Nach vier Wochen Pause Börse Moskau handelt wieder, USA üben scharfe Kritik

Putin will Stärke demonstrieren und lässt nach gut vier Wochen an der Börse Moskau wieder handeln. Nur ein Bruchteil der Titel ist zugelassen und Leerverkäufe sind verboten. Die USA sprechen von einer "Scharade" und angeblich staatlich gestützten Kursen.
"Dies ist kein echter Markt": Die Moskauer Börse hat den Handel nach gut vier Wochen Zwangspause wieder aufgenommen. Nur ein Bruchteil der Titel ist zum Handel zugelassen.

"Dies ist kein echter Markt": Die Moskauer Börse hat den Handel nach gut vier Wochen Zwangspause wieder aufgenommen. Nur ein Bruchteil der Titel ist zum Handel zugelassen.

Foto: NATALIA KOLESNIKOVA / AFP

Nach einer knapp einmonatigen Handelspause ist der russische Aktienmarkt am Donnerstag mit deutlichen Kursgewinnen gestartet. Der Moskauer Aktienindex kletterte am Vormittag um bis zu 11 Prozent auf 2742 Punkte. Vor allem Energiewerte schossen angesichts der hohen Rohölpreise nach oben.

Insgesamt lief der Handel in Moskau noch eingeschränkt. Gehandelt werden durften nur 33 Wertpapiere für einen begrenzten Zeitraum. Leerverkäufe waren verboten. Die Zentralbank hatte nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten nach dem Einmarsch russischer Soldaten in der Ukraine den Handel ausgesetzt.

USA kritisieren Wiederaufnahme des Handels als "Scharade"

Die US-Regierung hat die Wiederaufnahme des Handels "Scharade" (Ratespiel) bezeichnet. "Dies ist kein echter Markt und kein nachhaltiges Modell, was die Isolation Russlands vom globalen Finanzsystem nur noch unterstreicht", sagte der stellvertretende nationale Sicherheitsberater, Daleep Singh, am Donnerstag. Russland habe deutlich gemacht, dass es staatliche Mittel in die künstliche Stützung der Aktien von Unternehmen stecken werde, die im Handel seien. Nur noch 15 Prozent der börsennotierten Aktien seien zum Handel zugelassen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden weiterhin Maßnahmen ergreifen, um Russland von der internationalen Wirtschaftsordnung zu isolieren.

Öl-Aktien gefragt, Aeroflot-Aktie bricht ein, Banken-Aktien uneinheitlich

Aktien des Energiekonzerns Gazprom sprangen um rund 20 Prozent nach oben. Die Papiere der Ölkonzerne Rosneft und Lukoil gewannen je 19 Prozent. Rund 20 Prozent abwärts ging es hingegen für die Aktien der Fluggesellschaft Aeroflot. Der Großteil des europäischen Luftraumes ist für russische Maschinen gesperrt.

Die von Sanktionen belegten Finanzwerte notierten uneinheitlich. Während es für die Titel der Sberbank zeitweise um bis zu 19 Prozent nach oben ging, sackten die Papiere von VTB um rund zwei Prozent ab.

Der russische Rubel blieb indes auf Erholungskurs. Der Dollar notierte zur russischen Währung mehr als zwei Prozent schwächer bei 95,65 Rubel.

Russlands Präsident Wladimir Putins Ankündigung, dass bei Exporten von russischem Gas in "unfreundliche" Staaten demnächst nur noch Zahlungen in Rubel erlaubt sein werden, hatte die Anleger am Mittwoch überrascht und den Rubel aufwerten lassen. Zu Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine war die Devise auf ein Rekordtief gefallen.

rei/Reuters/DPA