Börse EZB und Meta-Kurssturz beenden Börsenerholung

Die Zinsentscheidung hat den Dax am Donnerstag auf Talfahrt geschickt: EZB-Chefin Christine Lagarde schließt eine Zinserhöhung 2022 nicht mehr aus. An der Wall Street verlor unterdessen die Meta-Aktie 240 Milliarden Dollar an Marktwert.
Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt: Verluste nach der Pressekonferenz der EZB

Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt: Verluste nach der Pressekonferenz der EZB

Foto: Niklas Rüge/ dpa

Die Anleger haben deutschen Aktien wegen der Zinssorgen und einem Rückschlag im Tech-Sektor den Rücken zugedreht. Vor allem nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) geriet der Dax unter Druck und schloss 1,57 Prozent tiefer bei 15.368,47 Punkten. In der zweiten Börsenreihe büßte der MDax 1,16 Prozent auf 33.643,13 Punkte ein. Die EZB hatte den Zinssatz trotz der hohen Inflationsraten, wie allgemein erwartet, auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent belassen, eine Zinserhöhung mittelfristig jedoch nicht mehr ausgeschlossen.

Zudem trieben schwache US-Börsen nach erschreckenden Zahlen des Facebook-Konzerns Meta die Anleger um. Deren Aktien brachen um bis zu 26,6 Prozent ein und waren mit 237,07 Dollar so billig wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Dadurch schrumpfte der Börsenwert von Meta zwischenzeitlich um 240 Milliarden Dollar.

Dax

Werte aus der Onlinebranche gerieten auf beiden Seiten des Atlantiks unter Druck. Während Meta-Aktien in New York um ein Viertel einbrachen, büßten in Deutschland die Papiere von Delivery Hero, Zalando und Hellofresh am Dax-Ende zwischen 4,7 und 9,5 Prozent ein.

Mit Meta geriet der ganze internationale Tech-Sektor wieder in einen Ausverkauf. Dies traf auch Papiere von Infineon mit einem Abschlag von 4,9 Prozent, obwohl der Chipkonzern seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr anhob.

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Bankaktien gefragt

Eine Ausnahme im Dax waren die Aktien der Deutschen Bank, die mit einem Anstieg um 4,9 Prozent erstmals seit 2018 wieder über 13 Euro gehandelt wurden. Die Commerzbank-Papiere hielten im MDax mit plus 5,2 Prozent mit, während sich der Bankensektor europaweit zumindest robust zeigte. Er gilt als Profiteur möglicher Zinserhöhungen, die das Alltagsgeschäft zum Beispiel mit Krediten lukrativer machen können.

Außerdem zogen die Aktien der Deutschen Telekom um 2,6 Prozent an. Hier galten starke Zahlen und ein gefeierter Ausblick von T-Mobile US als Kurstreiber. Laut einem Händler erwiesen sich die Bedenken von Investoren, dass sich das Mobilfunkwachstum bei der US-Tochter abschwächen könnte, als unbegründet. Die T-Mobile-Aktien waren an der New Yorker Nasdaq-Börse um mehr als 10 Prozent gestiegen.

Der EuroStoxx 50 sackte am Donnerstag um 1,9 Prozent auf 4141,02 Punkte ab.

Bank of England erhöht Leitzins

Die Bank of England (BoE) legte im Gegensatz zur EZB bereits wenige Wochen nach ihrer Zinswende nach. Sie erhöhte den geldpolitischen Schlüsselzins am Donnerstag um einen Viertelprozentpunkt auf 0,5 Prozent. "Die Bank von England zaudert nicht", konstatierte Thomas Gitzel von der VP Bank. "Die britischen Währungshüter machen bei ihrem geldpolitischen Richtungswechsel Tempo."

USA: Meta-Schock setzt Tech-Titel unter Druck

Geschockt vom Quartalsbericht der Facebook-Mutter Meta hat die technologielastige Nasdaq-Börse ihre jüngste Erholungsrally abgebrochen. Die wichtigsten Tech-Indizes gerieten wieder stark unter Druck. Auch die Standardwerte an der Wall Street mussten Einbußen hinnehmen.

Der Leitindex Dow Jones Industrial gab nach vier Gewinntagen in Folge um 0,75 Prozent auf 35.345 Punkte nach. Der den breiten Markt abdeckende Index S&P 500 fiel um 1,49 Prozent auf 4517 Zähler. Auch der Nasdaq 100 sackte um 2,83 Prozent auf 14.712 Punkte ab. Für den weiter gefassten Nasdaq Composite ging es um 2,6 Prozent nach unten.

Nasdaq

"Die Quartalssaison im Technologiesektor entpuppt sich als zweigeteilt", kommentierte Susannah Streeter, Investment- und Marktanalystin bei Hargreaves Lansdown. Nach recht soliden Zahlen von Apple, Microsoft und Alphabet habe sich mit Meta "die Lage ernsthaft verschlechtert". Die Hoffnung, dass die angesichts der eingeleiteten US-Zinswende schwache Entwicklung des Tech-Sektors bald wieder vorbei sein könnte, habe schwer gelitten. Nun nähmen die Befürchtungen wieder zu.

Auch die Anteilscheine anderer Anbieter von Internet-Kommunikationsplattformen mussten deutlich Federn lassen. So fielen Snap um 19 Prozent, Twitter um 15 Prozent und Pinterest um 6 Prozent.

Die Aktien von Spotify knickten um fast 15 Prozent ein. Der Musikstreaming-Marktführer verfehlte mit Blick auf Abo-Kunden die Markterwartungen für das angelaufene Quartal. Am Dow-Ende büßten die Anteilscheine von Honeywell fast sechs Prozent ein. Der Mischkonzern hatte die Anleger mit seinen Prognosen für dieses Jahr enttäuscht.

Asien: Meta und Spotify verderben die Stimmung

Die größeren asiatischen Aktienmärkte haben am Donnerstag mehrheitlich leichter geschlossen. Die Börsen in Festlandchina blieben wegen des Neujahrsfestes weiter geschlossen. Auch in Hongkong wurde nicht gehandelt.

Die asiatischen Börsen hätten auf die nachbörsliche Schwäche der Wall Street reagiert, begründeten die Marktstrategen der Deutschen Bank die Abgaben. Erneut waren Technologiewerte für die Entwicklung verantwortlich. Sowohl Meta als auch Spotify hatten die Erwartungen des Marktes verfehlt, was beiden Werten nachbörslich kräftige Verluste bescherte. Angesichts der teilweise geschlossenen Börsen und der am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten war das Geschäft in Asien dünn.

Neue Konjunkturdaten lieferten unterschiedliche Signale, fügten die Marktstrategen hinzu. So sei der japanische Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich nach endgültigen Daten des britischen Finanzinformationsdienstleisters Markit überraschend stark gesunken. Dagegen habe sich der südkoreanische Einkaufsmanagerindex – ebenfalls nach Angaben von Markit – im Januar weiter über der Expansionsschwelle gefestigt.

Der japanische Leitindex Nikkei  verlor nach den Gewinnen der Vortage 1,06 Prozent auf 27.241 Punkten. Der australische S&P/ASX 200 gab um 0,14 Prozent auf 7087 Punkte nach. Indische Aktien verloren ebenfalls, während die südkoreanische Börse, die bis Mittwoch geschlossen war, mit einem Plus die Entwicklung in Asien seit Wochenbeginn nachvollzog.

Bitcoin schwächer

Die Digitalwährung Bitcoin gibt nach den Gewinnen vom Vortag wieder nach. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 36.755 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben moderat nach

Die Ölpreise haben am Donnerstag nach anfänglichen Verlusten etwas zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 89,80 US-Dollar. Das waren 33 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 39 Cent auf 88,66 Dollar.

Brent

Nach wie vor bewegen sich die Ölpreise in der Nähe ihrer höchsten Stände seit dem Jahr 2014. Nach deutlichen Zuwächsen in den vergangenen Monaten haben sich die Preise in den vergangenen Tagen an der Marke von 90 Dollar eingependelt. Angetrieben werden die Preise vor allem durch ein tendenziell knappes Angebot bei einer soliden Erdöl- und Kraftstoffnachfrage.

Die Entscheidung des Ölverbunds Opec+, die Erdölförderung ab März um weitere 400.000 Barrel je Tag anzuheben, hat den Ölmarkt nicht nachhaltig bewegt. Der Entschluss wurde weithin erwartet. Seit vergangenem Sommer macht der Verbund seine in der ersten Corona-Welle beschlossenen Produktionskürzungen rückgängig, indem er seine Förderung schrittweise anhebt. Zuletzt hinkte die tatsächliche Produktion den Zielen aber klar hinterher.

Mit Nachrichtenagenturen