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Börsenjahr 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax

Foto: Boris Roessler/ dpa

Rückkehr der Börsenbullen Warum der Dax wieder mit 10.000 Punkten flirtet

Der Dax nimmt nach seinem tiefen Sturz die Marke von 10.000 Punkten wieder in den Blick. Nach drei schwachen Börsenmonaten hoffen Anleger auf einen Börsenfrühling: Mit guten Gründen.

War da was? Um knapp 20 Prozent war der Dax (Kurswerte anzeigen) im Börsenjahr 2016 zeitweise abgestürzt, Mitte Februar fiel der deutsche Leitindex bis auf 8752 Punkte. Doch seit etwa drei Wochen geht es an den Börsen wieder aufwärts: Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer ist seit dem 11. Februar um mehr als 10 Prozent gestiegen und nimmt nun sogar die Marke von 10.000 Zählern wieder in den Blick. Was ist passiert?

Dabei haben die politischen Risiken auf der Welt eher zugenommen. Der Bürgerkrieg in Syrien und die Flüchtlingskrise in Europa eskalieren, der Demagoge Donald Trump triumphiert bei den Vorwahlen in den USA, und die Konjunktur in China kühlt sich weiter ab: Erst am Montag meldete Peking einen weiteren Rückgang der Industrieproduktion.

Dass Anleger an der Börse dennoch neue Hoffnung schöpfen, hat mit einer Handvoll Faktoren zu tun, von denen sich die wenigsten mit harten Zahlen untermauern lassen. Nach dem Absturz der vergangenen Monate - der Dax beendete die Monate Dezember, Januar und Februar jeweils im Minus - kommen derzeit vor allem psychologische Faktoren zum Zuge.

Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten

Wochenlang haben schwache Konjunkturdaten aus China und aus Europa für Verkäufe an den Börsen gesorgt, inzwischen bewirken sie das Gegenteil. Der Hintergrund: Mit jeder weiteren schlechten Nachricht von der Konjunkturfront steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die People´s Bank of China und die EZB mit einer weiteren Geldschwemme dagegenhalten.

An diesem Montag hatte die chinesische Notenbank PBoC ihre Geldpolitik bereits weiter gelockert, nachdem die Industrieproduktion erneut zurückgegangen war.

In der Euro-Zone waren die Preise im Februar gefallen, das Risiko einer Deflation ist gestiegen: Daher gehen Anleger fest davon aus, dass EZB-Chef Mario Draghi in der kommenden Woche (10. März) die Geldschleusen weiter öffnen wird. Bislang gibt die EZB 60 Milliarden Euro pro Monat für den Kauf von Anleihen aus.

Short Squeeze - Angst, die Erholung zu verpassen

Short Squeeze - Angst, die Erholung zu verpassen: Seit knapp drei Wochen steigen die Kurse an der Börse wieder, und mit jedem weiteren Tag nimmt der Druck auf Anleger, die auf weiter fallende Kurse gewettet hatten, zu. Dies können einerseits spekulativ orientierte Investoren sein, die mit Leerverkäufen mit fallenden Kursen Geld verdienen wollten.

Es können aber auch institutionelle Anleger und Privatanleger sein, die zum Beispiel einen "Short Dax" ETF gekauft haben, um ihr Depot vor weiteren Verlusten abzusichern. Das Kalkül: Fällt der Dax um weitere 5 Prozent, leiden zwar auch die im Depot vorhandenen Dax-Werte, aber zumindest das "Short Dax" Zertifikat legt um 5 Prozent zu, weil es ja eine Wette auf fallende Kurse darstellt.

Das Problem ist nur - mit der jüngsten Erholung an der Börse verlieren diese Short-Wetten täglich an Wert, und viele Anleger lösen diese Short-Wetten nun wieder auf. Dieses Herausdrängen der Pessimisten ("Short Squeeze") treibt die Indizes weiter oben.

Zudem steigen einige Schnäppchenjäger wieder ein in der Angst, die Erholung zu verpassen.

Die Tatsache, dass in den vergangenen Tagen vor allem die zuletzt tief gefallenen Aktien wie etwa von RWE , Eon, Volkswagen  und der Deutschen Bank  zugelegt haben, ist ein weiterer Hinweis für diese Anlegerstrategie.

Ölpreis-Comeback - Mehr als 20 Prozent in 3 Wochen

Comeback des Ölpreises - 22 Prozent Plus in 3 Wochen

Auch die Ölpreise erholen sich weiter: Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee kostete am Mittwoch rund 37 Dollar je Barrel (159 Liter). Mitte Februar lag der Preis noch unter 30 US-Dollar, es war der niedrigste Preis seit 12 Jahren. Da die Aktienkurse in den vergangenen Wochen sich fast im Gleichschritt mit dem Ölpreis bewegten, kommt der weiteren Entwicklung am Ölmarkt besondere Bedeutung zu.

Die jüngste Erholung am Ölmarkt ist zum Teil von spekulativen Käufen getrieben, aber nicht nur. So ist die Ölproduktion in den USA im Februar den dritten Monat in Folge zurückgegangen - ein Zeichen dafür, dass viele US-Fracking Unternehmen wegen des Preisverfalls ihre Produktion drosseln oder aufgeben. Dies wäre ein Hinweis darauf, dass die Strategie der in der OPEC organisierten Förderländer, durch hohe Förderung die Fracking-Konkurrenz aus den USA aus dem Markt zu drücken, erste Erfolge zeigt.

Doch auch auf der Nachfrageseite gibt es Zeichen der Entspannung: Am Montag hatte Chinas Notenbank den chinesischen Banken mehr Spielraum zur Vergabe von Krediten verschafft, um der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen.

Nun setzen Anleger darauf, dass mit den milliardenschweren Konjunkturhilfen der People´s Bank of China auch die Nachfrage nach Öl in dem Riesenreich stabil bleiben oder sogar wieder leicht ansteigen könnte.

US-Wirtschaft - Yellens Ritt auf der Rasierklinge

US-Wirtschaft: Yellens Ritt auf der Rasierklinge

Zu Jahresbeginn waren Ökonomen noch davon ausgegangen, dass die US-Notenbank nach der Zinswende im Vorjahr nun den Zins in vier oder fünf Schritten zügig wieder auf ein Niveau von rund 2 Prozent anheben werde.

Doch möglicherweise wird das Jahr 2016 doch nicht das Jahr der Zinserhöhungen in den USA: Nach dem China-Schock und dem Kursrutsch an den Weltbörsen hatte US-Notenbankchefin Janet Yellen zuletzt im Januar auf die gestiegenen Risiken der Weltwirtschaft hingewiesen. Eine Zinserhöhung bei der nächsten Fed-Sitzung im März ist damit äußerst unwahrscheinlich, so die Analysten des Bankhauses Julius Bär.

2016 dürfte daher das Jahr der wenigen und vorsichtigen Zinsschritte in den USA werden. Dass die wichtigste Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession zurückfällt, danach sieht es derzeit jedoch nicht aus: So hat sich die Stimmung der Industrie im Februar deutlich stark aufgehellt.

Die US-Firmen haben außerdem im Februar einer Umfrage zufolge weit mehr Stellen geschaffen als erwartet. Insgesamt entstanden im vergangenen Monat 214.000 Jobs, wie der private Arbeitsvermittler ADP am Mittwoch mitteilte. Der Euro fiel daraufhin auf ein Tagestief von 1,0841 Dollar. Die Zahlen gelten als gutes Omen für den Arbeitsmarktbericht der Regierung, der am Freitag ansteht. Darin werden nicht nur Firmenjobs, sondern auch Stellen beim Staat erfasst. Ein kräftiger Jobaufbau würde den Spekulationen um einen erneuten Abschwung der US-Wirtschaft den Boden entziehen. Mit ihren Aktienkäufen spekulieren Anleger an der Wall Street nun auf eine weitere Erholung.

Mehr Dividende - Dax-Konzerne zahlen Treueprämien

Mehr Dividende: Dax-Konzerne zahlen Treueprämien

So unsicher die Aussichten für die Weltwirtschaft auch sind, so spendabel geben sich die deutschen Konzerne. Die Mehrzahl der im Dax 30 notierten Unternehmen hat ihre Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr zweistellig erhöht, für Aktionäre gibt es während der Dividendensaison zwischen März und Mai also mehr Geld.

Selbst Konzerne wie der Chemieriese BASF, die den Fährnissen der Weltwirtschaft stark ausgesetzt sind, haben ihre Dividende deutlich angehoben und zählen mit einer Dividendenrendite von 4 Prozent und mehr zu den Dividenden-Topwerten im Dax.

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Börsenjahr 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax

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Das Kalkül dahinter: Je stärker die Schwankungen an der Börse, desto wichtiger ist eine attraktive Ausschüttung, um Aktionäre bei Laune zu halten.

Und die haben - zumindest mit Blick auf die vergangenen drei Wochen - nun gleich mehrere Gründe zum Durchatmen.


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