Börse Zinsangst zieht Dax 2,5 Prozent ins Minus

Die Furcht vor deutlichen US-Zinserhöhungen hat Anleger am Freitag verschreckt – der Dax verlor 2,5 Prozent, der Dow liegt 1,8 Prozent im Minus. Auch der Bitcoin fiel unter die Marke von 40.000 US-Dollar.
Skeptischer Blick: Der Dax mit dem höchsten Tagesverlust seit sechs Wochen

Skeptischer Blick: Der Dax mit dem höchsten Tagesverlust seit sechs Wochen

Foto: Frank Rumpenhorst / picture-alliance/ dpa

Die Furcht vor einem Leitzinsschub treibt die Anleger am Freitag in die Defensive. Der Dax  büßte nach zwei starken Börsentagen 2,48 Prozent auf 14.142 Punkte ein. Damit waren die zwischenzeitlichen Gewinne auf Wochensicht wieder Makulatur. Auch in der zweiten Börsenreihe gaben die Aktienkurse nach: Der MDax  der mittelgroßen Werte verlor 2,05 Prozent auf 30.800 Zähler.

Als besonders stark von steigenden Zinsen betroffen gelten technologielastige Wachstumswerte. Vor diesem Hintergrund waren deutsche Online-Unternehmen wie Delivery Hero, Zalando oder Hellofresh mit bis zu minus 5,7 Prozent unter den Verlierern im Dax.

Die bislang gut verlaufene Saison der Quartalsberichte brachte vor dem Wochenende gemischte Nachrichten: Die ebenfalls dem Tech-Sektor zugerechneten SAP-Aktien verloren wegen einer enttäuschenden Gewinnmarge 2,0 Prozent.

Dax

Doch es gab auch bessere Nachrichten: Der Handelskonzern Metro blickt positiver auf das laufende Geschäftsjahr, was der Aktie einen Kursgewinn von gut fünf Prozent verschaffte.

Ein optimistischer Ausblick des schweizerischen Baustoffkonzerns Holcim zog die Aktien des Zementherstellers Heidelbergcement mit nach oben. Mit plus 0,8 Prozent waren die Papiere der einzige Gewinner unter den 40 Dax-Aktien.

Covestro waren im Leitindex nur optisch das Schlusslicht, denn die Titel des Kunststoffkonzerns wurden ex Dividende gehandelt. Gleiches galt für den Autozulieferer Schaeffler im SDax.

Nach einem frühen Kurssprung der Adler Group um 20 Prozent nach oben schmolz der Gewinn zum Handelsschluss auf ein mageres Prozent ab. Das Ergebnis der Untersuchung durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG sorgte bei den Anlegern zunächst für Erleichterung. Die Immobiliengruppe sieht sich nun von Vorwürfen des systematischen Betrugs entlastet. Nach dem anfänglichen Kurssprung nahmen die Anleger jedoch wieder Gewinne mit.

Auch der EuroStoxx 50 büßt deutlich ein

Europaweit gerieten die Börsen vor dem Wochenende unter Druck. Der EuroStoxx 50  verlor 2,24 Prozent auf 3840 Punkte. Einen ähnlich hohen Verlust verbuchte der französische Cac 40, beim Londoner FTSE 100 fiel das Minus etwas geringer aus.

Am Devisenmarkt rutschte der am Vortag sehr gefragte Euro am Abend auf 1,0785 US-Dollar ab. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0817 (Donnerstag: 1,0887) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9245 (0,9185) Euro.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Kurse an der Wall Street rutschen weiter ab

Die Aussicht auf drastischere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed veranlasst Anleger zum Rückzug von der Wall Street. Enttäuschende Geschäftszahlen einiger Unternehmen belasten die Börse zusätzlich. Der US-Standardwerteindex Dow Jones fällt am Freitag um 1,8 Prozent auf 34.168 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq geben ähnlich stark nach.

Auf die Stimmung schlugen vor allem die jüngsten Aussagen des US-Notenbankchef Jerome Powell, der für Mai eine Anhebung um einen halben Prozentpunkt signalisiert hatte. "Der Markt befürchtet, dass die Fed die Inflationsangst zu sehr schürt und die Unternehmensgewinne in Zukunft einbrechen lassen könnte", sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. In diesem Zusammenhang flogen auch US-Staatsanleihen aus den Depots.

Sorgen bereiteten Börsianern neben dem Krieg in der Ukraine die Pandemie-Beschränkungen in China. "Ursprünglich sollte es nur ein kurzer Lockdown für Shanghai sein", sagte Analyst Wenyu Yao von der Bank ING. "Jetzt dauert er schon über einen Monat und niemand weiß, wann er endet."

Gap und Verizon enttäuschten mit Ausblicken

Zu den größten Verlierern am US-Aktienmarkt zählte Gap mit einem Kursminus von knapp 20 Prozent. Wegen der schwächelnden Konjunktur und Problemen bei der Marke Old Navy rechnet die Modefirma für das erste Quartal mit einem Rückgang der Erlöse um bis zu etwa 15 Prozent. Bislang war ein Minus im hohen einstelligen Prozentbereich angekündigt worden. Er halte die aktuellen Kursverluste aber für eine Kaufgelegenheit, schreibt Analyst David Swartz vom Research-Haus Morningstar. Gap sei weit davon entfernt in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Bei Verizon überschattete ein verhaltener Ausblick den überraschend geringen Kundenschwund. Der Mobilfunker erwartet für 2022 einen Gewinn am unteren Ende der angepeilten Spanne von 5,40 bis 5,55 Dollar je Aktie. Der Umsatz werde wohl eher um neun statt zehn Prozent wachsen. Verizon arbeite in einem hart umkämpften Markt, schrieben die Analysten des Research-Hauses Zacks. Neben Marketingausgaben und Rabatten zur Kundenwerbung seien die Kosten für Mobilfunk-Frequenzen ein Risikofaktor für die Ertragskraft. Verizon-Titel fielen um 6 Prozent.

Nasdaq

Nasdaq

In Erwartung einer baldigen Übernahmeofferte durch Elon Musk steigen Anleger bei Twitter ein. Die Aktien des Kurznachrichten-Dienstes steigen an der Wall Street um 5,6 Prozent. Der Tesla-Chef hat sich nach eigenen Angaben 46,5 Milliarden Dollar für den Deal gesichert. Außerdem will er einem Zeitungsbericht zufolge den Finanzinvestor Thoma Bravo ins Boot holen.

Bitcoin unter 40.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist am Freitag unter die Marke von 40.000 Dollar gerutscht und notierte am Abend auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 39.380 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise sind am Freitag deutlich gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 106,04 US-Dollar. Das waren 2,29 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 2,10 Dollar auf 101,69 Dollar. Marktbeobachter verwiesen auf eine insgesamt trübe Stimmung an den Finanzmärkten, die auch die Notierungen für Rohöl nach unten gezogen hätten.

Brent

Auch auf Wochensicht sind die Ölpreise deutlich gefallen. Bei der Nordsee-Sorte Brent belaufen sich die Verluste auf mittlerweile mehr als 6 Prozent. Rohstoffexperte Carsten Fritsch begründete dies unter anderem mit den harten Maßnahmen der Regierung in China im Kampf gegen die Coronapandemie. Besonders betroffen ist die chinesische Wirtschaftsmetropole Shanghai, mit einem der weltweit wichtigsten Häfen. Am Ölmarkt wird eine Unterbrechung wichtiger Lieferketten und damit negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft befürchtet.

Mit Nachrichtenagenturen