Kurssturz an den Börsen Putin schickt Truppen in Ukraine, Dax bricht ein

Russlands Präsident Putin erkennt die Separatisten-Gebiete an und schickt russische Truppen in die Ostukraine. Der Dax stürzt daraufhin um mehr als vier Prozent ab. Der Ölpreis steigt nahe 100 Dollar. Die Börse in Moskau verliert zweistellig.
Dax bricht ein: Kriegsangst schickt die Börsen in die Tiefe. Putin lässt russische Soldaten in die Ostukraine einmarschieren

Dax bricht ein: Kriegsangst schickt die Börsen in die Tiefe. Putin lässt russische Soldaten in die Ostukraine einmarschieren

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Neuer Kursrutsch an der Börse: Der deutsche Leitindex Dax  hat am Montag seine Verluste bis zum Abend auf mehr als 4 Prozent ausgebaut und ist unter die Marke von 14.500 Punkten gestürzt. Um 22 Uhr notierte der deutsche Leitindex bei 14.441 Zählern und damit auf dem tiefsten Niveau seit knapp einem Jahr. Seit Jahresbeginn hat der Dax mehr als 10 Prozent an Wert verloren.

Angesichts der Furcht vor einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine hatte der Dax zuvor bereits den Xetra-Handel (17.30 Uhr) mit einem Minus von 2,1 Prozent bei 14.731 Punkten beendet. Diese Talfahrt setzte der Dax am Abend fort und verlor bis zum späten Abend weitere 300 Punkte, nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin gesagt hatte, dass er die Unabhängigkeit der Separatisten-Gebiete in der Ostukraine anerkenne und Abkommen zur Unterstützung der prorussischen Rebellen unterzeichne.

Unmittelbar darauf hat Putin die Entsendung von Truppen in die Ostukraine angeordnet. Die Einheiten sollen in den von Moskau nun als unabhängige Staaten anerkannten «Volksrepubliken Luhansk und Donezk» für Frieden sorgen, wie aus einem Dekret hervorgeht, das der Kremlchef in der Nacht zum Dienstag in Moskau unterzeichnet hat. Zudem wies Putin das Außenministerium an, diplomatische Beziehungen zu den beiden Regionen aufzunehmen, die völkerrechtlich zur Ukraine gehören.

Dies ist eine Verletzung des Minsker Abkommens und eine Verletzung der Souveränität der Ukraine. Die USA und die EU kündigten Strafmaßnahmen gegen Russland an.

Dax

Anleger werfen Aktien aus ihren Depots, da sie nach Putins Rede einen Krieg in der Ukraine erwarten. Vom Aktienmarkt in New York kam am Montag noch keine Reaktion, denn der Taktgeber Wall Street macht wegen eines Feiertages eine Pause.

Die britische Außenministerin Liz Truss kündigt für Dienstag neue Sanktionen gegen Russland an. In Regierungskreisen heißt es, es handele sich um erste Strafmaßnahmen. Sollte es zu einem Einmarsch in die Ukraine kommen, würden weitere Sanktionen folgen, sagt ein Insider. Milliardensummen an russischem Schwarzgeld werden im Londoner Immobilienmarkt gewaschen, ohne dass die britische Regierung bislang etwas dagegen unternommen hätte.

Börse in Moskau bricht zweistellig ein

Vor dem Hintergrund eines drohenden Krieges brach der Moskauer Aktienindex Moex mehr als zehn Prozent ein. Der Index ukrainischer Werte an der Warschauer Börse verlor rund sieben Prozent. Anleihen der beiden Staaten flogen ebenfalls aus den Depots. Dies trieb die Renditen der bis 2025 laufenden ukrainischen Dollar-Bonds auf 15,165 Prozent.

Am Devisenmarkt gab die russische Währung in der Spitze um rund drei Prozent nach. Im Gegenzug verteuerte sich der Dollar auf bis zu 79,69 Rubel. Russland habe als Investitionsstandort für Jahre oder Jahrzehnte an Attraktivität eingebüßt, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.

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Wall Street handelt am Montag nicht

Nach einem turbulenten Auf und Ab im Handelsverlauf haben die Aktienmärkte in den USA am Freitag dem Konflikt um die Ukraine erneut Tribut zollen müssen. Nach den herben Verlusten am Vortag fielen die Abgaben diesmal aber etwas geringer aus. So verlor der Dow Jones Industrial 0,7 Prozent auf 34.079,2 Punkte. Auf Wochensicht hat der Ukraine-Konflikt dem Leitindex damit ein Minus von knapp 2 Prozent eingebrockt. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel mit 1,1 Prozent auf 14.009,5 Zähler weiter zurück. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,7 Prozent auf 4348,9 Punkte nach. Am heutigen Montag wird in den USA wegen eines Feiertages nicht gehandelt.

Nasdaq

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Bitcoin fällt unter Marke von 38.000 US-Dollar

Andere riskante Anlagen wie Kryptowährungen notierten ebenfalls im Minus. Der Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei rund 38.000 US-Dollar. Auch andere Kryptowährungen wie Ether gerieten unter Druck.

Bitcoin

Ölpreise steigen nahe 100 Dollar je Barrel

Unterdessen griffen Anleger wieder bei Rohöl zu. Die Preise für die Sorten Brent und WTI stiegen jeweils mehr als 3 Prozent auf 96,93 und 94,13 Dollar je Barrel. Die Preise werden Analysten zufolge kurzfristig weiter schwanken, da die Wiederaufnahme iranischer Ölexporte erst später im Jahr zu erwarten sei.

Brent

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums sagte am Montag, dass bei den Gesprächen zur Wiederbelebung des iranischen Atomabkommens von 2015 "bedeutende Fortschritte" erzielt worden seien. "Sollte es zu einer russischen Invasion kommen, wie die USA und Großbritannien in den letzten Tagen gewarnt haben, könnten die Brent-Futures auf über 100 Dollar pro Barrel ansteigen, selbst wenn eine Einigung mit dem Iran erzielt wird", warnte Vivek Dhar, Analyst bei der Commonwealth Bank.

Mit Nachrichtenagenturen