Kurssturz an der Börse Dax, Dow und Bitcoin brechen ein, Fed vor Jumbo-Zinserhöhung

Die US-Inflation geht nur leicht zurück, der Dax verliert binnen Minuten mehr als 300 Punkte. Anleger gehen nun davon aus, dass die US-Notenbank Ende September die Zinsen drastisch anheben wird. In den USA brechen Dow Jones und Nasdaq ein, Bitcoin fällt wie ein Stein.
Händlerin an der NYSE: Dax, Dow und Nasdaq brechen am Dienstag ein. Auch Bitcoin stürzt ab

Händlerin an der NYSE: Dax, Dow und Nasdaq brechen am Dienstag ein. Auch Bitcoin stürzt ab

Foto: Brendan McDermid / REUTERS

Kursrutsch an der Börse: Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag seine Erholung abgebrochen und ist klar ins Minus gedreht. Für den Umschwung sorgten Inflationsdaten aus den USA, die als Zeichen für weitere deutliche Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed gewertet wurden. Höhere Zinsen lassen festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen gegenüber Aktien attraktiver erscheinen. Der Leitindex Dax  fiel bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) um 1,6 Prozent auf 13.188 Punkte, nachdem er unmittelbar vor den US-Daten noch bei 13.520 Zählern notiert hatte. Der MDax  der mittelgroßen Werte büßte ebenso wie der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  deutlich ein. Am Abend bauten Dax und Co ihre Verluste noch deutlich aus, da Dow Jones und Nasdaq ihre Verluste im späten Handel jeweils auf mehr als 4 Prozent ausbauten. Dem Dax droht damit am Mittwoch der erneute Sturz unter die Marke von 13.000 Zähler, die Erholung der vergangenen Tage ist damit zunichte.

Inflation in USA geht nur leicht zurück – Zinserhöhung um 75 Basispunkte wahrscheinlich

In den USA ließ die Dynamik des Preisanstiegs im August weniger nach als erwartet. Die Jahresinflationsrate schwächte sich auf 8,3 Prozent ab. Volkswirte hatten mit einem Rückgang der Inflation gerechnet, waren aber im Schnitt von einer niedrigen Rate von 8,1 Prozent ausgegangen. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise im August um 0,1 Prozent. Hier war ein Rückgang um 0,1 Prozent erwartet worden.

An den US-Terminmärkten wird nunmehr dennoch fest damit gerechnet, dass die US-Notenbank am 21. September einen dritten großen Zinsschritt in Höhe von 0,75 Prozentpunkten gehen wird. Damit würde der Schlüsselzins dann in einer Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent landen. Abwärts ging es auch mit dem Euro, der sich auf 1,0048 Prozent verbilligte. Im Gegenzug drehte der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, ins Plus und gewann 0,8 Prozent auf 109,09 Zähler.

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Dow Jones und Nasdaq knicken ein

Die Aussicht auf ein anhaltend hohes Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed vertreibt Anleger aus der Wall Street. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 fielen zur Eröffnung am Dienstag um bis zu 3 Prozent. Der Tech-Index Nasdaq baute seine Verluste am Abend auf mehr als 5 Prozent aus.

"Anleger werten die unerwartet hohen Inflationszahlen als Signal dafür, dass die Fed noch lange nicht mit der Zinserhöhung fertig ist", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Der Zinserhöhungszyklus werde wohl länger dauern und der Spitzensatz höher liegen als bislang gedacht.

Vor diesem Hintergrund trennten sich Investoren vor allem von Technologiewerten. Die Aktien von Amazon, Apple, Netflix, des Facebook-Betreibers Meta und der Google-Mutter Alphabet fielen um bis zu 5 Prozent. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

Zalando unter Druck, Bayer auf Chefsuche

Im Dax knickten die Papiere des Online-Händlers Zalando um rund 5 Prozent ein. Sie litten unter anderem darunter, dass der britische Online-Lebensmittelhändler Ocado seinen Ausblick erneut gesenkt hatte. Dessen Aktien brachen zuletzt in London um 13 Prozent ein. Hinzu kommt die Aussicht auf weiter steigende Zinsen, was die stark konjunkturabhängigen Technologiewerte in der Regel belastet. Damit sackten auch die Anteilsscheine des Kochboxenversenders Hellofresh am Dax-Ende um mehr als 5 Prozent ab.

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer begann laut Insidern mit der Suche für einen Nachfolger für Konzernchef Werner Baumann. Allerdings sei nicht klar, ob Baumann schon vor dem Ende seines Vertrages im April 2024 ersetzt werden solle, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Baumann hatte schon vor einiger Zeit betont, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. Ein Unternehmenssprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Bitcoin mit Kurssturz

Die Digitalwährung Bitcoin rutschte ebenfalls nach Veröffentlichung der US-Inflationsdaten ab. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  knapp 10 Prozent schwächer als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise sind am Dienstag leicht gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  94,44 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) legte um 14 Cent zu. Da die US-Produktion langsamer wachse als gedacht und die Opec+ bei Preis-Rücksetzern die Förderung drossele, werde sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen, prognostizierte Analyst Amarpreet Singh von der Barclays Bank.

Trotz der leichten Abschläge haben sich die Erdölpreise in den vergangenen Tagen etwas von ihren deutlichen Verlusten in den Wochen zuvor erholt. Vergangene Woche waren die Preise auf mehrmonatige Tiefstände gefallen, weil globale Konjunktursorgen auf der Rohölnachfrage lasten. Die jetzige Erholung geht mit einem schwächeren US-Dollar einher, der Öl für Interessenten aus anderen Währungsräumen rechnerisch vergünstigt und damit die Nachfrage stützt.

Mit Nachrichtenagenturen
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