Börse "Tag der Besinnung" – Anleger ohne Schwung

Der Dax schließt kaum verändert, nachdem US-Konjunkturdaten kaum für Bewegung gesorgt haben. Zunächst schwächelnde Aktien von Siemens drehten ins Plus.
Börse Frankfurt am Main: Die Aktienkurse zeigen sich am Donnerstag kaum verändert

Börse Frankfurt am Main: Die Aktienkurse zeigen sich am Donnerstag kaum verändert

Foto: Arne Dedert / dpa

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstagnachmittag auf weitere Konjunkturdaten aus den USA nur wenig reagiert. Der Dax  schloss 0,1 Prozent schwächer bei 13.694 Punkten. Der MDax  zog um 0,3 Prozent auf 27.896 Zähler an. Der EuroStoxx 50  gewann rund 0,2 Prozent.

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Marktkenner Andreas Lipkow von der Comdirect sprach von einem "Tag der Besinnung" nach der Euphorie um den unerwarteten Rückgang der US-Inflation. Die gestrigen Kursgewinne seien überzogen und spiegelten "lediglich die Hoffnung auf eine Entdynamisierung der Inflationsentwicklung wider". Noch sei es voreilig, über ein geringeres Zinserhöhungstempo der US-Notenbank zu spekulieren. Bereits an diesem Nachmittag könnte es eine kalte Dusche in Form der US-Erzeugerpreise geben, warnte Lipkow.

Siemens-Papiere drehen ins Plus

Die zunächst schwächelnden Aktien von Siemens drehten am frühen Nachmittag ins Plus und gewannen zuletzt 1,5 Prozent. Die hohen Abschreibungen auf die Beteiligung an Siemens Energy sowie weitere Belastungen im Zusammenhang mit Russland brockten dem Technologiekonzern im dritten Geschäftsquartal erstmals seit zwölf Jahren wieder einen Verlust ein. Siemens senkte daher auch sein Ergebnisziel für das laufende Geschäftsjahr.

Die Aktien von RWE pendelten nach detaillierten Quartalszahlen um ihren Vortagesschluss und notierten zuletzt 0,6 Prozent im Plus. Der Energiekonzern will dieses Jahr mehr als fünf Milliarden Euro in den Ausbau des grünen Portfolios investieren. Zwischenzeitlich kam es zu Gewinnmitnahmen. Händler verwiesen darauf, dass die Papiere der Essener seit Ende Juni um 22 Prozent gestiegen waren.

Der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck steigerte im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis. Auch ohne günstige Einmaleffekte habe der Konzern ein solides Quartal abgeliefert, urteilte Experte Tom Narayan von der kanadischen Bank RBC. Einige Investoren hätten aber eine Erhöhung der Margenprognose erwartet – diese könnten nun enttäuscht sein, hieß es. Die Aktien sanken um 0,6 Prozent.

Dank weiter hoher Düngerpreise hält K+S trotz drohender millionenschwerer Belastungen durch die Gaskrise am Gewinnziel für das laufende Jahr fest. Die K+S-Titel legten um 3,3 Prozent zu.

Nasdaq 100

Dow legt bei abflauenden Inflationssorgen zu

Die US-Börsen haben am Donnerstag an ihre starke Entwicklung vom Vortag angeknüpft. Der Leitindex Dow Jones Industrial gewann 0,58 Prozent auf 33.503 Punkte. Der marktbreite S&P 500 zog um 0,55 Prozent auf 4233 Zähler an. Für den technologielastigen und tags zuvor besonders starken Nasdaq 100 ging es nochmals um 0,52 Prozent auf 13 447 Punkte hoch. Alle drei Indizes bewegen sich damit auf dem Kursniveau von Anfang Mai.

Weiterhin sorgt der zuletzt etwas geringere Inflationsdruck in den Vereinigten Staaten für Erleichterung. Daten von diesem Donnerstag passten in das Bild. Sie zeigten, dass sich im Juli der Preisauftrieb auf Herstellerebene stärker als erwartet abgeschwächt hat. Die Erzeugerpreise legten im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,8 Prozent zu, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Im Vormonat hatte die Rate noch bei 11,3 Prozent gelegen. Volkswirte hatten im Schnitt mit einer Abschwächung auf 10,4 Prozent gerechnet.

Wie bereits am Mittwoch bekannt wurde, schwächte sich die Inflation im Juli unerwartet deutlich auf 8,5 Prozent ab. Im Juni hatte die Teuerung noch bei 9,1 Prozent gelegen und damit auf dem höchsten Stand seit über 40 Jahren. Dies hatte die Hoffnung geweckt, dass die US-Notenbank Fed bei der Straffung ihrer Geldpolitik zur Bekämpfung der Inflation kein allzu hohes Tempo mehr an den Tag legt.

Unter den Einzelwerten stachen die Aktien des Medienriesen Walt Disney heraus. Der Konzern hat seine langfristige Abonnentenprognose für Disney+ gesenkt, hält aber an seinem Gewinnziel aus dem Streaminggeschäft fest. Die Aktien legten um 8,8 Prozent zu.

Bitcoin stabil auf niedrigem Niveau

Der Kurs der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin hat notierte am Nachmittag bei 24.700 US-Dollar. Nach einem massiven Kurseinbruch im Frühjahr und dem Fall bis auf knapp 17.600 Dollar im Juni, hat sich der Kurs seitdem tendenziell erholt.

Bitcoin

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag leicht gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Morgen 97,01 US-Dollar. Das waren 39 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur September-Lieferung fiel um 36 Cent auf 91,57 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern halten sich die Anleger am Ölmarkt vor der Veröffentlichung neuer Prognosen zur Entwicklung der Nachfrage in den Wintermonaten zurück.

Außerdem wurde am Markt darauf verwiesen, dass es wieder russische Öllieferungen nach Ungarn geben dürfte. Der seit einigen Tagen unterbrochene Transit von russischem Öl über den Südstrang der Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Ungarn, Tschechien und in die Slowakei könnte nach der Zahlung von ausstehenden Transitgebühren bald wieder aufgenommen werden.

Mit Nachrichtenagenturen
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