Dienstag, 20. August 2019

Börsengang der Deutschen Annington Wenn der Börsengang zum Gängchen wird

Von Telekom bis Osram: Die größten deutschen Börsengänge
Deutsche Annington

Schnell, klein, diskret - der Börsengang der Deutschen Annington passt ins Schema jener "IPO lights", wie sie hierzulande immer beliebter werden. Der Charme des Modells: Es kann auch in einem volatilen Marktumfeld funktionieren.

Hamburg - Anfang dieser Woche klingelte bei ein paar Großinvestoren das Telefon. In der Leitung waren die Emissionsbanken der Deutschen Annington, deren Börsengang ein paar Tage zuvor krachend gescheitert war. Ob sich die Geldverwalter vorstellen könnten, doch noch in den Wohnungskonzern zu investieren, wollten die Anrufer wissen. Das Orderbuch werde für ein paar Stunden geöffnet, der Preis liege bei etwa 16,50 Euro je Aktie. Wer dabei sein wolle, solle sich melden.

Am späten Dienstagabend, 23.26 Uhr, war klar: Es hatten sich genügend Investoren gemeldet. Per Ad-hoc-Mitteilung gab die Deutsche Annington Börsen-Chart zeigenbekannt, knapp 35 Millionen Aktien bei Großanlegern untergebracht zu haben. Das IPO, klassischerweise ein mehrwöchiges Verfahren, hatte sich beim führenden deutschen Immobilienkonzern im zweiten Anlauf auf wenige Stunden verdichtet.

Am heutigen Donnerstag werden die Annington-Papiere zum ersten Mal an der Frankfurter Börse gehandelt. Der Streubesitz allerdings liegt bei mickrigen 15 Prozent. Noch vor ein paar Jahren waren bei Erstnotierungen wenigstens 30 Prozent und oft mehr als 50 Prozent üblich.

Damit passt auch die Erstnotiz der Deutschen Annington ins Schema jener "IPO lights", wie sie in Deutschland immer häufiger zu beobachten sind. Schnell, klein und diskret - das sind die wesentlichen Merkmale der Börsengänge neuen Typs. Nicht mehr möglichst viele Investoren werden angesprochen. Sondern nicht mehr als nötig. Das "Going public" der Annington war zuletzt eine Privatplatzierung für einige wenige ausgesuchte Investoren.

Die Palette der IPO-Optionen ist größer geworden

Der Prototyp des "IPO lights" fand in Deutschland dieses Frühjahr statt. Da machte sich die bis dahin nahezu unbekannte Frankfurter Investmentboutique Mainfirst daran, dem Ruhrkonzern Evonik Börsen-Chart zeigen an die Börse zu verhelfen - nachdem die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen Mitte letzten Jahren auf klassischem Wege mit diesem Vorhaben gescheitert waren.

Auf einen Börsenprospekt verzichtete Mainfirst. Auf jedweden öffentlichen Schnickschnack ebenfalls. Und im Gegensatz zum IPO der Annington gab es zunächst nicht einmal ein Bookbuilding-Verfahren. Stattdessen sammelte Mainfirst still und leise bei zwei Handvoll Investoren Zusagen für ein Investment in Evonik ein.

Erst als diese Deals fix waren, ging der frühere RAG-Konzern an die Öffentlichkeit. Im April wurde die Privatplatzierung schließlich in einen formalen Börsengang überführt - ein in Deutschland bis dahin kaum bekanntes Vorgehen, das nun aber Nachahmer findet. Auch der Gabelstaplerhersteller Kion Börsen-Chart zeigen platzierte zunächst ein paar Aktienpakete privat, bevor er im Juni schließlich an die Börse ging.

"Die Palette der IPO-Optionen ist größer geworden. Speziell der Fall Evonik hat gezeigt, dass es inzwischen bei Börsengängen mehr Möglichkeiten gibt", sagt Reinhold Ernst, Kapitalmarktexperte bei der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller, die bei fast allen deutschen Börsengängen der vergangenen Monate involviert war. Christoph Gruss, IPO-Experte bei der Beraterfirma PricewaterhouseCoopers, stimmt dem zu: "Börsengänge, die nicht mehr dem klassischen Muster entsprechen, werden häufiger."

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung