Mittwoch, 17. Juli 2019

Börsengang der Deutschen Annington Wenn der Börsengang zum Gängchen wird

Von Telekom bis Osram: Die größten deutschen Börsengänge
Deutsche Annington

2. Teil: Ein "IPO light" als erste Etappe des Börsengangs

Der Charme des Mainfirst-Modells: Die Gefahr eines publikumswirksamen Scheiterns, wie es Evonik wiederholt erlebt hatte, wird verringert. Und: Die Emittenten machen sich weniger abhängig von den Stimmungsschwankungen der Investoren. Das ist wichtig, denn seit Ausbruch der Finanzkrise, so erzählen es erfahrene Investmentbanker, wechselt das Sentiment an den Anlegern oft derart schnell, dass wenige Tage über Erfolg oder Misserfolg eines Börsengangs entscheiden können.

"Die Märkte werden immer volatiler und die Investoren immer preissensibler. Darum funktioniert das hergebrachte IPO-Modell, das einen vier- bis fünfwöchigen Prozess vorsieht, nicht mehr", sagt dazu der Investor-Relations-Chef eines deutschen Industriekonzerns.

Denkbar ist zwar, dass der Annington-Börsengang auch eine Woche früher geklappt hätte, wenn das Unternehmen da schon mit seinen Preisvorstellungen runtergegangen wäre. Trotzdem ist auffällig, dass bei der Deutschen Annington genau wie vergangenen Herbst beim Versicherer Talanx Börsen-Chart zeigen wenige Tage reichten, um einem gescheiterten Börsengang ein erfolgreiches Klein-IPO folgen zu lassen. Auch Talanx ging im zweiten Anlauf mit dem Preis runter. Konzentrierte sich auf eine ausgewählte Investorenschaft. Und beschied sich mit einem Streubesitz von rund elf Prozent.

Natürlich hat das Modell Nachteile: Wo die Zahl der potenziellen Investoren künstlich beschränkt wird, leidet zwingend die Preisfindung - das Unternehmen bezahlt also mit einem niedrigeren Emissionspreis für ein Mehr an Dealsicherheit. "Anders geht es nicht", sagt PwC-Mann Gruss. "Der Emittent muss den frühen Investoren einen Rabatt einräumen."

Ein weiteres potenzielles Problem: Die Alteigentümer (heutzutage oftmals Private-Equity-Firmen) hocken auch nach dem IPO auf riesigen Aktienbergen. "Das muss einen Investor skeptisch machen. Denn sobald der Kurs steigt, können die Anleger damit rechnen, dass die Alteigner Aktien auf den Markt werfen", sagt dazu ein erfahrener Frankfurter Investmentbanker. Der Kapitalmarktrechtler Ernst hält diesen Nachteil allerdings für überschaubar: "Mittelfristig spielt das für die Preisfindung keine Rolle."

Klar ist: Das "IPO light" ist kein abgeschlossener Börsengang - sondern für den Emittenten nur die erste Etappe, der weitere "Börsengängchen" folgen. So hat der Talanx-Eigner HDI vergangene Woche angekündigt, demnächst weitere 3,2 Prozent Anteile platzieren zu wollen. Genauso wird es auf mittlere Sicht auch bei der Deutschen Annington kommen. "Der Finanzvorstand der Annington", sagt ein IPO-Experte, der ungenannt bleiben will, "darf sich schon auf die nächsten Roadshows vorbereiten."

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