Wochenvorschau USA sorgen für Börsenskepsis

Einnmal mehr sind es die Entwicklungen in den USA, die die Börsenkurse in Europa bestimmen. Solange der Streit um den US-Haushalt andauert, traut niemand Aktien etwas zu.
Ach, Amerika: Wo driften die Börsen hin? Solange der Streit um den US-Haushalt andauert, traut niemand Aktien etwas zu.

Ach, Amerika: Wo driften die Börsen hin? Solange der Streit um den US-Haushalt andauert, traut niemand Aktien etwas zu.

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Die verhärteten Fronten im Streit über den US-Haushalt sorgen bei Börsianern zunehmend für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. "Die Unsicherheit bleibt hoch, vor allem in den USA", sagen die Strategen der Landesbank Berlin (LBB). In dem Konflikt stehen, der sich auch um die Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar dreht, stehen sich Republikaner und Demokraten im US-Kongress weiterhin unversöhnlich gegenüber.

Am Samstag wollten beide Seiten einen weiteren Einigungsversuch unternehmen, doch wurden die Erfolgsaussichten als gering eingeschätzt. Gelingt ihnen bis Mitte Oktober keine Einigung, droht der weltgrößten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit. In der ablaufenden Woche erwies sich das politische Gezerre als Gift für die Börsen: Der Dax  verlor im Vergleich zur Vorwoche 0,4 Prozent, der Dow Jones  sogar 1,2 Prozent. Der CBOE-Volatilitäts-Index, der die Sorgen der Marktteilnehmer abbildet, stieg auf fast 17 nach 13,1 Stellen am 20. September.

Viele Investoren hielten sich wegen der diffusen Lage in Amerika mit Käufen zurück, obwohl sie grundsätzlich steigende Kurse erwarteten, sagt LBBW-Analyst Berndt Fernow. "Ist in Washington der Staatsfinanzierungs-Crash abgewendet, dürfte sich der Dax auf die positiven Konjunkturperspektiven besinnen und zu neuen Kurshöhen aufschwingen." Nach Meinung der Commerzbank wird der deutsche Aktienmarkt in der neuen Woche keine Fahrt aufnehmen. "Nach seinem starken Kursanstieg und neuen Höchstmarken im September bewegt sich der Dax momentan bei etwa 8600 Punkten seitwärts. Hieran dürfte sich vorerst nichts ändern", heißt es im Wochenausblick der Bank. Denn auch von der anrollenden Berichtssaison sei nicht viel zu erwarten: Sie werde eher durchwachsen ausfallen.

Am Dienstag will der US-Aluminiumkonzern Alcoa  seine Quartalsergebnisse vorlegen. Das ist traditionell der Auftakt der US-Bilanzsaison. Für Freitag haben die beiden Großbanken JPMorgan  und Wells Fargo  die Bekanntgabe von Geschäftszahlen angekündigt. Die Analysten der LBB verweisen auf eine Serie von Prognose-Senkungen durch die Unternehmen. "Sie übertreffen derzeit die positiven Meldungen im Verhältnis 5,2 zu eins - das ist einer der höchsten Werte seit 2001 und unterstreicht, dass die Wachstumsprognosen im Markt noch recht optimistisch sind."

Entspannung in Italien

Der US-Haushaltsnotstand wirkt sich derweil auch den Terminplan der Börsianer aus. Weil Hunderttausende Staatsbedienstete in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt wurden, fällt die Veröffentlichung staatlicher Konjunkturdaten bis auf weiteres aus. Weiterhin auf der Tagesordnung (Freitag) steht dagegen der von Reuters und der Universität Michigan ermittelte Index des US-Verbrauchervertrauens. Sollten die Behörden wieder normal arbeiten, könnte es Schlag auf Schlag gehen: Dann stünden unter anderem der verspätete Arbeitsmarktbericht sowie die US-Einzelhandelsumsätze auf der Agenda. Gerade mit den Jobdaten fehlt den Börsianern ein wichtiger Indikator, wie es mit der US-Geldpolitik weitergeht.

Entspannung gibt es in Italien nach dem vorläufigen Ende der Regierungskrise. Am Mittwoch hatte das Parlament Ministerpräsident Enrico Letta sein Vertrauen ausgesprochen. "Wir sehen ein geringeres politisches Risiko in Italien nach der Erleichterung über die Bestätigung von Letta", betont Stratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. Der italienische Leitindex gewann auf Wochensicht mehr als drei Prozent. Auch am Anleihemarkt entspannte sich die Situation. Die Renditen der zehnjährigen Papiere fielen um rund 40 Basispunkte und könnten nach Meinung von Analysten noch weiter nach unten gehen. Andere bleiben skeptisch. "Die Regierung bleibt, die Probleme auch", urteilen die Strategen der Commerzbank. Italien sei aus struktureller Sicht gegenüber den anderen Peripherieländern zurückgefallen, "und die Regierung Letta wird kaum die Kraft für einen Reformdurchbruch haben."

got/rtr

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