Dax-Kursrallye Anleger feiern Annäherung im Ukraine-Konflikt

Russland will seine militärischen Aktivitäten in Kiew und Tschernihiw reduzieren – diese Nachricht verleiht den Börsen Auftrieb. Der Dax gewinnt 400 Punkte und schließt mit dem höchsten Schlusskurs seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Öl- und Goldpreis dagegen sinken, auch Rüstungswerte geben nach.
Signale der Entspannung: Die auf Vermittlung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan (m.) stattgefundene Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine war offenbar erfolgreich

Signale der Entspannung: Die auf Vermittlung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan (m.) stattgefundene Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine war offenbar erfolgreich

Foto: TURKISH PRESIDENT PRESS OFFICE HANDOUT / EPA

Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag deutlich von Entspannungssignalen im Ukraine-Krieg profitiert. Der Dax baute seine Vortagsgewinne aus und schloss 2,79 Prozent höher bei 14.820 Punkten. Seine Verluste seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vor über vier Wochen hat er damit endgültig wieder wettgemacht. Das Tageshoch hatte bei 14.925 Zählern gelegen. Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel legte um rund 2 Prozent auf 31.862 Zähler zu. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50  kletterte um 2,82 Prozent und schloss bei 4002 Punkten. Im Handelsverlauf hatte der Index erstmals seit fünf Wochen wieder die 4000er-Marke überwunden. Der Ölpreis geriet dagegen unter Druck und vermied ein Abrutschen unter 100 US-Dollar nur knapp.

Dax

Als Zeichen des Entgegenkommens gegenüber der Ukraine will Russland seine militärischen Aktivitäten in der Region Kiew und bei Tschernihiw nach eigenen Angaben "radikal" verringern. Die Ukraine selbst sei dabei, einen Vertrag vorzubereiten über einen neutralen Status des Landes ohne Atomwaffen. Im Gegenzug fordert Kiew allerdings harte Sicherheitsgarantien. Die jüngsten russisch-ukrainischen Verhandlungen am Dienstag in Istanbul seien "bedeutsam" gewesen, erklärten die Unterhändler aus Moskau. Auch die ukrainische Seite äußerte sich zuversichtlich und sprach davon, dass nach den Verhandlungen von Istanbul nun ein Treffen der Staatschefs beider Seiten möglich erscheine.

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"Andeutungen, dass die russische Seite von einigen ihrer ursprünglichen Forderungen abrückt, heben die Stimmung", sagte Finanzmarkt-Experte Russ Mould vom Brokerhaus AJ Bell. "Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der Markt bei den Machenschaften des russischen Präsidenten Wladimir Putin irgendetwas als gegeben betrachtet."

Börse in Moskau gewinnt 7 Prozent

An der russischen Börse ging es ebenfalls aufwärts. Der Moskauer Leitindex RTS rückte gut sieben Prozent vor. Gefragt waren auch russische Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel um fast einen Prozentpunkt auf 12,73 Prozent. Die Aufwertung der russischen Währung drückte den Kurs des Dollar 4,4 Prozent ins Minus auf 85,84 Rubel. Die Rubel-Rally werde von zwei weiteren Faktoren getrieben, sagte Iskander Lutsko, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses ITI. Dies sei zum einen die geplante Umstellung der Energie-Exporte auf Rubel-Zahlungen und zum anderen die Vorschrift für Exportfirmen, 80 Prozent ihrer Devisenbestände in Rubel zu tauschen.

Goldpreis knapp über 1900 Dollar, Bonds unter Druck

Die gestiegene Zuversicht der Anleger machte "sichere Häfen" für sie weniger attraktiv. Gold verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 1913 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Zwischenzeitlich war Gold an der Börse in London um mehr als 1 Prozent und erstmals seit Ende Februar wieder unter die Marke von 1900 Dollar gefallen. Die Verkäufe bei Bundesanleihen trieben die Rendite der zehnjährigen Papiere zeitweise auf ein Vier-Jahres-Hoch von 0,741 Prozent.

Am Bond-Markt spielten zudem die erwarteten Zinserhöhungen der US-Notenbank sowie die befürchteten Belastungen für die Weltwirtschaft durch die neuen Lockdowns in China eine Rolle. Eine raschere Straffung der US-Geldpolitik bei einer gleichzeitig abkühlenden Konjunktur schüre Ängste, dass eine Rezession eher früher als später bevorstehe, sagte Anlagestratege John Briggs von der Bank NatWest. In den USA warfen die zehnjährigen Treasuries nur noch geringfügig mehr ab als die zweijährigen. Steigt die Rendite der Letzteren über diejenige der Ersteren, sprechen Experten von einer "inversen Renditekurve". Sie gilt als Vorbote einer Rezession.

Delivery Hero gewinnt zweistellig, Rüstungswerte fallen

Am deutschen Markt waren die zuletzt gebeutelten Aktien von Online-Unternehmen gefragt: Im Dax belegten Delivery Hero und Hellofresh mit Gewinnen von knapp 16 beziehungsweise mehr als 10 Prozent die vorderen Plätze. Ihnen half eine positive Studie der französischen Bank Exane BNP Paribas zur Essenlieferbranche. Auch die Papiere des Online-Modehändlers Zalando spielten mit einem Plus von fast fünf Prozent weit vorne mit. Im Nebenwerte-Index SDax profitierte Zalando-Konkurrent About You zusätzlich von positiv aufgenommenen Geschäftszahlen: Die Aktien stiegen um mehr als 9 Prozent.

Dagegen standen der Düngerhersteller K+S sowie die Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Hensoldt auf den Verkaufslisten der Anleger ganz oben: Während K+S und Rheinmetall gut zehn beziehungsweise über vier Prozent einbüßten, ging es für Hensoldt um drei Prozent bergab. Alle drei Titel hatten seit Beginn des Kriegs in der Ukraine stark zugelegt.

Finanzwerte gefragt

Am Aktienmarkt legten sich Investoren vor allem Finanzwerte ins Depot. Der europäische Banken-Index stieg um 3,7 Prozent. Getrieben werde die Rally neben den Hoffnungen auf eine Waffenruhe in der Ukraine von der Aussicht auf höhere Gewinne dank steigender Zinsen, sagte Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus IG. Favorisiert würden Institute mit einem großen Engagement in Russland wie Raiffeisen Bank oder Societe Generale (SocGen), deren Titel jeweils mehr als acht Prozent zulegten.

Ölpreis gibt weiter nach

Der Ölpreis gab unterdessen deutlich nach: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wurde am Dienstag zwischenzeitlich für rund 106 Dollar gehandelt – das waren 5,95 Prozent weniger als zuvor. Gegen Abend konnte sich der Brentpreis auf 109 Dollar etwas erholen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sank zwischenzeitlich um mehr 6 Prozent auf 99,45 Dollar und notierte gegen 17.30 Uhr in London bei rund 103 Dollar - ein Minus von 2,7 Prozent.

Brent

Brent

Wall Street dank Ukraine-Gesprächen im Aufwind

Der positive Schwung an den US-Börsen zum Wochenstart hat sich am Dienstag dank der Entspannungssignale im Ukraine-Krieg fortgesetzt. Allerdings bröckelten die starken Auftaktgewinne dann ab. Zum Handelsschluss in Europa notierte der Dow Jones Industrial 0,5 Prozent höher bei 35.124 Zählern. Der marktbreite S&P 500 rückte zuletzt noch um rund 0,6 Prozent auf 4601 Punkte vor. Der technologielastige Nasdaq 100 baute seine Zugewinne auf 1,2 Prozent bei 15.141 Punkte aus. Vor allem Technologiewerte hatten zuletzt einen hervorragenden Lauf, nachdem sie seit ihrem Höchststand um die Jahreswende bis Mitte März drastisch eingebrochen waren.

Nasdaq

An der Wall Street rückte FedEx ins Rampenlicht. Nach fast 50 Jahren tritt Firmengründer Fred Smith als Chef des Paketzustellers zurück. Seinen Job übernimmt der bislang für das operative Geschäft verantwortliche Direktor Raj Subramaniam. FedEx-Aktien stiegen um 4,3 und diejenigen des deutschen Rivalen Deutsche Post um zwei Prozent.

Bitcoin unter 48.000 Dollar

Bitcoin

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte zuletzt bei 47.421 US-Dollar. Auf Sicht einer Woche beträgt das Plus knapp 12 Prozent.

Mit Nachrichtenagenturen