Börse Dax klettert im Wochenendspurt über 13.000 Punkte

Am Ende einer turbulenten Börsenwoche schließt der Dax über der Marke von 13.000 Zählern. Schwache Stimmungsdaten aus der deutschen Wirtschaft steckte der Leitindex gut weg. Unterstützung kam am Freitag auch von der Wall Street.
Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Der Dax gewann am Freitag 1,59 Prozent

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Der Dax gewann am Freitag 1,59 Prozent

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture-alliance/ dpa

Am Freitag stieg der Dax  nach einem Schlussspurt um 1,59 Prozent auf 13.118 Punkte und glich damit die Wochenverluste nahezu aus. Der MDax legte um 1,71 Prozent auf 26.952 Zähler zu. Auf europäischer Ebene fiel die Erholung noch stärker aus. Der Leitindex EuroStoxx 50 kletterte um 2,8 Prozent auf 3533 Punkte.

"Bis es mehr Klarheit bei Inflation, Geldpolitik sowie Konjunktur- und Unternehmensgewinnentwicklung gibt, werden die Märkte nervös bleiben", kommentiert Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Die zuletzt zahlreichen Aktienverkäufe bezeichnet er als eine Art "Kapitulation", wenngleich noch nicht klar sei, ob der Ausverkauf beendet sei. So hat der Dax seit seinem Zwischenhoch Anfang Juni fast 11 Prozent eingebüßt. Einige Experten hatten schon auf das März-Tief von 12.438 Zählern geschielt, auf das der Index nach Ausbruch des Ukraine-Krieges gefallen war.

Doch am Freitag steckten die Kurse auch eine schlechte Stimmung in der deutschen Wirtschaft gut weg. Der Ifo-Geschäftsklimaindex hatte sich im Juni stärker als prognostiziert eingetrübt, Sorgen bereiten den Unternehmen vor allem die Strompreise und Gasknappheit. "Die verschlechterten Erwartungen zeigen ganz klar, dass für die Firmen die wesentliche Herausforderung in der Energieversorgung im kommenden Winter besteht", merkte Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank an.

Defensive Titel bevorzugt

Zur Erholung trugen vor allem Aktien aus dem Gesundheitsbereich bei. So befanden sich mit Merck, Siemens Healthineers, Sartorius, Qiagen und Fresenius gleich fünf Titel unter den 15 größten Gewinnern. Merck lagen mit plus 5,6 Prozent an der Dax-Spitze. Im MDax waren Evotec-Aktien mit einem Plus von 5,8 Prozent der Spitzenreiter.

Zalando mit Achterbahnfahrt

Eine Achterbahnfahrt erlebte im Handelsverlauf die Aktie von Zalando. Nach drastisch reduzierten Jahreszielen des Online-Modehändlers sackten die Papiere um bis zu 18 Prozent ab und damit auf den tiefsten Stand seit fast acht Jahren. Auch Aktien aus der Mode- und Onlinebranche wurden von der Nachricht zunächst in Mitleidenschaft gezogen. Am Nachmittag erholten sich Zalando-Aktien aber und standen lediglich mit 1,6 Prozent im Minus.

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Die Aktien der Deutschen Post stiegen dagegen um 2,6 Prozent. Sie profitierten vom Geschäftsbericht des US-Konkurrenten Fedex. Dieser erzielte im jüngsten Geschäftsquartal deutlich mehr Umsatz und auch der Betriebsgewinn legte zu.

US-Börsen im Aufwind

US-Aktienanleger haben ihre Inflationssorgen am Freitag beiseite geschoben und der Wall Street Auftrieb verschafft. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 2,3 Prozent auf 31.369 Punkte, der breiter gefasste S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq legten je 2,5 Prozent auf 3888 und 11.507 Punkte zu.

Erleichterung verschafften den Börsen zuletzt verlangsamte Konjunkturindikatoren, wodurch sich die Investoren weniger aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank erhofften. "Das kombiniert mit niedrigeren Rohstoffpreisen und Anleiherenditen sind die Gründe, die Investoren nennen, warum wir einen kurzfristigen Börsenaufschwung erleben könnten", sagte Sam Stovall, Investmentstratege bei CFRA Research in New York. Durch niedrigere Anleiherenditen sinken die Finanzierungskosten von Unternehmen.

Bankenindex zieht an

Ein Anstieg des Nettogewinns und ein optimistischer Ausblick von FedEx kamen bei den Anlegern gut an. Die Aktien des Deutsche-Post-Rivalen legten mehr als sieben Prozent zu. Die geplanten Einsparungen sollten die Belastungen durch steigende Lohn- und Treibstoffkosten bei dem Paketzusteller abfedern, prognostizierte Analystin Helane Becker vom Vermögensverwalter Cowen.

Der Bankenindex zog um mehr als 3 Prozent an. Die großen in den USA tätigen Banken sind den Ergebnissen des jährlichen Stresstests zufolge gut für eine Wirtschaftskrise gerüstet.

Der Aktienkurs von USA Truck schoss nach einer Übernahmeofferte der Deutsche-Bahn-Tochter DB Schenker in die Höhe. Der Kurs stieg um mehr als das Doppelte auf 31,67 Dollar. DB Schenker bietet 31,72 Dollar je Aktie für den LKW-Spediteur und will damit sein Nordamerika-Geschäft stärken. Die Offerte bewertet USA Truck mit einer Summe von rund 435 Millionen Dollar. Nach erfolgreicher Transaktion soll das Unternehmen von der Börse genommen werden.

Aktien von Zendesk schossen um knapp 30 Prozent auf 75 Dollar nach oben. Eine von Permira und Hellman & Friedman angeführte Gruppe von Finanzinvestoren übernimmt die US-Softwareschmiede für 10,2 Milliarden Dollar in bar.

Kursgewinne auch in Asien

Auch der japanische Nikkei-Index  war am Freitag um 1,2 Prozent auf 26.492 Punkte gestiegen, die Börse Shanghai legte um 0,9 Prozent auf 3349 Zähler zu. In China hellte zudem eine umgerechnet 8,5 Milliarden Euro schwere Geldspritze der dortigen Notenbank die Stimmung auf. Die jüngsten Kursverluste der japanischen Aktien seien von der Sorge ausgelöst worden, dass die US-Notenbank Fed mit drastischen Zinserhöhungen die Konjunktur abwürgt, sagte Shigetoshi Kamada, Chef-Analyst des Brokerhauses Tachibana. "Aber in Japan ist das Umfeld anders. Daher ist der hiesige Aktienmarkt in einer vorteilhaften Position." Es sei aber unklar, ob und wie lange dies so bleiben werde. Gegen den internationalen Trend hält die Bank von Japan (BoJ) an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik fest.

Bitcoin stabil

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin legt am Freitag weiter zu. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Cyberdevise zuletzt bei 21.200 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise sind am Freitag merklich gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  113,13 US-Dollar. Das waren 3,08 US-Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 3,33 US-Dollar auf 107,60 US-Dollar.

Berichte über erneute Produktionsausfälle im nordafrikanischen Ölförderland Libyen stützten die Preise, schreibt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Dort musste die Ölproduktion einer Ölgesellschaft im Osten des Landes wegen abermaliger politischer Proteste eingestellt werden. Laut Fritsch dürfte die Ölproduktion in Libyen um rund ein Viertel zurückgehen.

In der abgelaufenen Woche sind die Ölpreise jedoch merklich gefallen. Seit Mitte Juni stehen die Erdölpreise tendenziell unter Druck. Auslöser sind aufkommende Rezessionsängste. Befürchtet wird, dass die deutlichen Zinsanhebungen vieler Notenbanken im Kampf gegen die hohe Inflation die ohnehin fragile Konjunktur ins Straucheln bringt. Belastet wird die Wirtschaft seit Längerem durch erhebliche Verspannungen im Welthandel, ausgelöst durch die Corona-Krise und verstärkt durch den Ukraine-Krieg.

Ungeachtet dessen befinden sich die Rohölpreise immer noch auf hohem Niveau. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat das weltweite Angebot deutlich reduziert, da russisches Öl im Westen von vielen Ländern boykottiert wird und zahlreiche andere Staaten aus Angst vor Sanktionen auf russisches Öl eher verzichten. Die Energienachfrage hat nach Beruhigung der Corona-Pandemie deutlich angezogen

Mit Nachrichtenagenturen