Börse Dax fällt sechsten Tag in Folge, Hornbach schockt Anleger

Nach dem desaströsen Wochenauftakt und kurz vor dem wichtigen Zinsentscheid der US-Notenbank bleibt viel Unsicherheit im Aktienmarkt. Die wichtigen Indizes notieren im Minus.
Börse Frankfurt: Der Dax steht wie andere Indizes unter Druck

Börse Frankfurt: Der Dax steht wie andere Indizes unter Druck

Foto: Marius Becker / picture alliance / dpa

Der deutsche Leitindex Dax ist am Dienstag ein weiteres Mal zurückgefallen. Er verlor 0,91 Prozent auf 13.304 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte 1,45 Prozent auf 27.341 Punkte ein. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die US-Notenbank an diesem Mittwoch mit einer weiteren Zinsanhebung um 0,5 oder 0,75 Prozentpunkte auf die stark gestiegene Teuerung reagiert.

Im Dax wurden die Papiere der Deutschen Börse ihrem Ruf als Nutznießer unsicherer Marktphasen gerecht. Sie gewannen an der Index-Spitze gut zwei Prozent. Auch im gesamten zweiten Quartal dürfte der Auftrieb durch hohe Marktschwankungen und steigende Zinsen angehalten haben, schrieb Analyst Andreas Pläsier von Warburg Research.

Die Titel des Softwarekonzerns SAP notierten im Fahrwasser guter Quartalszahlen des Wettbewerbers Oracle 0,5 Prozent höher. Brenntag knüpften an ihren starken Vortag mit plus 0,6 Prozent an, als der Chemikalienhändler den Ausblick erhöht hatte. Die Papiere des Sportartikelproduzenten Adidas gaben indes nach einer von der HSBC gestrichenen Kaufempfehlung um 2,4 Prozent nach.

Die Papiere von Uniper verteuerten sich im MDax um 2,9 Prozent. Der russischen Tageszeitung Kommersant zufolge hat die finnische Uniper-Mutter Fortum einige Kaufinteressenten für ihre Russland-Aktivitäten sowie für jene von Uniper. JPMorgan-Experte Vincent Ayral sieht hier enormes Wertschöpfungspotenzial für beide Konzerne.

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Einen schweren Rückschlag gab es für die erfolgsverwöhnten Anleger von Hornbach: Weil der Baumarktkonzern wegen steigender Preise und anhaltender Probleme bei den Lieferketten pessimistischer auf die Gewinnentwicklung im laufenden Geschäftsjahr blickt, brachen die Aktien der Baumarkt-Holding am Dienstag um 18 Prozent ein. Im Tagestief bedeuteten 91,50 Euro das niedrigste Niveau seit September. Hornbach-Aktien waren mit weitem Abstand Schlusslicht im SDax. Der Nebenwerteindex fiel zuletzt um mehr als ein Prozent.

Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde in diesem Geschäftsjahr (bis Ende Februar 2023) um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz im Vergleich zum Vorjahreswert von 362,6 Millionen Euro sinken, teilte der Konzern mit. Zuvor war das Management nur von einem leichten Minus ausgegangen. Im ersten Geschäftsquartal fiel das bereinigte operative Ergebnis nach vorläufigen Zahlen um etwas mehr als 12 Prozent auf gut 148 Millionen Euro.

Das erste Geschäftsquartal, das im Mai zu Ende ging, war zwar laut Hornbach von einer stabilen Nachfrage nach Bau- und Heimwerker-Produkten geprägt. Allerdings hätten sich die gesamtwirtschaftlichen Aussichten und die Herausforderungen mit Blick auf Inflation, Lieferketten und Produktpreise im zweiten Geschäftsquartal verfestigt. Dies erschwere die Prognose für den Rest des Jahres weiter. Hornbach hatte in den vergangenen beiden Jahren in der Corona-Krise als Profiteur der Lockdowns gegolten, da viele Menschen ihre Häuser, Wohnungen oder Gärten neu entdeckten. Zwar mussten Baumärkte in der Pandemie zeitweise schließen, Hornbach konnte dies aber etwa mit einem starken Online-Handel und Angeboten wie Click & Collect ausgleichen.

Wall Street weiter unter Druck

Nach dem Ausverkauf vom Wochenauftakt ziehen sich weitere Anleger aus der Wall Street zurück. Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 fielen am Dienstag zeitweise um mehr als ein halbes Prozent und markierten mit 30.259 beziehungsweise 3727 Punkten den niedrigsten Stand seit etwa eineinhalb Jahren. Der technologielastige Nasdaq notierte zunächst mit 10.764 Zählern so niedrig wie zuletzt vor fast zwei Jahren, arbeitete sich dann aber knapp ins Plus vor.

"Die Anleger sind nervös", sagte Portfoliomanager Paul Nolte vom Vermögensverwalter Kingsview. Niemand wolle sich vor dem Zinsentscheid der Notenbank Fed zu sehr aus dem Fenster lehnen, da die Möglichkeit bestehe, dass sie den Schlüsselsatz um 0,75 statt der signalisierten 0,5 Prozentpunkte anhebt. Untermauert würden diese Spekulationen von dem mit fast elf Prozent anhaltend hohen Anstieg der Erzeugerpreise, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade.

Weil die US-Inflation im Mai überraschend noch einmal stieg, rechnen Investoren für Mittwoch fest mit einer Zinserhöhung um 0,75 statt der signalisierten 0,5 Prozentpunkte. Untermauert würden diese Spekulationen von dem mit fast elf Prozent anhaltend hohen Anstieg der Erzeugerpreise, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade.

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte Oracle mit einem Kursplus von 13 Prozent. Der Softwarekonzern hatte ein Quartalsergebnis über Markterwartungen bekannt gegeben. Der Ausblick für das Cloud-Geschäft habe ebenfalls positiv überrascht, lobte Analyst Derrick Wood vom Vermögensverwalter Cowen. Dank des beschleunigten Wachstums habe die Aktie noch Luft nach oben.

Bitcoin stürzt weiter ab

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin hat seinen Weg nach unten fortgesetzt und notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 22.335 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise stabilisieren sich

Die Ölpreise haben sich am Dienstag zunächst kaum von der Stelle bewegt. Am Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  122,23 US-Dollar. Das waren vier Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel ebenfalls geringfügig auf 120,90 Dollar.

Mit Nachrichtenagenturen
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