Kaufrausch an der Börse Tech-Aktien auf 20-Jahres-Hoch

Der Dax hat bald zehn neue Mitglieder - und startet mit deutlichen Gewinnen in die Handelswoche. Anleger wetten auf weitere Hilfen von EZB und Fed. Tech-Aktie sind so teuer wie seit der Dot-Com-Blase nicht mehr.
Nasdaq: Techfirmen, die viel investieren müssen, profitieren von der Nullzinspolitik

Nasdaq: Techfirmen, die viel investieren müssen, profitieren von der Nullzinspolitik

Foto: JOHN MOORE/ AFP

Die Aussicht auf eine weiterhin ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed lässt Europas Anleger zum Wochenstart bei Aktien zugreifen. Dax  und EuroStoxx 50  zogen am Montag jeweils um 1 Prozent auf 15.932 beziehungsweise 4245 Punkte an. Vor allem mit Technologie-Aktien deckten sich Investoren ein. Der entsprechende Branchenindex kletterte 1,6 Prozent auf ein 20-Jahres-Hoch. Insgesamt blieben die Handelsumsätze aber dünn, da die Wall Street wegen eines Feiertags geschlossen blieb und Anleger an solchen Tagen meist größere Engagements scheuen.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Am Freitagabend hatte die Deutsche Börse die zehn neuen Dax-Mitglieder bekannt gegeben, die ab dem 20. September im deutschen Leitindex mit aufgenommen werden und der dann zum Dax 40 wird. Auch die Zusammensetzung des künftig verkleinerten MDax und des runderneuerten SDax wurde veröffentlicht.

Neu auf dem von 30 auf 40 Titel verlängerten Kurszettel des Dax stehen etwa der Flugzeughersteller Airbus , der Online-Modehändler Zalando und der Chemikalienhändler Brenntag , deren Papiere zu Wochenbeginn jeweils um mehr als ein Prozent zulegten. Zu den übrigen Dax-Neulingen gehört etwa auch der Kochboxenlieferant Hellofresh , die Anteilsscheine gaben aber mehr als ein Prozent nach.

Die Anteilsscheine von SMA Solar brachen nach einer Gewinnwarnung des Solartechnikunternehmens zeitweise um mehr als 15 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende Oktober 2020 ein. Sie gingen letztlich mit einem Abschlag von rund 11,5 Prozent bei 37 Euro aus dem Handel.

Siemens im Dax gefragt

Siemens -Papiere führten den Dax mit knapp drei Prozent Aufschlag an und erklommen ein Hoch, nachdem sie sich im August nach einem optimistischen Ausblick des Technologiekonzerns bereits mehrmals in die Nähe ihrer bisherigen Bestmarke von Mitte April gewagt hatten.

Covestro -Anteilsscheine rückten um rund 1,2 Prozent vor. Eine starke Nachfrage aus der Bau- und Autoindustrie sowie nach Elektronik und Medizinprodukten liefert dem Kunststoffkonzern unverändert Rückenwind. Gerade mit Blick auf das laufende dritte Quartal sei er weiter sehr optimistisch, sagte Covestro-Chef Markus Steilemann.

Die überraschend schwach ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag ließen Investoren auf anhaltende Konjunkturspritzen wetten. Das Job-Wachstum habe sich im August stark verlangsamt, mit wenig Anzeichen für eine Belebung des Arbeitskräfteangebots, sagte Barclays-Ökonom Jonathan Millar. "Dies bringt die Fed in eine Zwickmühle, da sie die Risiken einer starken Nachfrageverlangsamung gegen die Risiken eines knappen Angebots und einer Inflation abwägt." Vor diesem Hintergrund werde die US-Notenbank voraussichtlich erst später mit der Drosselung der massiven Wertpapierkäufe beginnen. Statt November gehen die Barclays-Experten nun mit einem Start im Dezember aus.

Aluminium-Preis auf Zehnjahreshoch, Ölpreis unter Druck

Am Rohstoffmarkt kletterte der Preis für Aluminium um bis zu 1,8 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 2775,50 Dollar je Tonne. Ein Putsch in Guinea vergrößerte die Furcht der Investoren vor Angebotsengpässen. Das afrikanische Land ist der weltweit wichtigste Exporteur des Alu-Rohstoffs Bauxit.

Im Windschatten kletterten die Aktien des norwegischen Aluminiumherstellers Norsk Hydro um bis zu fünf Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als 13 Jahren. Die Titel der Aluminium-Hütte Rusal stiegen in Moskau um bis zu sieben Prozent auf ein Rekordhoch von 66,75 Rubel, bevor sie die Gewinne wieder abgaben. Rusal kündigte an, den Betrieb der drei großen Bauxit-Minen nach dem Militärputsch aufrecht erhalten zu wollen. Falls sich die Krise verschärfe, könnte allerdings das gesamte russische Personal evakuiert werden.

Abwärts ging es mit dem Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 72,13 Dollar je Barrel (159 Liter). Hier drückten geplante Preisnachlässe des Ölkonzerns Saudi Aramco für asiatische Kunden auf die Stimmung, sagte Analyst Virendra Chauhan vom Research-Haus Energy Aspects. Das sei ein Hinweis auf einen geringeren Bedarf.

Nullzinspolitik sorgt für Dauer-Boom bei Tech-Werten

Die Aussicht auf noch lange niedrige Zinsen ließ Anleger insbesondere zu Aktien aus dem Technologiesektor greifen. Die Titel des Chipausrüsters ASML sowie des niederländischen Tech-Investors Prosus zogen knapp drei beziehungsweise zwei Prozent an.

Die Titel der irischen Billig-Airline Ryanair stiegen ebenfalls knapp zwei Prozent, nachdem sich die Fluggesellschaft mit US-Flugzeugbauer Boeing beim Feilschen um einen Großauftrag für 737-MAX-Flugzeuge nicht auf einen Preis einigen konnte.

Zu den Favoriten am europäischen Aktienmarkt gehörte auch Carrefour. Die Aktien des Einzelhändlers stiegen in Paris um knapp zwei Prozent, nachdem die französische Regierung eine Lockerung der Pandemie-bedingten Beschränkungen für den Zugang zu Einkaufszentren in Aussicht gestellt hatte.

Konjunkturhoffnungen geben Asiens Börsen Auftrieb

In der Hoffnung auf eine rasche Erholung der Konjunktur von den Folgen der Coronavirus-Pandemie steigen Anleger in die asiatischen Aktienmärkte ein. Der japanische Nikkei-Index stieg am Montag um 1,8 Prozent auf 26.650 Punkte, während der Topix mit 2042 Zählern zeitweise auf ein 31-Jahres-Hoch kletterte.

Die bislang schleppenden Corona-Impfungen in Japan würden an Fahrt gewinnen und die Impfquoten bald auf das Niveau in Europa oder den USA steigen, prognostizierte Soichiro Matsumoto, Chef-Anleger für Japan bei der Bank Credit Suisse. Dies sollte der Wirtschaft Rückenwind verleihen. "Gegen Ende des Jahres können zunehmend Prognose-Anhebungen der Unternehmen erwartet werden." Die Börse Shanghai legte zum Wochenbeginn gut 1 Prozent auf 3620 Stellen zu.

Bitcoin knackt 52.000-Dollar-Marke

Die Kryptowährung Bitcoin legt weiter zu. Einen Tag vor der Einführung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador decken sich Anleger mit der Cyberdevise ein. Sie gewinnt knapp 4 Prozent und ist mit 52.006,34 Dollar so teuer wie zuletzt vor vier Monaten.

Bitcoin

Am Freitag war der Bitcoin-Kurs erstmals seit Mai zeitweise über 51.000 US-Dollar gestiegen. Seit Mitte Juli legt der Bitcoin im Trend deutlich zu. Damals war er noch bis auf rund 30.000 Dollar gefallen. Von ihrem Rekordhoch von knapp 65.000 Dollar, erreicht Mitte April, ist die Kryptowährung aber noch ein gutes Stück entfernt.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise haben zu Beginn der neuen Handelswoche nachgegeben. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 71,76 US-Dollar. Das waren 85 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 78 Cent auf 68,51 Dollar.

Brent

Am Markt wurden mehrere Gründe für die fallenden Ölpreise genannt. Zum einen wurde auf den stärkeren US-Dollar verwiesen, der den international in der US-Währung gehandelten Rohstoff für viele Interessenten verteuerte und damit auf der Nachfrage lastete. Hinzu kamen die schwachen Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt.

Marktteilnehmer nannten darüber hinaus Preissenkungen des Ölriesen Saudi-Arabien für asiatische Kunden als Belastungsgrund. Der Schritt sende ein negatives Preissignal und verstärke die bestehende Skepsis über die zu erwartende Erdölnachfrage. Grund für die Unsicherheit ist die rapide Ausbreitung der Corona-Delta-Variante und mögliche Bremswirkungen auf die globale Konjunktur.

Mit Nachrichtenagenturen