Börse Dax dreht ins Plus, Erholung an der Wall Street

Nach den anfänglichen Verlusten greifen Anleger wieder zu. Auch in den USA zeichnet sich eine Erholung ab. Spekulationen bewegen die Aktien der Deutschen Telekom und von Siemens Energy.
Notierungen im Dax: Der deutsche Leitindex macht seine anfänglichen Verluste wett

Notierungen im Dax: Der deutsche Leitindex macht seine anfänglichen Verluste wett

Foto: DPA

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag seine aus Zinsängsten resultierenden Anfangsverluste komplett wettgemacht. Der Dax  drehte am Nachmittag ins Plus und schloss nach einer Berg- und Talfahrt letztlich mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 15.524,3 Punkten. Im frühen Geschäft war der Leitindex um bis zu 1,7 Prozent abgesackt. Der MDax  gewann zuletzt 0,3 Prozent auf 33.226 Zähler.

Dax

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Angesichts der hohen Inflationsrate und der guten Lage am Arbeitsmarkt signalisierte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) eine baldige Zinserhöhung, der weitere folgen sollen – womöglich mehr als erwartet. Damit machte sie den Weg frei für die erste Anhebung des Leitzinses seit Beginn der Corona-Pandemie. Zunächst bleibt der Zins in der extrem niedrigen Spanne von 0 bis 0,25 Prozent. Die Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass die Fed in jedem kommenden Quartal bis ins Jahr 2023 hinein einen weiteren Zinsschritt nach oben machen wird.

"Mit dem nun eingeleiteten Kurswechsel in der Geldpolitik dürften es die Aktienmärkte schwer haben, im laufenden Jahr weitere Hochs zu generieren", glaubt Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets. Die Anleger hätten am Vorabend zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Fed als sicherer Liquiditätslieferant in den kommenden Monaten und Jahren wohl erst einmal wegfällt.

SAP-Aktie gibt kräftig nach, Deutsche Bank überzeugt

SAP-Aktien fielen auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2021. Europas größten Softwarehersteller belasteten Details des Ausblicks. Während die bestätigten Ziele für Umsatz und Betriebsergebnis im Rahmen der Erwartung lagen, enttäuschte die Prognose für den freien Mittelfluss. Die SAP-Papiere notierten als Dax-Schlusslicht zuletzt 5,8 Prozent unter dem Vortagesschluss.

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Die Aktien der Deutschen Bank reagierten mit einem Kursanstieg von 4,5 Prozent auf die Quartalszahlen des Geldhauses und die Zinssignale der Fed. Die Deutsche Bank erzielte 2021 einen Milliardengewinn und fuhr das beste Ergebnis seit zehn Jahren ein. Entscheidend sei, dass es bei der Deutschen Bank in die richtige Richtung gehe, erklärte der bekannte Branchenanalyst Kian Abouhossein von JPMorgan.

Sartorius enttäuscht, Infineon gefragt

Ein optimistischerer mittelfristiger Gewinnausblick konnte die Aktionäre von Sartorius nicht überzeugen. Zudem dürfte das Wachstum im Jahr 2022 nach dem Corona-Boom nachlassen. Die Titel des Pharma- und Laborausrüsters fielen zuletzt um 3,0 Prozent. Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan lobte indes die vorläufigen Resultate und die Ziele für 2022.

Gestützt durch Kursgewinne von STMicro nach einem guten Ausblick des Wettbewerbers stemmten sich auch Infineon-Aktien erfolgreich gegen die Tech-Schwäche. Während der Stoxx Europe 600 Technology auf das tiefste Niveau seit Mai 2021 zurückfiel, kletterten Infineon um 2,7 Prozent.

Deutsche Telekom prüft Funkmastenfusion

Die Aktien von Deutsche Telekom und Vantage Towers haben nach Spekulationen über eine etwaige Funkmastenfusion mit Konkurrenten am Donnerstag ihre Gewinne zeitweise deutlich ausgebaut. Die T-Aktie legte im freundlichen Gesamtmarkt um 2,4 Prozent auf 16,60 Euro zu. Vantage drehten im MDax nach frühen Verlusten ins Plus und gewannen zuletzt 0,5 Prozent auf 28,40 Euro.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf informierte Personen berichtete, erwägt der Bonner Konzern eine Zusammenlegung seiner Mobilfunkmasten mit denen der britischen Vodafone und der französischen Orange. Es seien bereits vorläufige Gespräche geführt worden, hieß es. Mit Finanzberatern würde zudem auch die Möglichkeit eines Verkaufs, eines Börsengangs oder einer strategischen Partnerschaft besprochen.

Spekulationen um Siemens Gamesa und Siemens Energy

An der Madrider Börse sorgten Spekulationen auf eine mögliche Komplettübernahme durch Siemens Energy für einen Kurssprung bei Siemens Gamesa . Die Aktien kletterten in der Spitze um mehr als 7 Prozent auf 18,80 Euro. Siemens Energy  notierten im Dax zeitweise rund 3 Prozent fester. Nach der dritten Gewinnwarnung von Siemens Gamesa innerhalb von neun Monaten verstärkt der Energietechnik-Konzern Insidern zufolge seine Überlegungen bezüglich einer vollständigen Übernahme der spanischen Windkraft-Tochter. Ein solcher Deal könnte den Weg frei machen, Siemens Energy in den kommenden Monaten neu zu bewerten, schrieben die Analysten der Citi in einem Kommentar. Die Konzernstruktur wäre so klarer und einfacher.

Wall Street auf Erholungskurs, Netflix mit Kurssprung

Nach den Ausschlägen am Vortag wegen der geldpolitischen Perspektiven haben sich die US-Börsen am Donnerstag wieder auf den Erholungspfad begeben. Mutige Anleger griffen wieder zu, nachdem der Leitindex Dow Jones Industrial zur Wochenmitte spät ins Minus abgerutscht war. Ein überraschend hohes Wachstum der US-Wirtschaft im vierten Quartal wurde nun von den Anlegern dankbar angenommen.

Der noch verhalten gestartete Leitindex Dow notierte zuletzt 1,54 Prozent höher bei 34.695 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P 500  stieg um 1,57 Prozent auf 4418 Zähler. Der Erholung folgte auch der technologielastige Nasdaq 100 , der zuletzt 1,42 Prozent auf 14.373 Punkte gewann – auch wenn die Zahlen von Tesla und dem Chipkonzern Intel bei den Anlegern gar nicht gut ankamen.

Nasdaq 100

Nasdaq

Zu den Gewinnern am US-Aktienmarkt zählte Netflix mit einem Kursplus von fast 7 Prozent. In einem Brief an Klienten teilte der Hedgefonds Pershing Square des Milliardärs William Ackman mit, er habe die jüngsten Kursverluste der Online-Videothek genutzt, um Anteile im Volumen von fast einer Milliarde Dollar zu kaufen. Pershing sei nun mit 20 Prozent größter Aktionär von Netflix. In den vergangenen Tagen waren die Papiere wegen eines düsteren Ausblicks zeitweise um rund 30 Prozent eingebrochen.

Nikkei in Japan bricht ein

Die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung in den USA hat die asiatischen Märkte am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Der Nikkei-Index  rutschte zeitweise um 3,6 Prozent auf 26.044 Punkte ab und markierte damit den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Aus dem Handel ging er 3,1 Prozent schwächer bei 26.170 Zählern. Der breiter gefasste Topix gab 2,6 Prozent nach. Auch an den Börsen in China ging es deutlich bergab: Die Börse in Shanghai verlor 1,8 Prozent. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gab zwei Prozent nach.

Bitcoin pendelt nach Kurssturz um 36.000 Dollar

Bitcoin

Bitcoin

Die Kryptowährung Bitcoin brach am Mittwoch am späten Abend ihren Erholungsversuch ab. Die Cyberdevise war bis zum Zinsentscheid der Fed bis auf 38.300 US-Dollar gestiegen – und gab dann binnen kurzer Zeit um 2000 Dollar auf 36.100 US-Dollar nach. Am Donnerstag schwankte der Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp  dann um die Marke von 36.000 Dollar.

Ölpreise fallen nach mehrjährigen Höchstständen zurück

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag wieder etwas von ihren am Vortag markierten mehrjährigen Höchstständen entfernt. Für Belastung sorgte vor allem die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 89,28 US-Dollar. Das waren 68 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 74 Cent auf 86,61 Dollar.

Brent

Am Mittwoch hatte Brent-Rohöl erstmals seit Oktober 2014 mehr als 90 Dollar gekostet. Der Preis für US-Rohöl war auf fast 88 Dollar gestiegen, auch das war ein mehrjähriger Höchststand. Der Preisauftrieb kommt seit Längerem von einem eher knappen Angebot bei einer zugleich soliden Nachfrage nach Erdöl und Ölprodukten wie Benzin.

Mit Nachrichtenagenturen