Freitag, 24. Mai 2019

Steigende Aktienkurse und Zinsen Wie Trump deutschen Sparern das Weihnachtsfest versüßt

Weihnachtsmann: Die Kassen klingeln

2. Teil: So lässt Trump auch die Zinsen steigen

Doch Trump gewann und gibt seither den Hoffnungsträger für Millionen Menschen - darunter eben auch zahllose Investoren rund um den Globus. Sie vertrauen darauf, dass er seine Versprechungen von Deregulierung, Steuersenkungen und Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur der Vereinigten Staaten in die Tat umsetzt. Und darauf, dass das die US-Wirtschaft kräftig wachsen, die Inflation anspringen sowie die Zinsen und den Dollar steigen lässt.

Das ist der Hintergrund des großen "Trump-Trades", der zurzeit an den Börsen zu beobachten ist: Raus aus Anleihen und anderen vermeintlich sicheren Assets wie beispielsweise Gold, dessen Preis seit der Trump-Wahl ebenfalls erodiert. Und hinein in Aktien.

Dass auch der Ölpreis seit der Einigung der Opec und Russlands im November wieder gestiegen ist, passt den Investoren nur allzu gut ins Bild: Dadurch verbessern sich die Aussichten der US-Ölindustrie, deren Aktien ohnehin zu den Favoriten der vergangenen Wochen gehörten, zusätzlich.

Die Folge: Alle wichtigen US-Aktienindizes sind seit der US-Wahl auf Rekordniveau gestiegen. Der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen, der die 30 wichtigsten US-Konzerne enthält, steht sogar kurz davor, erstmals in seiner Geschichte die Marke von 20.000 Punkten zu überspringen.

Zudem hat die Euphorie auch den deutschen Aktienmarkt erfasst: Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen der 30 führenden Werte stieg seit der US-Wahl auf den höchsten Stand dieses Jahres. Der weiter gefasste MDax Börsen-Chart zeigen, der die nächstkleineren 50 deutschen Firmen enthält, erreichte im Zuge des Aufschwungs in dieser Woche sogar ein Allzeithoch.

Dazu zur Klarheit: Dass der MDax auf Allzeithoch steht und der der Dax "nur" auf Jahreshoch, bedeutet nicht, dass der große Index zurzeit schlechter performt als der kleinere. Tatsächlich hat der Dax den MDax seit der US-Wahl sogar um einige Prozentpunkte abgehängt. Der deutsche Leitindex war zuvor allerdings auch stärker unter Druck geraten, etwa aufgrund der Banken und Versorger, die darin stärker vertreten sind, und die in letzter Zeit ziemliche Probleme hatten. Deshalb ging die jüngste Dax-Erholung von einem relativ betrachtet niedrigeren Niveau aus, als jene im MDax.

Weniger Druck auf Zentralbanken

Freuen können sich über die aktuellen Umschichtungen an den Finanzmärkten indes nicht nur Anleger, die rechtzeitig in Aktien investiert haben. Früher oder später können vielmehr vermutlich auch Sparer, die ihr Geld in Tages- oder Festgeld sowie festverzinsliche Bankkonten gesteckt haben, aufatmen. Denn auch dort sollte sich das nun wieder allgemein steigende Zinsniveau bemerkbar machen.

Wir erinnern uns: Laut J. P. Morgan Asset Management wurden die Zentralbanken als "einzig rettender Strohhalm" abgelöst. An ihre Stelle trat als Hoffnungsträger der kommende US-Präsident Donald Trump. Damit lässt der Druck auf die Notenbanker, die Wirtschaft mit billigem Geld am Laufen zu halten, nach.

Entsprechend verhalten sich die Zinswächter: Die amerikanische Fed erhöhte seit Ende 2015 bereits zweimal ihre Leitzinsen und hat weitere Schritte für das kommende Jahr angekündigt. Auch die Bank of Japan ist nicht mehr so sehr auf das Gelddrucken fokussiert, wie etwa die Nachrichtenagentur Bloomberg beobachtet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Ende ihrer Anleihenkäufe ebenfalls bereits in Aussicht gestellt.

In Schweden, dem Land, dessen Zentralbank 2009 als erste der Welt einen Negativzins einführte, steht die Zinswende zudem offenbar ebenfalls kurz bevor. Auf einer Sitzung in dieser Woche konnten sich die Verantwortlichen der Reichsbank beinahe nicht darauf einigen, den Leitzins bei minus 0,5 Prozent und damit so niedrig wie nie zuvor zu halten. Erst die Stimme des Bankpräsidenten Stefan Ingves brachte die Entscheidung.

"Mit Abstand betrachtet neigt sich die lockere Geldpolitik in Schweden ihrem Ende zu", kommentiert Robert Bergqvist, Chefökonom der schwedischen SEB Bank, das Ereignis. "Das passt zu dem, was sich auch in anderen Zentralbanken abspielt."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Steigende Aktienkurse und steigende Zinsen also - für Geldanleger gibt es schlimmere Szenarien zum Jahreswechsel. Vielen Experten zufolge dürfte sich an dem Trend auch im kommenden Jahr nicht viel ändern. Allerdings unter einer Bedingung: Dass es vor allem vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump keine bösen Überraschungen gibt.

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