Börse Rückschlag für Tech-Aktien und Bitcoin

Die Sorge vor steigenden Zinsen hat Anleger in der ersten Handelswoche 2022 in die Flucht geschlagen. Vor allem Techtitel gerieten unter Druck: Der Nasdaq 100 gab rund 5 Prozent nach. Der Bitcoin droht unter die 40.000 Dollar Marke zu stürzen.
Unter Druck: Die Kryptowährung Bitcoin hat seit ihrem Rekordhoch von Anfang November rund 40 Prozent an Wert verloren

Unter Druck: Die Kryptowährung Bitcoin hat seit ihrem Rekordhoch von Anfang November rund 40 Prozent an Wert verloren

Foto: Cristobal Herrera-Ulashkevich / epa

Die Zeiten an der Börse werden rauer: Im Spannungsfeld zwischen positiven Konjunktursignalen und Sorgen vor schnelleren Zinserhöhungen hat sich der US-Leitindex Dow Jones Industrial in der ersten Handelswoche des Jahres 2022 per saldo kaum vom Fleck bewegt. Trotz eines starken Jahresauftakts sank der bekannteste Wall-Street-Index in der ersten Handelswoche des Jahres um 0,3 Prozent. Der S&P 500, der zu Jahresbeginn ein Rekordhoch erreicht hatte, gab auf Wochensicht ebenfalls leicht nach. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es in der ersten Handelswoche kräftig abwärts: Der Tech-Index verlor 4,5 Prozent an Wert. Anleger in Technologiewerten sorgen sich, dass steigende Zinsen den Schwung in der Wachstumsbranche ausbremsen könnten.

Vor allem hoch bewertete Börsenfavoriten wie Tesla, Nvidia oder Apple gerieten unter Druck. Tesla hat binnen fünf Handelstagen sogar knapp 15 Prozent an Wert verloren. Am 3. Januar hatte die Aktie ein Rekordhoch von 1200 US-Dollar erreicht und pendelt nun knapp über der Marke von 1000 US-Dollar je Aktie.

Nasdaq

Der offizielle Jobbericht war nach den sehr starken Daten des privaten Dienstleisters ADP vom Mittwoch mit großem Interesse erwartet worden. Er fiel zwar mit Blick auf den Stellenaufbau erneut schwächer aus als prognostiziert, doch vor dem Hintergrund der auf 3,9 Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote und der kräftigen Lohnsteigerungen dürfte sich die US-Notenbank in der beschlossenen, schnelleren Gangart bei der Rückführung der Anleihekäufe aber bestätigt sehen, kommentierte Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba.

Dax auf Wochensicht knapp im Plus

Trotz der deutlichen Kursverluste am Donnerstag und Freitag hat der deutsche Leitindex Dax  auf Wochensicht noch ein zartes Plus gerettet. Am Donnerstag hatten die Börsen weltweit wegen Spekulationen auf eine raschere Straffung der US-Geldpolitik bereits deutlich nachgegeben. Außerdem sorgen enttäuschende US-Jobdaten auch für Nervosität an den US-Börsen.

Für die erste Handelswoche des Jahres 2022 ergibt sich für den Dax noch ein Plus von 0,4 Prozent, da er zum Jahresstart deutlich zugelegt hatte. Am Mittwoch hatte der Dax sein Rekordhoch von knapp 16.300 nur um wenige Punkte verfehlt. Seitdem ging es deutlich abwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor am Freitag 0,44 Prozent auf 4305,83 Punkte. Für den französischen Cac 40 ging es ähnlich moderat nach unten. Der britische FTSE 100 legte hingegen etwas zu.

Bank-Aktien profitierten weiter von der Aussicht auf höhere Zinsen, die ihre Einnahmen begünstigen. Deutsche Bank, Allianz und Commerzbank gehörten zu den Gewinnern der ersten Handelswoche im Dax.

Dax

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Bitcoin rutscht weiter ab

Abwärts ging es zum Jahresstart für Bitcoin. Am 27. Dezember hatte die Kryptowährung noch bei knapp 52.000 US-Dollar notiert. Nun droht die Cyberdevise unter die Marke von 40.000 US-Dollar zu rutschen. Binnen acht Handelstagen hat Bitcoin knapp 20 Prozent an Wert verloren. Die Kryptowährung Ethereum verlor sogar knapp 25 Prozent an Wert. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise verhalte sich inzwischen ähnlich wie andere riskante Anlageklassen, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Wenn diese nachgäben, gerate auch Bitcoin unter Druck und umgekehrt. Inzwischen notieren Bitcoin und Ether jeweils auf dem tiefsten Niveau seit mehr als 3 Monaten.

Bitcoin

Die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik in den USA hat vielen Anlegern den Appetit auf riskantere Geldanlagen wie Bitcoin verdorben, hieß es am Markt. Zudem gibt es unterschiedliche Positionen über die Zukunft der Kryptowährungen. Der Glaubenskrieg in der Krypto-Szene  verläuft auch zwischen den beiden Währungen Bitcoin und Ether.

Seit ihrem Rekordhoch von 69.000 US-Dollar Anfang November hat Bitcoin inzwischen mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Auch die Schwankungsbreite bleibt hoch - viele Anleger scheuen Assets mit ähnlich hoher Volatilität.

Zudem hat die Krise in Kasachstan die Verunsicherung auch in der Krypto-Szene verstärkt. Zahlreiche Krypto-Miner sind wegen der niedrigen Energiepreise in Kasachstan aktiv. Wegen der politischen Proteste hat die Führung in Kasachstan in der vergangenen Woche das Internet unterbrochen - damit standen den Minern und dem globalen Bitcoin-Netzwerk deutlich weniger Rechenleistung zur Verfügung.

Asiens Börsen im Vorwärtsgang

Die asiatischen Märkte haben sich am Freitag von ihren zweitägigen Verlusten erholt und sind gestiegen. Anleger warteten zunächst, ob die im Laufe des Tages anstehenden US-Arbeitsmarktdaten eine schnellere Anhebung der US-Zinssätze notwendig machen würden. "Ein wichtiger Marktfaktor in dieser Woche war der Anstieg der US-Renditen, nachdem das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank für den Monat Dezember veröffentlicht wurde", sagte Kerry Craig, Globaler Markt Stratege bei JP Morgan Asset Management. Aus dem Protokoll ging hervor, dass ein angespannter Arbeitsmarkt und eine anhaltende Inflation die US-Notenbank dazu zwingen könnte, die Zinsen in diesem Jahr stärker anzuheben.

Ölpreis-Anstieg beendet

Die US-Daten bereiteten dem Ölpreis-Anstieg ein vorläufiges Ende. Die Sorte Brent aus der Nordsee notierte kaum verändert bei 82,02 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete 79,14 Dollar.

Brent

Eine Wiederaufnahme der Rally sei aber wahrscheinlich, sagte Analystin Louise Dickson vom Brokerhaus Rystad. Grund hierfür seien Produktionsausfälle durch die Unruhen in Kasachstan sowie Lieferengpässe in Libyen wegen Wartungsarbeiten an einer Pipeline. Zudem sei die Furcht vor einem Nachfrage-Rückgang durch die rasche Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus gewichen, warf Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades ein.

Mit Nachrichtenagenturen
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