Börse Dax erholt sich nach drei Verlusttagen

Der Kursrutsch in USA sowie der Lieferstopp für russisches Gas an Polen und Bulgarien hat den Dax nur kurzzeitig belastet. Aktien von Mercedes legen nach Quartalszahlen zu, die Papiere der Deutschen Bank brechen dagegen ein.
Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt: Der Dax steht unter Druck

Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt: Der Dax steht unter Druck

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der Dax hat am Mittwoch nach drei Verlusttagen in Folge nur ein leichtes Plus geschafft. Nach schwachem Start behauptete sich der deutsche Leitindex lange im Plus, bevor ihn einmal mehr eine Schwächephase an der Wall Street nach unten zog. Letztlich ging der Dax mit einen Kursgewinn von 0,27 Prozent auf 13.794 Punkte aus dem Handel. Der MDax der mittelgroßen Börsenunternehmen legte um 0,30 Prozent auf 29.816 Punkte zu.

Dax

Der MDax der mittelgroßen Börsentitel geriet ebenfalls unter Druck. Hier warteten die Commerzbank, die Software AG und der IT-Dienstleister Bechtle mit guten Quartalszahlen auf. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 trat am Morgen auf der Stelle.

Die Ankündigung Russlands, dass Bulgarien und Polen keine Gaslieferungen mehr erhalten, sorgte an den Börsen für Verunsicherung. Die Regierung in Moskau hatte Europa gewarnt, dass Gaslieferungen unterbrochen werden könnten, wenn künftig nicht in Rubel gezahlt werde.

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Deutsche Bank Aktie bricht trotz eines Gewinnsprungs ein

Die Deutsche Bank startet mit einem Gewinnsprung in das Jahr, warnt aber vor möglichen Folgen des Kriegs in der Ukraine. Deutschlands größtes Geldhaus verdiente unter dem Strich im ersten Quartal 1,06 Milliarden Euro - ein Plus von 17 Prozent und das siebte Gewinnquartal in Folge, wie es am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Der Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen überschatten jedoch den Ausblick des Geldinstituts. "Dies hat natürlich das Potenzial, unsere Gesamtjahresergebnisse in unserem wichtigen Messlatten-Jahr zu beeinflussen", sagte Sewing.

An der Börse sorgte das für Pessimismus: Die Aktien der Deutschen Bank rauschten in der Spitze um 6,5 Prozent abwärts auf 9,47 Euro. Damit waren sie der größte Verlierer im Dax und lagen so tief wie seit knapp sieben Wochen nicht mehr. Die Bank warnte in ihrem Quartalsbericht, dass die Herausforderungen zunähmen und sich der Kostendruck intensiviert habe. Der Ukraine-Krieg sorge in der Weltwirtschaft, an den Finanzmärkten und bei den Kunden für Unsicherheit, erläuterte Finanzchef James von Moltke.

Zahlen von Meta und Ford in USA erwartet

In den USA öffnen unter anderem die Facebook-Mutter Meta, der Autobauer Ford und die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile ihre Bücher. Bei den Konjunkturdaten richtet sich die Aufmerksamkeit auf den GfK-Index, der die Kauflaune der deutschen Verbraucher widerspiegelt.

US-Börsen rutschen ab

Nach der steilen Talfahrt vom Dienstag haben die US-Aktienmärkte am Mittwoch ihre Anfangsgewinne nicht halten können und sich nur noch behauptet gezeigt. Der Dow Jones Industrial notierte zuletzt 0,06 Prozent tiefer bei 33.221 Punkten. Der marktbreite S&P 500 gewann 0,15 Prozent auf 4181 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 legte um 0,10 Prozent auf 13.022 Punkte zu.

Der Dow hatte tags zuvor den tiefsten Stand seit sechs Wochen erreicht und der Nasdaq 100 sogar das niedrigste Niveau seit fast einem Jahr. Allerdings hatte es am Montag schon einmal einen Erholungsversuch gegeben, der sich als nicht nachhaltig erwiesen hatte. Bestimmende Faktoren an den Börsen bleiben der Ukraine-Krieg, Lockdown-Maßnahmen in China und der inflationsbedingte Handlungsbedarf, der die US-Notenbank Fed bei ihren geldpolitischen Straffungen unter Druck setzt.

Nasdaq

Alphabet-Aktiengattungen sacken ab

Die beiden Aktiengattungen des Google-Mutterkonzerns Alphabet sackten nach enttäuschenden Zahlen um 4,6 Prozent ab. Ein insgesamt langsameres Wachstum machten Experten hauptsächlich an der Youtube-Entwicklung fest. Nach Einschätzung des JPMorgan-Analysten Douglas Anmuth bekommt die Video-Plattform den Wettbewerb von TikTok zu spüren. Das operative Umfeld sei für Alphabet nicht mehr so vorteilhaft wie im vergangenen Jahr.

Demgegenüber stand ein Kursplus von 4,5 Prozent bei Microsoft. Hier kamen die am Vortag nach Börsenschluss veröffentlichten Zahlen gut an. Ein starkes Cloud-Geschäft hat dem Software-Riesen im vergangenen Quartal zu deutlich mehr Umsatz verholfen. Die Cloud-Plattform Azure habe erneut starke Zahlen geliefert, kommentierte der Credit-Suisse-Analyst Philip Winslow.

Das durchwachsene Ergebnis der jüngsten Quartalsberichte im Tech-Sektor wurde ergänzt durch Zahlen von Texas Instruments und T-Mobile US. Die Titel der Deutsche-Telekom-Tochter legten um 2,4 Prozent zu, nachdem die diesjährige Zielspanne für neue Telefonverträge höher angesetzt wurde. Auch das Abschneiden im ersten Quartal wurde gelobt.

Titel des Chipkonzerns Texas Instruments dagegen verloren 1,3 Prozent. Hier wurde das erste Quartal als solide bezeichnet, der Ausblick auf das laufende Jahresviertel wurde aber im Zusammenhang mit Lockdown-Maßnahmen in China als Enttäuschung gesehen. Laut dem Barclays-Experten Blayne Curtis könnte dies der Auftakt einer größeren zyklischen Korrektur werden.

Boeing enttäuschte mit seinem Quartalsbericht, die Aktien rutschten als klares Dow-Schlusslicht um mehr als 12 Prozent ab. Bedingt durch steigende Kosten schrieb der Flugzeugbauer im ersten Quartal einen deutlich höheren Verlust als von Experten im Schnitt gedacht. Boeing kündigte zudem Verzögerungen bei der Erstauslieferung des Großraumflugzeugs 777-9 an.

Besser erging es den Visa-Aktionären, sie dürfen sich über einen Kursanstieg von 7,2 Prozent freuen. Der US-Kreditkartenkonzern hatte sowohl den Gewinn als auch die Erlöse im vergangenen Geschäftsquartal kräftig gesteigert. Laut David Togut von Evercore ISI wurden die Erwartungen deutlich übertroffen, was er auf unerwartet starke Erlöse im Zusammenhang mit dem anziehenden weltweiten Reiseverkehr zurückführte.

Auch Mattel-Aktien standen mit einem Kurssprung von mehr als zehn Prozent im Blick. Bevor nachbörslich die Zahlen erwartet werden, kursierten bei dem Spielwarenkonzern Übernahmespekulationen. Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eingeweihte Personen berichtete, sind in einem noch sehr frühen Stadium mit Finanzinvestoren erste Gespräche geführt worden.

Asiens Aktienmärkte unter Druck

Der weltweite Ausverkauf an den Aktienmärkten setzte sich am Mittwoch auch an den Börsen in Asien fort. Die Gründe für die jüngsten Kursverluste "waren weitere scharfe Worte Russlands über die Ukraine und die Ankündigung, dass Bulgarien und Polen ab heute keine Gaslieferungen aus Russland mehr erhalten werden", schrieben Analysten der ING in einer Notiz. In der Nacht zum Mittwoch hat nach Angaben des Europäischen Netzes der Fernleitungsnetzbetreiber Russland den Polen den Gas-Hahn zugedreht. Die Regierung in Moskau hatte Europa gewarnt, dass Gaslieferungen unterbrochen werden könnten, wenn künftig nicht in Rubel gezahlt werde.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,9 Prozent tiefer bei 26.199 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 1,3 Prozent und lag bei 1853 Punkten.

Bitcoin knickt ein

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin steht ebenfalls unter Druck. Der Bitcoin verlor zuletzt mehr als 5 Prozent an Wert und notiert gegenwärtig bei 38.430 Dollar.

Bitcoin

Ölpreise ziehen an

Die Ölpreise sind am Mittwoch nur leicht gestiegen, obwohl sich die Lage auf dem europäischen Gasmarkt weiter verschlechtert. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent 105,36 US-Dollar. Das waren 37 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 15 Cent auf 101,85 Dollar.

Brent

Russland will seine Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien einstellen. Obwohl ökonomische Verknüpfungen zum Ölmarkt bestehen, wirkte sich die Entscheidung am Erdölmarkt zunächst nicht besonders stark aus. Gas ist in einigen Bereichen durch Rohöl ersetzbar, aus technischen Gründen allerdings nur begrenzt. Hintergrund des Lieferstopps Russlands ist der Ukraine-Krieg, der zu scharfen Sanktionen überwiegend westlicher Länder geführt hat.

Ein Grund, warum die Auswirkungen des russischen Schritts auf dem Rohölmarkt zunächst begrenzt geblieben sind, dürfte in China liegen. Dort sorgen strenge Corona-Maßnahmen der Regierung für erhebliche konjunkturelle Belastung. Unter der strikten Null-Covid-Politik dürfte auch die Nachfrage nach Öl, Benzin und Diesel leiden. China ist einer der größten Energieverbraucher der Welt.

Mit Nachrichtenagenturen