Börse Zinsangst drückt weiter auf den Dax

Die durch US-Notenbankchef Jerome Powell am Freitag ausgelöste Zinsangst setzte auch noch zum Börsenschluss am Montag den Dax unter Druck. Vor allem Energieaktien und die Papiere von Bayer mussten Verluste hinnehmen.
"Wir müssen die Werkzeuge kraftvoll nutzen": Fed-Chef Jerome Powell stellt auf dem Zentralbank-Symposium in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming einen langen Kampf gegen die Inflation in Aussicht

"Wir müssen die Werkzeuge kraftvoll nutzen": Fed-Chef Jerome Powell stellt auf dem Zentralbank-Symposium in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming einen langen Kampf gegen die Inflation in Aussicht

Foto: jonathan crosby / REUTERS

Die von US-Notenbank-Chef Jerome Powell (69) neu angefachte Angst vor weiter steigenden Zinsen hat am Montag den Dax  erneut unter Druck gesetzt. Der deutsche Leitindex lag zum Schlussgong mit 0,61 Prozent im Minus bei 12.892 Punkten, womit er an den Kursrutsch vom Freitag anknüpfte. Zeitweise hatte das Börsenbarometer zum Wochenstart sogar die Marke von 12.800 Zählern gerissen und war auf das niedrigste Niveau seit Mitte Juli gefallen.

In der zweiten deutschen Börsenliga lief es etwas besser: Der MDax  verlor 0,21 Prozent auf 25.470 Zähler. Zwischenzeitig hatte sich der Index der mittelgroßen Werte im Handelsverlauf sogar ein kleines Plus erarbeitet. Auf gesamteuropäischer Bühne wiederum war der Abgabedruck groß, der Eurozonen-Index EuroStoxx 50  sackte um 0,92 Prozent auf 3570 Punkte ab.

Am Freitag hatte Powell auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole die Märkte erheblich unter Druck gesetzt. Laut dem Bankhaus Metzler hat er nachdrücklich die Absicht bekräftigt, die Geldpolitik so weit zu straffen, dass die Inflation auf das Zielniveau von 2 Prozent sinkt. Dabei habe er eingeräumt, dass dies wahrscheinlich "einige Schmerzen für Haushalte und Unternehmen" bedeutet.

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Zuvor hätten einige Marktteilnehmer die Erwartung gehegt, dass die Fed ihren restriktiven Kurs infolge einer sich abkühlenden Wirtschaft revidieren könnte. "Dem erteilte Powell jedoch eine klare Absage", schrieb der Metzler-Analyst Eugen Keller. Nach Ansicht des Währungshüters warne die Erfahrung der Vergangenheit eindringlich vor einer verfrühten geldpolitischen Lockerung.

Russland wartet erneut die Gaspipeline Nord Stream 1

Für wieder steigende Nervosität der Anleger sorgt außerdem der von Russland angekündigte Gasstopp. Wegen Wartungsarbeiten soll ab Mittwoch drei Tage lang erneut kein russisches Gas nach Deutschland fließen. Es bleibt die Unsicherheit, ob die zuletzt schon drastisch reduzierten Lieferungen nach dem 2. September wieder aufgenommen werden.

Bayer im Fokus

Bei Einzelaktien herrschten im Dax weit verbreitet die roten Vorzeichen, eine positive Ausnahme waren aber die 3,7 Prozent höheren Aktien der VW-Konzernholding Porsche SE. Hier werden bald Neuigkeiten zum Börsengang zur VW-Sportwagentochter Porsche AG erwartet. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Freitag unter Berufung auf Kreise berichtet, dieser könnte in der ersten Septemberwoche ankündigt werden. Spekuliert wurde dabei über eine Bewertung von bis zu 85 Milliarden Euro.

Bayer verbuchten hingegen den zunächst größten Tagesverlust im Dax. Studiendaten zum Medikamentenkandidaten Asundexian wurden bei dem Chemie- und Pharmakonzern kein positiver Kurstreiber, wie das Minus von fast fünf Prozent zeigte. Experten bewerteten die Phase-II-Daten zwar tendenziell leicht positiv, die von manchen offenbar erhofften Freudensprünge gab es aber nicht. Der Bayer-Pharma-Chef Stefan Oelrich hatte zuletzt schon hohe Erwartungen geschürt. Auch Studiendaten zum Nierenmedikament Finerenon brachten kursmäßig keine Entlastung.

Ansonsten kamen größere Verlierer aus zinsempfindlichen Branchen, darunter der wachstumsträchtige Technologiesektor, wie die 2,6 Prozent schwächeren Aktien von Infineon zeigten.

Ferner folgten RWE mit einem Abschlag von 2,1 Prozent dem europaweit schwachen Umfeld für Energiewerte. Hier kamen wieder Diskussionen über eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne auf. Gerade im kapitalintensiven Wachstumsbereich der erneuerbaren Energien gelten steigende Zinsen zudem als Hemmschuh.

Euro fällt wieder unter Parität

Der Euro ist am Montag mit Kursverlusten in die neue Woche gestartet. Zuletzt kostet die Gemeinschaftswährung 0,9915 US-Dollar. Sie notierte damit wieder unter Parität, war also wie schon in der vergangenen Woche weniger als einen Dollar wert. Ein ähnlich niedriges Niveau hatte der Euro vor etwa zwanzig Jahren markiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag noch knapp über Parität auf 1,0007 Dollar festgesetzt. Unter Druck steht der Euro vor allem wegen des aufwertenden Dollar. Die US-Währung erhält Rückenwind von der Geldpolitik und den Aussagen von Fed-Chef Powell.

Nasdaq und S&P setzen Talfahrt fort

Die US-Börsen haben ihre Talfahrt vom Freitag gebremst fortgesetzt. Am Freitag hatte die Ankündigung einer weiter restriktiven Geldpolitik von Fed-Chef Jerome Powell die Börsen heftig unter Druck gesetzt. Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel am Montag um 0,4 Prozent, nachdem er zum Wochenschluss um rund 3 Prozent abgesackt war.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Montag um 0,72 Prozent abwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 sank um 1,2 Prozent.

Asiatische Börsen auf Talfahrt

Das steigende Risiko aggressiver Zinserhöhungen in den USA hat auch die Kauflaune der Anleger in Asien gedrückt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  schloss 2,7 Prozent tiefer bei 27.878 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 2 Prozent und lag bei 1940 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,7 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 1,1 Prozent.

Bitcoin wieder über 20.000 US-Dollar

Die Kryptowährung Bitcoin ist in der Nacht zu Montag erneut unter die Marke von 20.000 US-Dollar gerutscht, erholte sich am Nachmittag jedoch wieder. Mit 20.244 US-Dollar notierte die älteste und bekannteste Cyberwährung auf der Handelsplattform Bitstamp . Der jüngste Aufwärtstrend, der den Bitcoin Mitte August bis auf über 24.000 US-Dollar getrieben hatte, ist damit wieder beendet. Mitte Juni markierte die Cyberdevise bei 17.600 Dollar ein Jahrestief.

Bitcoin

Schon am Freitag war der Kurs nach der Rede von Fed-Chef Powell deutlich abgesackt. Steigende Zinsen verringern in der Regel die Attraktivität risikoreicher Anlageklassen, zu denen neben Aktien auch Bitcoin und Co. aufgrund ihrer teils extremen Kursschwankungen zählen. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar, Ende März kostete die Cyberdevise dann nur noch rund 47.000 US-Dollar.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise haben am Montag ihre deutlichen Aufschläge von vergangener Woche ausgebaut. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  103,66 US-Dollar. Das waren 2,67 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 2,88 Dollar auf 95,94 Dollar.

Auftrieb erhalten die Erdölpreise seit einigen Tagen von der Aussicht auf ein geringeres Angebot. Vergangene Woche hatte es entsprechende Signale vom Ölriesen Saudi-Arabien und von anderen Mitgliedern des Rohölverbunds Opec+ gegeben. Analysten deuteten die Bemerkungen als Reaktion auf zuvor deutlich gefallene Ölpreise. Die Förderländer sind demnach darum bemüht, ihre Einnahmen über ein gewisses Preisniveau abzusichern.

Der Aussicht auf weniger Rohöl steht jedoch eine absehbar schwächere Erdölnachfrage gegenüber. Insbesondere in Europa steigen die Risiken einer wirtschaftlichen Talfahrt, ausgelöst durch die Furcht vor einer Erdgaskrise. Hintergrund sind die hohe Abhängigkeit Europas von russischem Erdgas und deutlich verminderte Lieferungen seitens Russland. Konjunktursorgen löst zudem der Kampf vieler Notenbanken gegen die hohe Inflation aus.

Mit Nachrichtenagenturen
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