Sonntag, 18. August 2019

Aktienkurse nach der Wahl Börse paradox - das "Horrorszenario" bleibt aus

Nikkei taumelt erneut: Wie bereits schon am Tag des Brexit, wo der Nikkei zwischenzeitlich fast 500 Punkte verlore (Bild) ging es in der Nacht zu Mittwoch erneut abwärts

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA ergreifen Aktienanleger zunächst die Flucht. Asiens Indizes gehen mit deutlichen Verlusten aus dem Handel. In Japan gewinnt der Yen zum Dollar deutlich. In Mexiko stürzt der Peso ins Bodenlose. Der Dax verliert zunächst 3 Prozent, und dann passiert, womit wohl die wenigsten gerechnet haben.

Donald Trump zieht ins Weiße Haus ein, und weltweit sind die Anleger in Angst. Zunächst jedenfalls. Die Kurse waren in den vergangenen Tagen zwar bereits deutlich abgesackt, das Worst-Case-Szenario "President Trump" hatten die Investoren aber nicht vollends nachzeichnen wollen.

Trumps Sieg erwischte die Anleger am Mittwoch ähnlich wie beim Brexit-Votum auf dem falschen Fuß. Sie schmissen in hohem Bogen Aktien aus dem Depot. Gold Börsen-Chart zeigen dagegen als Krisenwährung zog kräftig an.

In Asien zeichneten die Indizes als erste die überraschende Siegesserie von Trump nach: In Japan verlor der Nikkei Börsen-Chart zeigen 5,4 Prozent zum Handelsschluss. Die Börsen in Hongkong, Shanghai und Seoul gaben bis zu 2,8 Prozent nach. Und der Dax Börsen-Chart zeigen? Dem deutschen Leitindex schien ein ähnlicher Kurssturz beschieden, hatten Händler zwei Stunden vor Handelsbeginn doch zunächst ein Minus von 4,6 Prozent vorausgesagt. Der Dax startete auch deutlich schwächer, konnte seine Verluste aber zwischenzeitlich auf 0,4 Prozent reduzieren.

Händler kommentierten die Entwicklung am Mittwoch daher zunächst auch mit teils drastischen Worten: "Das Horrorszenario für die Finanzmärkte ist eingetreten", meinte Saurenz von Feingold Research. "Die Börsen sind mit einer Präsidentin Clinton ins Bett gegangen und wachen nach einer heißen Nacht neben einem Präsidenten Trump wieder auf." Die Märkte erlebten quasi einen zweiten Brexit.

Von einem "zweiten Blutbad an den Märkten" sprach Oanda-Analyst Craig Erlam. Was jetzt komme, lasse sich nur schwer einschätzen, meinen verschiedene Händler. "Die Unsicherheit wird weiter anhalten, bis klar wird, wohin die Reise wirtschaftlich und politisch geht", sagte Ludwig Donnert von Orca Capital. Sollte Trump an seiner harten außenwirtschaftlichen Linie festhalten, verspreche dies nichts Gutes, zeigt sich auch Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank verunsichert.

Ob er das tun wird, ist unklar. Zunächst gab Trump erstaunlich versöhnliche Töne von sich. "Jetzt ist es Zeit, die Wunden der Teilung zu überwinden und Amerika wieder zu einen." Er wolle "Präsident aller Amerikaner sein", sagte Trump. Seiner Widersacherin Hillary Clinton, die er wiederholt beleidigt hatte, gratulierte Trump gar. Das Land müsse ihr dankbar sein für ihre Leistungen.

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