Börse Geld anlegen ohne Autopilot

Der Dax schwankt hin und her, Aktienkäufer brauchen gute Nerven. Anleger können sich nicht mehr auf die segensreiche Hand der Fed verlassen - ohne diesen Autopiloten müssen sie sich auf alte Tugenden besinnen.
Von Arne Gottschalck
Airbus-Cockpit: In der Vergangenheit hatten es Börsen-Überflieger vergleichsweise leicht - sie ließen sich einfach von den Notenbanken tragen

Airbus-Cockpit: In der Vergangenheit hatten es Börsen-Überflieger vergleichsweise leicht - sie ließen sich einfach von den Notenbanken tragen

Foto: Daniel Reinhardt/ picture alliance / dpa

Hamburg - Es war eine schöne Zeit, dieses Jahr 2013. Um 25 Prozent kletterte der Dax . Wirklich ernsthafte Rücksetzer? Gab es nicht. Eine Börsenhausse von Feds Gnaden. Die amerikanische Zentralbank hatte mit niedrigem Leitzins und Anleihenkaufprogramm für eine Goldgräberstimmung an der Börse gesorgt.

Die Geldflut sollte Unternehmen zu Investitionen motivieren und auf diese Weise Arbeitsplätze schaffen. An der Börse führte es dazu, dass Indizes weltweit nach oben tanzten - weil niedrig verzinste Anleihen in so einem Umfeld keine Alternative waren und Aktien zeitweise als einzig verlockende Investmentmöglichkeit dastanden.

Börse auf Autopilot, so nennt es der Anleihenmanager Bantleon. Doch die Ära jenes Autopiloten neigt sich dem Ende zu, der Pilot muss wieder eingreifen.

Freilich, in der Europäischen Union ist der Rückzug der Notenbanken noch in weiter Ferne. Doch was die Fed macht, verfolgt man in Europa traditionell mit Aufmerksamkeit: Beim Treffen der Notenbanker in dieser Woche in Jackson Hole war den Zentralbankern die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte sicher. "Einige Anleger sind skeptisch, ob die Notenbanken das aktuelle Liquiditätsfeuerwerk auch ohne große Marktblessuren zurückfahren können", sagt Vermögensverwalter Marc-Oliver Lux von Lux & Präuner.

Anleger müssen wieder selbst steuern

Nun kommt es an der Börse also wieder auf fliegerische Qualitäten an, auf alte Tugenden. Es gilt, Aktien zu entdecken, deren Aussichten für die kommenden Jahre gut sind und Aussicht auf Kurssteigerungen bieten - auch ohne Unterstützung durch billiges Geld. Das hängt am gesamtwirtschaftlichen Umfeld - derzeit eher wackelig - aber auch an der unternehmerischen Fähigkeit, sich gegen Konkurrenten durchzusetzen.

Ein Beispiel dafür, wie anspruchsvoll Investments in einzelne Aktien sein können, liefert das spanische Unternehmen Amadeus. Amadeus stellt Buchungssysteme her - und war in diesem Marktsegment in den vergangenen Jahren recht erfolgreich. Investoren waren über drei Jahre gesehen damit besser gestellt als mit einem Investment in den spanischen Börsenindex, dem Ibex 35. Zuletzt jedoch geriet auch die Aktie von Amadeus unter Druck - eine deutliche Erinnerung an jene Tugend, Investments nicht unbeaufsichtigt zu lassen.

Rückkehr der Dividendentitel

Aktien sind für viele Investoren vor allem Dividendenpapiere: Sie streben an, eine Aktie so lange wie möglich zu halten, so lange nur die jährliche Dividende nach Steuern die erwünschte Rendite bringt. Je höher die Dividende, umso gelassener kann der Anleger bei Kursrücksetzern sein.

Die Unternehmen haben das längst begriffen. Denn noch nie wurden in der Welt so hohe Dividenden ausgeschüttet wie im abgelaufenen zweiten Quartal, hat eine Studie der Fondsgesellschaft Henderson Global Investors herausgefunden. 426,8 Milliarden Dollar.

Auch die Anleger haben das begriffen. Fonds, die in entsprechende Aktien investieren, sind beliebt. Deutsche Unternehmen zeigten sich in Sachen Dividenden übrigens zurückhaltender als ihre Konkurrenten in anderen Ländern. Die Deutsche Telekom  und Eon  haben sogar ihre Ausschüttungen gesenkt.

Auf den Einstiegskurs achten - Vorsicht bei 20-Jahres-Wetten

Außerdem muss der Preis stimmen, sprich, der Einstiegskurs, den die Börse aufruft. Dieser Preis kann manchmal zu teuer sein. Liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie beispielsweise bei 20, muss das Unternehmen zwanzig Jahre lang so verdienen wie zuletzt, um den Kurs zu rechtfertigen. Gelingt das allen? Nein. Günstig einzukaufen, ist eine Tugend der Anlage. In der Vergangenheit wurde sie oft verdrängt. Zwar seien Aktien nach Jahren der Kurssteigerungen nicht mehr billig, hieß es oft. Aber die Liquiditätsschwemme sorge schon dafür, dass die Kurse weiter steigen.

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Überblick: Die stärksten Aktien der Woche

Foto: REUTERS

Genau das Ende dieser Gewissheit sorgt auch für das Hin und Her. Und den Anfang ein Rückbesinnung auf alte Anlagetugenden.

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