Kursrutsch Dax bricht ein, US-Börse startet Aufholjagd

Höhere Zinsen, Inflation und ein drohender Krieg in der Ukraine belasten die Börsen weltweit. Der Dax verliert am Montag zeitweise mehr als 4 Prozent. Im späten Handel starten Dow Jones und Nasdaq jedoch eine Aufholjagd.
Nervosität an den Börsen: Anleger nehmen vor dem Treffen der US-Notenbanker Geld vom Tisch

Nervosität an den Börsen: Anleger nehmen vor dem Treffen der US-Notenbanker Geld vom Tisch

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Unruhe an den Börsen: Der Kursrutsch am Aktienmarkt hat sich zum Wochenstart beschleunigt. Anleger bringen Geld in Sicherheit, denn in den USA dürfte die Notenbank (Fed) am Mittwoch ihre ersten Zinserhöhungen in diesem Jahr ankündigen. Mit dem ersten Zinsschritt wird spätestens im März gerechnet. Zudem spitzt sich der Ukraine-Konflikt zu. Das sorgte am Montagnachmittag auch an der Wall Street im frühen US-Handel für deutliche Verluste und zog den Dax erstmals seit Anfang Oktober 2021 wieder unter die Marke von 15.000 Punkten.

Der deutsche Leitindex ging schließlich 3,8 Prozent tiefer bei 15.011 Punkten aus dem Xetra-Handel (17.30 Uhr). Der MDax verlor am Montag 4,2 Prozent auf 32.239 Zähler. Der EuroStoxx50  rutschte um 4,1 Prozent auf zuletzt 4054 Punkte ab. Damit erlitten die Aktienindizes ihre größten Tagesverluste seit Ende November, als die Omikron-Variante des Coronavirus die Börsen in Unruhe versetzte. Am späten Abend starteten die US-Indizes Dow Jones und Nasdaq 100 jedoch eine Aufholjagd und minimierten ihre Verluste: Demzufolge dürfte auch der Dax am Dienstag einen Erholungsversuch starten.

Dax

"Die Bären haben die Macht auf dem Parkett übernommen", hieß es am Markt. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass das Geld aus staatlichen Konjunkturprogrammen und "die überbordende in den Markt gepumpte Liquidität der Notenbanken" bald der Vergangenheit angehören dürften.

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Dow Jones und Nasdaq testen Sechsmonatstief - und erholen sich wieder

Die US-Börsen knüpften am Montag mit deutlichen Verlusten zunächst an die schwache Vorwoche an. Die hohe Inflation, die Erwartung schneller steigender Zinsen, die Omikron-Infektionswelle, eine bislang durchwachsene Berichtssaison und dann noch der Ukraine-Konflikt – für Anleger sind die Gründe derzeit breit gefächert, um sich zurückzuziehen.

Der Dow Jones Industrial, der im Laufe der Vorwoche schon 4,6 Prozent verloren hatte, sackte nach etwas mehr als einer Handelsstunde um 1,80 Prozent auf 33.649 Punkte ab. Zwischenzeitlich stand er unter 33 500 Zählern auf seinem tiefsten Niveau seit einem halben Jahr. Der marktbreite S&P 500 verlor 2,40 Prozent auf 4293 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 notierte mit 14.043 Punkten zeitweise ebenfalls auf dem tiefsten Stand seit einem halben Jahr. Im späten US-Handel setzte jedoch eine Gegenbewegung ein: Kurz vor Handelsschluss an der Wall Street drehten Dow Jones und Nasdaq jeweils leicht ins Plus und schlossen jeweils mit leichten Gewinnen.

Warten auf die Fed

Dreh- und Angelpunkt für die Anleger bleibt die US-Geldpolitik. Auf der ersten Notenbanksitzung in diesem Jahr dürfte am Mittwoch zwar noch keine Leitzins-Änderungen bekannt gegeben werden. Der Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets erwartet dann aber mehr Klarheit darüber, wann und in welchem Tempo die Notenbank den Märkten "im Kampf gegen die Inflation den Geldhahn zudrehen will." Spätestens für März wird mit einer Zinserhöhung gerechnet – und am Mittwoch könnte die Fed diesen Schritt bereits ankündigen.

Nasdaq

Unter den Einzelwerten wurden im Dow Industriewerte wie Boeing und Finanztitel wie Goldman Sachs oder JPMorgan von den Anlegern abgestoßen Ansonsten setzte sich die Korrektur unter den hoch bewerteten Tech-Werten fort, bevor im Laufe der Woche von diversen großen Branchenkonzernen wie Microsoft und Tesla Resultate erwartet werden. Die Titel von Netflix setzten ihren Kurseinbruch vom Freitag wegen eines besonders enttäuschenden Ausblicks fort. Die letzten Kursgewinne seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 gehen damit bei dem Streaming-Anbieter, dessen Geschäfte in Lockdown-Zeiten beflügelt worden waren, nach und nach verloren.

Bitcoin halbiert Börsenwert - und startet Erholungsversuch

Kryptowährungen flogen am Montag ebenfalls aus den Depots. Bitcoin und Ethereum rutschten weiter ab und notierten mit 33.584 und 2220 Dollar auf dem Niveau von vor einem halben Jahr. Seit dem Rekordhoch von 68.000 US-Dollar am 9. November hat Bitcoin damit mehr als die Hälfte seines Börsenwertes verloren. Am späten Abend startete auch Bitcoin parallel zu den US-Börsen einen Erholungsversuch und kletterte zuletzt wieder über die Marke von 36.000 US-Dollar. Seit seinem Tagestief bei 33.400 Dollar hat Bitcoin damit binnen weniger Stunden wieder mehr als 10 Prozent zugelegt.

Bitcoin

Bitcoin

Die Nervosität an den Aktienmärkten hat auch auf den Kryptomarkt übergegriffen. Die Erzählung, dass Kryptowährungen wie Bitcoin wie ein Inflationsschutz funktionierten, da die Anzahl von Bitcoin begrenzt sei, geht nicht auf: Während Anleger Zuflucht in Gold suchen, hat sich der Verkaufsdruck bei Bitcoin und anderen Cyberwährungen in den vergangenen Wochen stark erhöht.

Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1843 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Bundesanleihen waren ebenfalls gefragt, wodurch die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,102 Prozent fiel.

Russische Börse mit größtem Kursrutsch seit 2020

Aus Furcht vor westlichen Sanktionen als Reaktion auf die Spannungen mit dem Nachbarland Ukraine flohen Anleger aus russischen Aktien. Der Moskauer Leitindex fiel um mehr als 8 Prozent - der größte Kursrutsch seit dem Corona-bedingten Börsen-Crash vom März 2020. Die russische Währung geriet ebenfalls unter Druck. Im Gegenzug notierte der Dollar mit 78,64 Rubel so hoch wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen verschärfen sich die Spannungen zwischen Russland und dem Westen weiter. Russland warf der Regierung in Kiew am Montag vor, einen militärischen Konflikt zu provozieren. Die Kriegsgefahr sei noch nie so groß gewesen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Japans Börse im Minus

Die Börse in Tokio hat sich am Montag zunächst schwächer gezeigt. Technologieaktien folgten den US-Vorgaben der vergangenen Woche ins Minus. Allgemein herrschte vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der US-Notenbank Fed Zurückhaltung am Markt.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,3 Prozent tiefer bei 27.447 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,2 Prozent und lag bei 1923 Punkten.

Die Börse in Shanghai lag dagegen 0,2 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen gewann 0,4 Prozent.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise sind am Montag mit moderaten Aufschlägen in die neue Woche gestartet, rutschten am Abend aber ebenfalls in die Verlustzone. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 88,49 US-Dollar. Das waren 60 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 57 Cent auf 85,71 Dollar.

Brent

Die Erdölpreise hatten seit Jahresbeginn deutlich zugelegt und in der vergangenen Woche siebenjährige Höchststände markiert. Hauptgründe für die Entwicklung sind ein relativ knappes Angebot und eine solide Nachfrage. Die aktuelle Corona-Welle scheint die Wirtschaft nicht so stark zu belasten wie frühere Wellen. Als ein Grund gilt die zwar ansteckendere, aber nach Symptomen meist weniger drastische Omikron-Variante.

Mit Nachrichtenagenturen