Börse Dax und Dow steigen deutlich

Aktionäre hoffen auf eine friedliche Lösung im Ukraine-Konflikt: Dax und Dow reagieren mit deutlichen Gewinnen auf die jüngsten Signale einer möglichen Entspannung. Die Aktie von Delivery Hero steigt zweistellig. Für Schlagzeilen in den USA sorgt die Milliardenübernahme von Intel.
Händlerin an der Börse: Der Dax steigt am Dienstag deutlich

Händlerin an der Börse: Der Dax steigt am Dienstag deutlich

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Russland-Ukraine-Konflikt hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag angetrieben. Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge zieht Russland einige Truppen im Süden und Westen in die Kasernen zurück. Analyst Craig Erlam vom Handelshaus Oanda sprach von einem Schritt in die richtige Richtung.

Der Dax übersprang die Marke von 15.400 Punkten und schloss 1,98 Prozent im Plus bei 15.413 Punkten, nachdem er zu Wochenbeginn noch rund 2 Prozent eingebüßt hatte. Der MDax der mittelgroßen Werte zog am Dienstag um 2,24 Prozent auf 33.466 Punkte an. EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um etwa zwei Prozent auf 4133 Punkte.

"Obwohl es auf diplomatischer Ebene noch viel zu tun gibt, sind die laufenden Gespräche aus Sicht der meisten Investoren auf einem guten Weg", sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades.

Dax

Bei den Unternehmen rückte Intel ins Rampenlicht. Der Chip-Hersteller schluckt für 5,4 Milliarden Dollar den israelischen Auftragsfertiger Tower Semiconductor. Dessen in den USA notierte Aktien steuerten mit einem Kursplus von 42 Prozent auf ein 17-1/2-Jahres-Hoch von 47 Dollar zu. Das Unternehmen sei mit einem Preis von 53 Dollar je Aktie ein Schnäppchen, lobte Analyst Gus Richards von der Investmentbank Northland. Außerdem sichere sich Intel Expertise bei bestimmten Chips, die besonders stark gefragt seien.

Stimmung unter Finanzexperten hellt sich auf

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten hellten sich im Februar erneut auf, wie das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW zeigte. Allerdings hatten Analysten mit einer noch freundlicheren Entwicklung gerechnet. "Marktteilnehmer hoffen darauf, dass die Corona-Einschränkungen bald gelockert werden und sich die wirtschaftlichen Perspektiven bessern", kommentierte die Helaba. Zwar sorge der Ukraine-Konflikt für Unsicherheit, dennoch steige der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), von ihrer extrem lockeren Geldpolitik allmählich abzurücken.

Delivery-Hero-Aktie steigt nach Kurssturz

Auf Erholungskurs schwenkten am Dienstag die Aktien von Delivery Hero  gemeinsam mit anderen deutschen Online-Werten. In der Vorwoche hatte der Essenslieferdienst den Aktienkurs mit einem düsteren Ausblick in schwere Turbulenzen gebracht. Am Dienstag gewannen die Titel vorne im Dax fast zwölf Prozent. Es wurde zudem bekannt, dass Konzernchef Niklas Östberg am 10. Februar für fast 14 Millionen Euro Aktien von Delivery Hero gekauft hatte, was als Vertrauensbeweis in das Unternehmen gewertet werden kann. Am Donnerstag hatte der Essenslieferdienst Anleger mit einem düsteren Ausblick erschreckt und den Kurs in schwere Turbulenzen gebracht, bei 40 Euro könnten die Anteilsscheine aber vorerst ihren Boden gefunden haben. Die Credit Suisse schrieb denn auch am Dienstag, der Kurseinbruch um mehr als 40 Prozent binnen weniger Tage sei übertrieben - und hielt an ihrem positiven Votum für die Aktien fest.

Die Käufer an der Wall Street kehren zurück

Deutliche Kursgewinne auch in den USA: Eine mögliche Entspannung im Konflikt um die Ukraine lässt die Anleger am Dienstag wieder bei Aktien zugreifen. Der Dow Jones Industrial stieg bis kurz vor Handelsschluss um 1,2 Prozent auf 34.971 Punkte. Noch etwas stärker ging es für den technologielastigen Nasdaq 100 mit Gewinnen von 2,4 Prozent aufwärts. Schwergewichte wie die Aktien von Nvidia und Tesla legten deutlich zu.

Nasdaq

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Goldpreis auf Acht-Monats-Hoch

In der Ukraine-Krise ist Gold als sicherer Anlagehafen wieder stärker gefragt. Am Dienstag stieg der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) des Edelmetalls bis auf 1879 US-Dollar. Damit wurde der höchste Stand seit Juni 2021 markiert. Seit vergangenen Freitag hat der Goldpreise um etwa 50 Dollar zugelegt, kurz vor der Jahreswende hatte das Edelmetall noch etwa 100 Dollar weniger gekostet.

Hintergrund sind die Spannungen an der ukrainisch-russischen Grenze. Marktteilnehmer steuern in ungewissen Zeiten vermehrt Sachwerte wie Gold an, während riskantere Anlagen wie Aktien eher an Wert verlieren. Gebremst wird das Edelmetall jedoch durch vielerorts steigende Kapitalmarktzinsen, die das zinslose Gold im Vergleich zu zinstragenden Anlagen weniger lukrativ erscheinen lassen. Hinzu kommt der zuletzt aufwertende US-Dollar, der ein Hemmnis für die Nachfrage aus Ländern außerhalb des Dollarraums darstellt. Gold wird in der Regel in der US-Währung gehandelt.

Ölpreise: 100-Dollar-Marke bleibt in Reichweite

Wegen einer nachlassenden Furcht vor Lieferausfällen ging es für die Ölpreise abwärts. Die Sorte Brent  aus der Nordsee verbilligte sich um fast vier Prozent auf 92,80 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem sie am Montag ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch von 96,78 Dollar erreicht hatte. "Russland exportierte im Januar knapp 4,7 Millionen Barrel Rohöl pro Tag", rechnete Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch vor. "Sollte im Falle einer militärischen Auseinandersetzung und aufgrund von westlichen Sanktionen ein Teil davon wegfallen, könnte dies nicht so ohne weiteres aufgefangen werden." Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel auf 92,62Dollar.

Am Montag hatten die Erdölpreise weiter zugelegt und ihr höchstes Niveau seit dem Herbst 2014 markiert. Trotz der jüngsten Abschläge bleibt die Marke von 100 US-Dollar je Fass Rohöl in Reichweite. Hauptgrund für die deutlichen Preisaufschläge, die seit Jahresbeginn etwa 25 Prozent betragen, ist auch hier die Krise an der ukrainisch-russischen Grenze.

Brent

Asiatische Börsen schwächer

Die wichtigsten Aktienmärkte in Asien haben am Dienstag überwiegend schwächer tendiert. Die Unsicherheit bleibt hoch. Neben dem Ukraine-Konflikt drückt weiter die hohe Inflation und die Aussicht auf Zinserhöhungen in den USA auf die Stimmung. In Tokio schloss der Nikkei-Index  nach dem schwachen Wochenstart mit einem Abschlag von 0,8 Prozent.

Der Hang-Seng-Index in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong sank um 1,3 Prozent, während der chinesische CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland um 0,6 Prozent zulegte.

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Mit Nachrichtenagenturen