Börse Dax gibt Großteil der Gewinne wieder ab, die Wall Street auch

Die Stimmung an der Börse in Frankfurt dreht und damit der Dax deutlich ins Plus. Zalando, Delivery Hero, Hellofresh und Satorius sind gefragt. Rückenwind gibt es von der Wall Street.
Zum Wegschauen: Der Dax entfernt sich immer weiter von der 16.000-Punkte-Marke

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Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Der Dax hat am Mittwoch den Großteil seiner zwischenzeitlich recht deutlichen Gewinne wieder abgegeben. Mit etwas schwächeren US-Börsen war es am Nachmittag mit der Erholung für den deutschen Leitindex schnell wieder vorbei. Nach einem Anstieg bis auf fast 15 900 Zähler blieb am Ende des Tages ein Plus von 0,24 Prozent auf 15.809,72 Zähler übrig.

Auch der MDax der mittelgroßen Börsentitel rutschte wieder ab und schloss mit minus 0,06 Prozent auf 34.134,39 Punkten. EuroStoxx 50  legte zuletzt deutlich zu auf plus 0,1 Prozent bei 4262 Punkte. Die Furcht vor steigenden Zinsen bleibt das Hauptthema am Markt. "Die Inflations- und Zinssorgen werden so schnell nicht verschwinden", prophezeite Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Vor weiteren Schmerzen seien die Aktienmärkte wohl nicht gefeit.

Zalando, Delivery Hero, Hellofresh, Satorius treiben Dax

Einige der zuletzt besonders abgestraften Aktien aus den Bereichen Technologie, Online-Handel und Gesundheit erholten sich zur Wochenmitte immerhin deutlich. Zalando gewannen an der Dax-Spitze 3,4 Prozent. Sartorius folgten mit plus 2,2 Prozent und Hellofresh mit plus 2,1 Prozent. Die DZ Bank stufte die Papiere des Kochboxenversenders auf "Kaufen" hoch. Die Marktstimmung für Hellofresh sei derzeit zu negativ, so die Begründung. Zu Qiagen flammten gegen Handelsende abermals vage Übernahmespekulationen auf, die Aktien gewannen zwei Prozent.

Aurubis zeigt sich nach einem kräftigen Gewinnsprung im Auftaktquartal und wegen höherer Verkaufspreise für Metalle und Schwefelsäure optimistischer für das Gesamtjahr. Die Papiere der Kupferhütte sprangen an der MDax-Spitze um 7,8 Prozent hoch und erreichten im Verlauf ein Rekordhoch.

Dagegen trübte sich das Chartbild für Varta weiter deutlich ein. Die Papiere des Batteriekonzerns sanken unter die Unterstützung bei 100 Euro und schlossen 7,1 Prozent tiefer. Für die Aktien des Düngerherstellers K+S ging es nach ihrem in diesem Jahr bislang steilen Anstieg um 6,7 Prozent abwärts.

Negativ von sich reden machte der Autozulieferer und Kabelhersteller Leoni, dessen Aktien um 10,6 Prozent absackten. Durchsuchungen des Bundeskartellamts sorgten dafür, dass sich der Abwärtstrend wieder erheblich beschleunigte. Warburg-Analyst Marc-René Tonn verwies vor dem Hintergrund möglicher Strafzahlungen und potenzieller Ansprüche von Kunden auf die bereits angespannte Finanzlage des Unternehmens.

Dax

Ermutigende Firmenbilanzen locken einige Anleger an die Wall Street zurück. Die Aussicht auf Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed dämpften ihre Kauflaune allerdings. Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 lagen am Mittwoch leicht im Plus bei 35.383 beziehungsweise 4589 Punkten. Der technologielastige Nasdaq, der in den vorangegangenen Tagen überdurchschnittlich verloren hatte, gewann 0,4 Prozent.

Anders als im Vorquartal könnten Unternehmen Geschäftszahlen über Markterwartungen in Kursgewinne ummünzen, sagte Joe Saluzzi, Manager beim Brokerhaus Themis. Denn durch die jüngsten Kursverluste seien ihre Anteilsscheine nicht mehr so teuer wie zuvor.

Die Themen Inflation und Zinswende, die die Aktienkurse in den vergangenen Tagen auf Talfahrt geschickt hatten, seien aber noch nicht erledigt, gab Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda zu bedenken. Die Aussicht auf ein rasches Ende der Geldspritzen durch die US-Notenbank Fed und aggressive Zinserhöhungen mache Anleger nervös. "Wir sprechen hier von Märkten, die sich an eine umfangreiche Unterstützung durch die Zentralbanken gewöhnt haben."

Nasdaq

Nasdaq

Händlern zufolge nehmen die Spekulationen zu, dass die US-Notenbank die Leitzinsen im März um mehr als die bislang erwarteten 0,25 Prozentpunkte anheben könnte, um die anhaltend hohe Inflation in den Vereinigten Staaten zu bekämpfen. Unterdessen nimmt die Berichtssaison der US-Unternehmen Fahrt auf. Unter anderem gewährten der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble , der Krankenversicherer UnitedHealth sowie die Bank of America Einblick in ihre Geschäftsbücher.

Angesichts der schwachen Vorgaben der Wall Street hatten die Aktienmärkte in Japan am MIttwoch mit deutlichen Verlusten geschlossen. Die Sorgen über den geldpolitischen Straffungskurs der US-Notenbank Fed hätten erneut auf den insgesamt positiven Wachstumsaussichten für die Wirtschaft gelastet, erklärte Volkswirt Hao Zhou von der Commerzbank in einer Studie. Der japanische Leitindex Nikkei-Index  sank um fast drei Prozent auf 27.467 Punkte.

Nikkei taucht ab, Sony verliert 13 Prozent

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Unter den Einzelwerten stachen die Papiere von Sony mit einem Minus von nahezu 13 Prozent hervor, nachdem der Rivale Microsoft die Übernahme des Spieleanbieters Activision Blizzard für fast 70 Milliarden Dollar angekündigt hatte. Der Software-Riese hinter der Spielekonsole Xbox greift mit dem Schritt das Spielegeschäft des PlayStation-Konzerns Sony noch stärker an.

Bitcoin kaum verändert

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin macht derzeit keine großen Sprünge. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn latent unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte der Bitcoin zuletzt schwächer bei rund 42.000 Dollar.

Bitcoin

Ölpreise auf höchstem Stand seit sieben Jahren

Der Höhenflug der Ölpreise setzt sich fort. Am Mittwoch stiegen die beiden wichtigsten Rohölsorten Brent und WTI abermals auf siebenjährige Höchststände. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete in der Nacht bis zu 89,04 US-Dollar. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) wurde mit bis zu 86,41 Dollar gehandelt. Das ist jeweils das höchste Niveau seit Oktober 2014.

Brent

Am Morgen gaben die Ölpreise einen Teil ihrer deutlichen Aufschläge aber ab und notierten etwa einen halben Dollar in der Gewinnzone. Haupttreiber am Ölmarkt war zuletzt eine Explosion an einer wichtigen Erdölpipeline zwischen dem Irak und der Türkei. Der Grund ist bisher unbekannt. Türkische Offizielle gingen jedoch laut der Nachrichtenagentur Bloomberg von einer raschen Wiederinbetriebnahme aus.

Die Explosion fällt in eine Zeit mit angespanntem Angebot. Schon seit Wochen bleibt der Ölverbund Opec+ mit seiner Produktion hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommen Spannungen zwischen den jemenitischen Huthi und einer gegnerischen Koalition, angeführt von dem Ölriesen Saudi-Arabien. Zugleich wird die Nachfrage durch die Omikron-Welle weniger stark beeinträchtigt als ursprünglich befürchtet.

Mit Nachrichtenagenturen