Börse Dax verbucht Tagesgewinne

Der Dax hat sich am Donnerstag gut behauptet. Sinkende Einzelhandelsumsätze sorgten nur kurz für einen Dämpfer. Die Kurse an den US-Börsen entwickeln sich nach der Partylaune vom Vortag eher verhalten.
Parkett in Frankfurt: Der Dax behauptet sich am Donnerstag erneut im Plus

Parkett in Frankfurt: Der Dax behauptet sich am Donnerstag erneut im Plus

Foto: Marius Becker / picture alliance / dpa

Bekräftigte Signale für moderatere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag Rückenwind gegeben. Hinzu kamen erneute Hoffnungen, dass China seine strikte Corona-Politik allmählich etwas lockern könnte. Das würde die Nachfrage nach vielen Wirtschaftsgütern ankurbeln. Für einen Dämpfer sorgten allerdings die unerwartet klar gesunkenen deutschen Einzelhandelsumsätze im Oktober.

Der Dax gewann 0,65 Prozent auf 14.490 Punkte (Xetra-Schluss um 17.30 Uhr). Ob der Leitindex die neunte Gewinnwoche in Folge verzeichnen wird, bleibt abzuwarten – aktuell zeichnet sich hier noch ein moderater Verlust ab. Der MDax stieg um 1,41 Prozent auf 25.955 Zähler. Der EuroStoxx50 ging mit 3.977 Punkten 0,3 Prozent höher aus dem Handel.

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Unter den Einzelwerten stiegen im Dax die Aktien der Deutschen Telekom um 1,4 Prozent. Analyst Akhil Dattani von JPMorgan sieht 2023 einige potenzielle Kurstreiber für die T-Aktie und setzte sie daher auf die "Analyst Focus List". Seine positive Einstufung "Overweight" behielt er bei, hob aber das Kursziel noch etwas an.

Im MDax sprangen die Aktien des Bausoftwareherstellers Nemetschek um 7,7 Prozent hoch. Im kommenden Jahr erwartet der Vorstandschef laut einem Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX "weiterhin Umsatzwachstum und ein operatives Ergebnis auf hohem Niveau".

In den Fokus rückten außerdem die Aktien der Shop Apotheke, die an der SDax-Spitze um 13 Prozent zulegten. In der Schweiz zogen die Anteile von Zur Rose, zu der die Marke DocMorris gehört, deutlich an. Die beiden Versandapotheken profitierten davon, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Vortag betont hatte, dass das E-Rezept Mitte nächsten Jahres kommen werde. Die Basis der Infrastruktur solle dabei künftig auf Clouds und Smartphones beruhen.

Außerhalb der Dax-Familie erreichten zudem die Aktien von Elmos den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Wie Index-Experte Tom Koula von der Investmentbank Stifel Europe erwartet, wird der Chiphersteller offenbar noch vor Weihnachten in den SDax aufgenommen.

Partylaune an den US-Börsen ebbt ab

Nach der Kursrally zur Wochenmitte ist an den US-Aktienmärkten am Donnerstag wieder Ernüchterung eingekehrt. Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel um 0,75 Prozent auf 34.331 Zähler, grenzte höhere Verluste aber wieder etwas ein. Der marktbreite S&P 500 lag mit 0,21 Prozent im Minus bei 4071 Zählern. Der technologielastige Nasdaq 100 trat mit 12.030 Punkten auf der Stelle. Das zinssensible Börsenbarometer war am Vortag um 4,6 Prozent nach oben geschnellt. Fed-Chef Jerome Powell zufolge könnte bereits im Dezember die Zeit für moderatere Zinserhöhungen gekommen sein, das hatte am Vortag für die wachstumsstarken Tech-Aktien eine Rallye ausgelöst.

Verstimmt reagierten die Anleger nun aber auf den Geschäftsausblick des Cloudsoftware-Spezialisten Salesforce. Dessen Aktien brachen als mit Abstand größter Verlierer im Dow um fast 10 Prozent ein. Marktteilnehmer werteten die neuen Prognosen als Beleg für die in einem unsicheren Wirtschaftsumfeld nachlassenden Investitionen von Unternehmen in Technologie. Für zusätzliches Ungemach sorgte der Weggang von Co-Chef Bret Taylor.

An der Spitze des Nasdaq 100 schnellten die Papiere von Okta um fast ein Viertel nach oben. Der Entwickler von Internet-Software rechnet im kommenden Jahr mit einem deutlich niedrigeren Verlust, als er ursprünglich angekündigt hatte.

Die Aktien des Software-Anbieters Snowflake verteuerten sich um 6 Prozent. Im vorbörslichen Handel hatte ein ebenfalls schwacher Ausblick des Unternehmens den Kurs noch belastet. Analysten großer Investmentbanken wie JPMorgan und Morgan Stanley blieben gleichwohl optimistisch gestimmt für die Wachstumsperspektiven.

Eine Gewinnwarnung der Warenhauskette Dollar General ließ den Aktienkurs um mehr als 8 Prozent absacken. Kunden bevorzugen verstärkt Produkte, die für das Unternehmen weniger profitabel sind, und die Lieferketten bereiten zusätzliche Kosten.

Börsen in Asien legen zu

Signale für erst einmal langsamere Leitzinserhöhungen in den USA haben den Börsen Asiens am Donnerstag Rückenwind verliehen. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten chinesischen Unternehmen an den Festlandbörsen stieg zuletzt um 1,3 Prozent und der Hang-Seng-Index in der Sonderverwaltungszone Hongkong legte um 1,2 Prozent zu. In Japan schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  0,9 Prozent höher.

Bitcoin wieder über 17.000-Dollar-Marke

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  am Donnerstagmittag knapp über 17.000 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen erneut zu

Die Ölpreise haben am Donnerstag an die Kursgewinne der vergangenen Handelstage angeknüpft. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 88,55 US-Dollar. Das waren 1,60 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 2,01 Dollar auf 82,55 Dollar.

Gestützt wurden die Ölpreise durch den auf breiter Front gesunkenen Dollar-Kurs. Ein schwächerer Dollar macht Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen günstiger. Dies stützt die Nachfrage. Damit legten die Ölpreise bereits den vierten Handelstag in Folge zu. Seit Beginn der Woche hat sich Brent-Öl um mehr als fünf Dollar je Barrel verteuert.

Zuletzt wurden die Ölpreise vor allem durch Spekulationen über die Förderpolitik des Ölverbunds Opec+ bewegt. Eine Entscheidung wird am Sonntag erwartet. Neben der künftigen Fördermenge der Opec+ haben die Anleger am Ölmarkt aber auch die weitere Entwicklung der Corona-Politik in China im Blick.

Mit Nachrichtenagenturen
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