestrebten Preisspanne zwischen 57 und 62 Dollar ausgeben. Die E-Autofirma, zu deren Großinvestoren Amazon und Ford zählen, bringt ihre Papiere unter dem Tickerkürzel "RIVN" an die New Yorker Tech-Börse Nasdaq. Mit der Handelspremiere wird bereits in der kommenden Woche gerechnet.

Insgesamt peilt Rivian beim Börsengang eine Bewertung von rund 60 Milliarden Dollar, wie das "Wall Street Journal" vorab unter Berufung auf Insider berichtet hatte . Laut der "Financial Times" ("FT")  sollen es bis zu 53 Milliarden Dollar sein. Zwar war zwischenzeitlich in US-Medien sogar von 80 Milliarden Dollar die Rede gewesen. Doch selbst ein Börsenwert von knapp über 50 Milliarden Dollar wäre ein großer Erfolg für das Start-up, das im September sein erstes Elektromodell im umkämpften Pick-up-Segment auf den Markt gebracht hat. Damit käme Rivian aus dem Stand auf einen höheren Börsenwert als etwa der Autobauer Ferrari - oder Hyundai:

Aufbau der Massenfertigung sorgt für steigende Verluste

Allerdings schreibt Rivian steigende Verluste, wie aus dem bei der US-Börsenaufsicht SEC am 1. November eingereichten aktualisierten Börsenprospekt  hervorgeht. Im Gesamtjahr 2020 lag das Minus bei einer Milliarde Dollar, mehr als das Doppelte als noch 2019. Der Grund dafür: Rivian baut aktuell seine Fabrik für die Massenproduktion von Elektro-Pick-ups und -Nutzfahrzeugen auf. Den Wettlauf unter anderem mit Tesla um den ersten reichweitenstarken Elektro-Pick-up hat Rivian zwar für sich entschieden. Doch die Zahlen zeigen auch, dass der Start in die Massenfertigung kostspielig ist – eine Erfahrung, die auch Tesla beim Anlauf der Model-3-Fertigung machen musste.

Der Börsenprospekt verrät noch weitere spannende Details: Amazon ist Rivians größter Aktionär außerhalb des Rivian-Managements. Aktuell hält der IT- und Onlinehandelsriese 22,4 Prozent an dem Start-up, nach dem Börsengang werden es mindestens 18,9 Prozent sein. Laut dem SEC-Dokument hat Amazon zudem Interesse bekundet, beim IPO weitere 200 Millionen Dollar in zusätzliche Anteile zu investieren.

Auch Rivian-Gründer Robert J. Scaringe (38) wird durch den Börsengang ein reicher Mann, zumindest auf dem Papier: Er hält 17,6 Millionen Aktien an Rivian, die – falls ein Börsengang am oberen Ende der Preisspanne gelingt – rund 1,1 Milliarden Dollar wert sein werden.

Scaringe hat Rivian bereits 2009 gegründet und arbeitete jahrelang im Verborgenen an seiner Vision, Nutzfahrzeuge mit reichweitenstarkem Elektroantrieb auf den Markt zu bringen. Investoren hoffen, dass sich Rivian als eine Art Tesla für leichtere und schwerere Nutzfahrzeuge positionieren kann. Auch manager magazin hat Rivian bereits vor einem Jahr als "gefährlichsten Tesla-Jäger" bezeichnet.

Riesenauftrag für 100.000 Amazon-Lieferwagen sichert Einkünfte

Erste Erfolge kann Rivian bereits vorweisen: Amazon hat bereits 100.000 Rivian-Fahrzeuge geordert, um seine Lieferflotte CO2-ärmer zu machen. Der Onlinehändler und IT-Konzern war im Februar 2019 als Lead Investor einer Finanzierungsrunde bei Rivian eingestiegen – und hat seine Anteile seither offenbar deutlich aufgestockt.

Den Amazon-Riesenauftrag will Rivian bis 2025 erfüllen, bereits jetzt werden erste Prototypen in mehreren US-Bundestaaten getestet. Die Rivian-Lieferwagen gelten als Eckpfeiler in Amazons Bemühungen, seinen "ökologischen Fußabdruck" zu reduzieren. Bis 2040 will der Onlinehändler CO2-neutral sein.

Allerdings birgt Amazons Abnahmegarantie auch ein Risiko für Rivian, wie das Start-up in seinem Börsenprospekt feststellt. Da Rivian am Anfang einen "signifikanten Anteil" seiner Einkünfte aus dem Amazon-Deal erhalten wird, würde Rivian jede Störung dieser Geschäftsbeziehung "materiell und negativ beeinträchtigen".

Laut dem Börsenprospekt hat Rivian Amazon "eine bestimmte Exklusivität" gewährt. Zudem hat Amazon ein Vorkaufsrecht. Das wiederum beeinträchtigt Rivians Möglichkeiten, Geschäfte mit anderen Logistikfirmen zu machen, die ebenfalls auf Elektro-Flotten umrüsten wollen.

Abseits des Liefervertrags mit Amazon, so gibt das Unternehmen zu, hat Rivian bislang nur "minimale Umsätze" aus Verkäufen seines Pick-ups R1T seit dem Launch im September erzielt – und gar keinen aus den Verkäufen anderer Modelle. Allerdings hat Rivian bis Ende Oktober laut Eigenangaben 50.000 Vorbestellungen für den R1T und den SUV R1S erhalten. Bis Ende des Jahres, so heißt es in dem Börsenprospekt, hofft Rivian 1000 R1T-Pickups und 15 R1S-SUVs an Kunden auszuliefern.

wed/dpa-afx
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