Börse Dax im Kursrutsch wegen Sorge vor Invasion in Ukraine

Die Furcht vor einer militärischen Eskalation des Ukraine-Konflikts hat am Montag den deutschen Aktienmarkt stark belastet.
"Es gibt immer eine Chance": Russlands Außenminister Sergej Lawrow will mit der Nato weiter verhandeln

"Es gibt immer eine Chance": Russlands Außenminister Sergej Lawrow will mit der Nato weiter verhandeln

Foto: Russian Foreign Ministry / imago images/ITAR-TASS

Der Ukraine-Konflikt hat am Montag den Aktienmarkt stark belastet. Signale von Russlands Präsident Wladimir Putin für weitere Verhandlungen mit dem Westen grenzten die Verluste etwas ein. Der Dax schloss 2,02 Prozent tiefer bei 15.114 Punkten, nachdem er am Vormittag aus Furcht vor einem unmittelbar bevorstehenden Krieg in Osteuropa mit 14.844 Zählern deutlich unter die Marke von 15.000 Punkte gerutscht war. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte 2,01 Prozent auf 32.734 Punkte ein. Der EuroStoxx 50  verbuchte einen Abschlag von rund 2,2 Prozent bei 4064.

Dax

Hintergrund für den Erholungsversuch ist eine Äußerung des russischen Außenministers Sergej Lawrow, der eine Fortsetzung der diplomatischen Bemühungen um die geforderten Sicherheitsgarantien des Westens vorschlägt. Es sei nicht möglich, endlos Gespräche zu führen, sagt er bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin. Aber es gebe immer eine Chance für eine Einigung. Die USA hätten konkrete Vorschläge unterbreitet, um die militärischen Risiken zu verringern. Aber die Antworten der EU und der Nato auf die Forderung Russlands nach Sicherheitsgarantien seien nicht zufriedenstellend gewesen.

Die USA hatten zuletzt dringliche Warnungen ausgesprochen, die der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Sonntag dem Fernsehsender CNN nochmals erläuterte. In den vergangenen etwa zehn Tagen habe sich der russische Truppenaufbau beschleunigt, und russische Kräfte seien näher an die Grenze zur Ukraine vorgerückt, von wo aus sie sehr schnell eine Militäraktion starten könnten. Sullivan warnte erneut, eine Invasion der Ukraine könne jederzeit beginnen. Bundeskanzler Olaf Scholz reist zu Beginn der Woche nach Kiew und Moskau, um eine Lösung für die Krise zu finden.

US-Börsen nach Kursrutsch kaum verändert

Die Aussicht auf weitere Gespräche der Konfliktparteien im drohenden Ukraine-Krieg haben am Montag für bessere Stimmung bei den US-Börsen gesorgt. Der Dow Jones Industrial und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 notierten jeweils minimal im Plus, nachdem sie am Freitag im späten Handel eingebrochen waren. Der S&P 500 notierte leicht im Minus bei 4413 Zähler. Doch trotz des Stabilisierungs-Versuchs bleiben Anleger auch in den USA extrem nervös.

Nasdaq

Am Freitag hatte der Wall-Street-Index Dow angesichts von Warnungen aus den USA, dass Russland womöglich noch vor dem Ende der Olympischen Spiele in die Ukraine einmarschieren könnte, einen Verlust von 1,4 Prozent verbucht und war damit auf Wochensicht um 1 Prozent gefallen. Der Nasdaq-Auswahlindex hatte am Freitag 3 Prozent eingebüßt, was einen Wochenverlust von ebenfalls 3 Prozent bedeutete.

Ölpreise nähern sich 100-Dollar-Marke

Auch an den Rohstoffmärkten machte sich die Ukraine-Krise bemerkbar. So stieg der europäische Erdgas-Terminkontrakt um 13 Prozent auf 84,20 Euro je Megawattstunde. Russland ist ein wichtiger Lieferant dieses Energieträgers. Spekulationen auf Lieferausfälle trieben auch die Ölpreise in die Höhe. Die Sorte Brent  aus der Nordsee verteuerte sich bis zu 1,8 Prozent und kostete mit 96,16 Dollar je Barrel (159 Liter) zeitweise so viel wie zuletzt vor siebeneinhalb Jahren. Einsetzende Gewinnmitnahmen drückten den Preis zuletzt aber auf 94,28 Dollar. Für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) mussten bis zu 94,92 Dollar gezahlt werden.

Brent

"Wenn es Truppenbewegungen gibt, wird der Brent-Preis problemlos über die Marke von 100 Dollar springen", prognostizierte Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda. Die US-Regierung hatte zuletzt wiederholt gewarnt, dass eine russische Invasion in der Ukraine jederzeit möglich sei.

Russische und ukrainische Börsen unter Druck

Aus den Depots flogen auch russische Wertpapiere. Der Moskauer Index für in Dollar notierte Aktien rutschte um bis zu 5,4 Prozent ab. Der Ausverkauf russischer Staatsanleihen trieb die Rendite der zehnjährigen Bonds auf ein Sechsjahreshoch von 10,05 Prozent. "Es ist sinnvoll, Risiken in Bezug auf Russland so weit wie möglich zu minimieren und sich nicht aktiv in russischen Werten zu engagieren, bis das Risiko eines militärischen Zusammenstoßes verschwunden ist", sagte Volkswirt Jewgeni Suworow von der CentroCreditBank.

Am Devisenmarkt zogen sich Investoren aus dem russischen Rubel und der ukrainischen Währung Hrywnja zurück. Im Gegenzug verteuerte sich der Dollar um 1,5 Prozent auf 78,29 Rubel beziehungsweise um 2,5 Prozent auf 28,749 Hrywnja.

Am westeuropäischen Aktienmarkt gerieten vor allem Reisewerte unter Verkaufsdruck. Der Branchenindex rutschte um 4 Prozent ab, da einige Airlines ihre Flüge in die Ukraine eingestellt haben oder dies in Erwägung ziehen. Die Aktien der österreichischen Raiffeisen Bank, die stark in Russland engagiert ist, brachen um mehr als 10 Prozent ein, so stark wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

Auch Börsen in Asien auf Talfahrt

Die stark eingetrübte Stimmung an der Wall Street hat am Montag auch auf die Aktienmärkte in Asien durchgeschlagen. Die wichtigsten Börsen in Japan, China und Hongkong, Südkorea oder Indien starteten mit deutlichen Kursverlusten in die neue Handelswoche.

Nach einem schwachen Handelstag am Donnerstag und anfangs neu gefasstem Mut am Freitag drehten die Anleger in den USA den Börsen letztlich doch wieder den Rücken zu. Aus Angst vor einem Krieg in der Ukraine flüchteten Anleger in Staatsanleihen und Währungen wie beispielsweise den Yen. Für zusätzliche Nervosität sorgt außerdem nach wie vor der starke Preisauftrieb in den USA. Seitdem die höchste Inflationsrate seit gut 40 Jahren veröffentlicht wurde, spekulieren Marktteilnehmer noch fieberhafter über anstehende Zinsschritte, da diese womöglich rascher und umfangreicher erfolgen könnten als bisher erwartet.

In Tokio schloss der Nikkei-Index  nach der Feiertagspause am Freitag mit einem Abschlag von 2,23 Prozent auf 27.079 Punkte. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland büßte zuletzt 1,08 Prozent auf 4551 Punkte ein. Der Hang-Seng-Index in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong sank um 1,30 Prozent auf 24.584 Zähler.

Lufthansa und Fraport verlieren rund 3 Prozent

Finanzwerte zählten zu Wochenbeginn zu den größten Verlierern. Deutsche Bank und Munich Re büßten jeweils mehr als 3 Prozent ein. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen machten Börsianer für die Verluste ebenso verantwortlich wie die etwas schwindende Fantasie von recht bald steigenden Zinsen in der Eurozone.

Nach ihrem jüngst guten Lauf dank der Aussicht auf anziehende Sommer-Buchungen fielen die Aktien der Lufthansa um 3,5 Prozent. Für die Anteile des Flughafenbetreibers Fraport ging es um 3 Prozent bergab. Zu Wochenbeginn wurden die Sorgen größer, dass der Ukraine-Konflikt neue Restriktionen im Reiseverkehr mit sich bringen wird.

Auch am dritten Handelstag nach dem enttäuschenden Ausblick von Delivery Hero scheint ein Ende der Kursverluste für die Titel des Essenslieferdienstes nicht in Sicht. Zuletzt sanken die Papiere im unteren Dax-Feld um 3,6 Prozent, nachdem es zuvor zeitweise um bis zu 5,5 Prozent abwärts gegangen war und sich damit die Verluste in nur drei Markttagen auf 42 Prozent summiert hatten.

Auch zyklische Industriewerte verloren angesichts der mit einem möglichen Krieg in Osteuropa einhergehenden Konjunkturabschwächung deutlich. Am MDax-Ende sackten Thyssenkrupp-Papiere um rund sieben Prozent ab.

Vorne im SDax stachen die Anteile des Biokraftstoff-Herstellers Verbio mit einem Plus von gut drei Prozent heraus. Ein positiver Analystenkommentar hatte den Kurs gestützt. Der Experte Florian Pfeilschifter von der Investmentbank Stifel verwies unter anderem auf die anhaltend hohen Biokraftstoffpreise.

Deutz-Aktien knicken zweistellig ein

Bei den Aktien von Deutz regierten die Anleger verstimmt auf die Nachricht, dass Vorstandschef Frank Hiller vom Aufsichtsrat einstimmig aus dem Vorstand abberufen wurde . Hintergrund sind Differenzen über den Umgang mit Vorgaben für mehr Frauen in Vorständen. Für die Aktie des Motorenherstellers ging es um 4,7 Prozent nach unten.

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Die kurzfristige Verschiebung der Vorlage des Jahresabschlusses von Clariant hat die Aktien des Chemieunternehmens am Montag schwer unter Druck gebracht. Sie brachen in Zürich im frühen Handel um 15,5 Prozent auf 16,90 Franken ein und sackten auf den tiefsten Stand seit Anfang November 2020. Als Grund für die Verschiebung nannte Clariant Hinweise, dass in der Vergangenheit möglicherweise Rückstellungen und Wertberichtigungen falsch verbucht worden seien. Das Unternehmen aus Basel geht den Hinweisen nun in einer Untersuchung nach.

Bitcoin bleibt unter Druck

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin hat ihren jüngsten Höhenflug zunächst unterbrochen. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Cyberdevise zuletzt bei rund 42.700 US-Dollar und damit deutlich unter dem Hoch von vergangener Woche bei 45.600 US-Dollar.

Bitcoin

Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November 2021 erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Mit Nachrichtenagenturen