Börse zum Jahresende Brexit-Drama, US-Rekorde, starker Euro - Dax am Scheideweg

In den USA treibt die Geldflut die Börsen auf immer neue Bestmarken. Der Dax hingegen wird durch das Brexit-Drama und den starken Euro gebremst - sorgt die EZB in der neuen Woche noch für eine Jahresendrallye?
Börse in Frankfurt: Die US-Börsen steigen immer weiter, der Dax dagegen tritt auf der Stelle

Börse in Frankfurt: Die US-Börsen steigen immer weiter, der Dax dagegen tritt auf der Stelle

Foto: Lisi Niesner / REUTERS

US-Börsen auf Rekordhoch, Dax und EuroStoxx im Bann des Brexit-Dramas: Ungeachtet der nahenden Weihnachtszeit stehen in der neuen Woche für Anleger am deutschen Aktienmarkt eine Reihe wichtiger Ereignisse auf dem Programm. Auch in den USA dürfte von Besinnlichkeit und Ruhe noch nicht viel zu spüren sein. Zugleich bleiben trotz aller Impfhoffnungen die Corona-Neuinfektionen samt den damit verbundenen Lockdowns weltweit im Fokus. Der zuletzt spürbar gestiegene Eurokurs bereitet ebenfalls Sorgen. Am Freitag stand für den Dax ein Plus von 0,35 Prozent auf 13 298,96 Punkte zu Buche. Damit ergab sich für die Woche ein leichtes Minus von 0,3 Prozent.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite "

Auch in der neuen Woche werden zahlreiche Unsicherheiten es dem Dax schwer machen. Besonderes Augenmerk dürfte dem letzten regulären EU-Gipfeltreffen in diesem Jahr am Donnerstag und Freitag zukommen. Einerseits stehen weiter die Verhandlungen über das künftige Verhältnis zu Großbritannien an, die eigentlich schon im Oktober hätten abgeschlossen sein sollen.

EU-Hilfspaket benötigt Einigung mit Polen und Ungarn

Abgesehen vom Brexit-Thema geht es während des EU-Gipfels dann noch um den Haushalt 2021 und das 750 Milliarden schwere Hilfspaket. Hier muss eine Einigung mit Polen und Ungarn her, damit kein Nothaushalt auf Basis der Vorjahreswerte droht. Die beiden osteuropäischen Staaten wollen die Verknüpfung der Auszahlungen mit Kriterien der Rechtsstaatlichkeit nicht akzeptieren.

EZB-Sitzung am Donnerstag - starker Euro bremst

Nicht zuletzt stehen für die Anleger die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag im Blick. Dass die Währungshüter auf die zweite Corona-Welle reagieren werden, wurde angekündigt. Nun geht es folglich um die konkreten Details, etwa Aufstockungen von Hilfen sowie Refinanzierungserleichterungen für Banken. Ob die EZB die hochgesteckten Erwartungen befriedigen wird, ist offen und eine Rückschlaggefahr für den Aktienmarkt daher nicht auszuschließen.

Darüber hinaus bereitet der seit Anfang November im Vergleich zum US-Dollar deutlich gestiegene Euro nicht nur dem EZB-Rat Sorgen. Inzwischen wird die Gemeinschaftswährung wieder über 1,21 Dollar gehandelt, was etwa deutsche Exporte zunehmend belastet.

An wichtigen Konjunktur- und Stimmungsdaten stehen am Montag außerdem die Industrieproduktion für Deutschland sowie am Dienstag die ZWE-Konjunkturerwartungen an. In den USA dürften vor allem die Verbraucherpreise des Monats November Beachtung finden, die am Donnerstag veröffentlicht werden.

Seitens der Unternehmen legen am Mittwoch der Kupferkonzern Aurubis aus dem MDax und womöglich Tui Quartalszahlen vor. Ansonsten stehen Investorentage vom Reifenhersteller Continental, der Deutschen Telekom und Munich Re am Dienstag im Blick. Die Blicke der Anlager werden sich auch auf die Deutsche Bank und ihren Investorentag am Mittwoch richten.

Dow Jones, Nasdaq 100 und S&P 500 erreichen Rekordhoch

Erneute Kursgewinne dagegen am Freitag an der Wall Street: Der  Dow Jones  startete am Freitag über 30 000 Punkten einen neuen Angriff auf seine bisherige Bestmarke. Der Leitindex eröffnete nach dem US-Arbeitsmarktbericht freundlich, zuletzt baute er seine Gewinne auf 0,6 Prozent aus und erreichte mit 30.125 Zählern einen neuen historischen Höchststand.

Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq stiegen um je 0,7 Prozent auf 3693 und 12.459 Punkte und markierten ebenfalls Allzeithochs. Auch in Europa schlossen Dax & Co im Plus.

Am US-Arbeitsmarkt schufen die Firmen außerhalb der Landwirtschaft im November nur noch 245.000 Jobs. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 469.000 gerechnet. Die in einer getrennten Umfrage ermittelte Arbeitslosenquote fiel im November indes auf 6,7 Prozent von 6,9 Prozent im Oktober. Analysten halten es für möglich, dass sich Demokraten und Republikaner im US-Kongress doch noch auf ein Konjunkturpaket mit einem Volumen von gut 900 Milliarden Dollar einigen könnten. "Die schlechte Nachricht von der sich abschwächenden Beschäftigungslage ist potenziell eine gute Nachricht für Investoren, denn sie bedeutet, dass das Konjunkturpaket viel wahrscheinlicher in einem ziemlich kurzen Zeitrahmen stattfinden wird", sagte Ryan Detrick, leitender Marktstratege beim Vermögensverwalter LPL Financial.

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Der europäische Index für den Reise- und Freizeitsektor legte als einer der gefragtesten Indizes um 1,3 Prozent zu. Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von IAG um 4,3 Prozent und die von Ryanair und Air France-KLM um jeweils 3,3 Prozent. Easyjet gewannen 1,9 Prozent, während sich die der Lufthansa mit plus 0,1 Prozent kaum bewegten. Die Papiere der Kreuzfahrt-Reederei Carnival gewannen 2,9 Prozent. Die Aktien des Hotelbetreibers Accor stiegen um 3,5 Prozent.

Nachdem sich Mitte November die Experten der US-Bank Goldman Sachs und von Kepler Cheuvreux positiver zur Branche geäußert hatten und von verringerten Abwärtsrisiken sprachen, äußerten sich nun auch die der Deutschen Bank optimistischer. Die Experten der UBS sind zwar noch zurückhaltender, sehen aber inmitten von Neuinfektionszahlen und Reisebeschränkungen für die weltweite Luftverkehrsbranche zumindest eine Stabilisierung der Trends im Dezember und Januar.

Luminar-Aktie hebt ab - Kurssprung um 40 Prozent

Austin Russell (25) ist jetzt einer der jüngsten Milliardäre der Welt. Das rechnet das "Wall Street Journal " nach dem ersten Handelstag der Luminar-Aktie  an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq vor. Am Donnerstag durfte der junge Chef des Herstellers von Lidar-Sensoren die Börsenglocke läuten. Zum Handelsschluss war die von ihm 2012 gegründete Firma mit einem Kurs von 23 Dollar 28 Prozent mehr wert: Am Freitag legte sie um weitere 40 Prozent und kletterte über die Marke von 30 US-Dollar. Alles über Austin Russell lesen Sie hier.

Euro hält sich bei Zweieinhalbjahreshoch

Der Euro hat sich am Freitag in der Nähe seines am Vortag erreichten zweieinhalbjährigen Höchststands gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,2155 US-Dollar und damit in etwa so viel wie im asiatischen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,2151 Dollar festgesetzt.

EUR/USD

Der Euro hat in den vergangenen Wochen von mehreren Entwicklungen profitiert. In erster Linie kommt der Gemeinschaftswährung der schwache US-Dollar zugute. Die Weltreservewährung Dollar wird einerseits durch die Hoffnung auf baldige Corona-Impfungen belastet. Zum anderen ist er als sicherer Hafen weniger gefragt, weil in den USA die Möglichkeit eines neuen Konjunkturpakets besteht.

Vor dem Wochenende steht mit dem Arbeitsmarktbericht aus den USA eine wichtige Konjunkturzahl an. Seit dem Corona-Einbruch im Frühjahr hat sich die dortige Lage tendenziell entspannt. Allerdings sind immer noch Millionen Arbeitnehmer ohne Job. Analysten rechnen mit einer weiteren Verbesserung.

Ölpreise legen zu - Opec+ einigt sich

Die Ölpreise haben am Freitag mit Aufschlägen auf die Einigung des Ölverbunds Opec+ vom Vortag reagiert. Dem Verbund war es nach tagelangen Unstimmigkeiten gelungen, sich auf eine kurzfristige Förderpolitik zu einigen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 49,58 US-Dollar. Das waren 87 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 70 Cent auf 46,34 Dollar.

Ölpreis

Brent

la/rei/dpa-afx
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