Ukraine-Krise eskaliert US-Börsen und Bitcoin tauchen ab

Der Dax gibt zum Wochenschluss nach. Im späten US-Handel tauchen Nasdaq, Dow Jones und Kryptowährungen wie Bitcoin ab. Anlass ist eine Verschärfung der Ukraine-Krise.
Gebannter Blick: Börsianer behalten die Inflation ebenso im Auge wie die Situation an der russisch-ukrainischen Grenze

Gebannter Blick: Börsianer behalten die Inflation ebenso im Auge wie die Situation an der russisch-ukrainischen Grenze

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Inflations- und Zinssorgen sowie die Verschärfung der Krise in der Ukraine haben die Märkte weiterhin im Griff. Der Dax  gab bis zum Schluss des Xetra-Handels lediglich 0,42 Prozent auf 15.425 Punkte nach, tauchte im späten Handel aber klar unter die Marke von 15.200 Punkten.

In den USA gingen Dow Jones, Nasdaq 100 sowie Kryptowährungen wie Bitcoin auf Tauchstation. Der Techindex Nasdaq verlor im späten Handel knapp 3 Prozent, Bitcoin gab um rund 5 Prozent nach und fiel Richtung 42.000 US-Dollar. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in den USA 1,5 Prozent schwächer. Anlass für die Verkaufswelle auf breiter Front waren Äußerungen der Biden-Regierung, dass sich Russland im Fall einer Invasion der Ukraine auf schärfste Sanktionen gefasst machen müsse.

US-Präsident Joe Biden und die Staats- und Regierungschefs mehrerer Partnerländer waren sich bei ihrem Krisentelefonat am Abend nach US-Angaben einig über Sanktionen gegen Russland im Falle eines Angriffs auf die Ukraine. Die Verbündeten seien bereit, Russland mit massiven Konsequenzen und hohen wirtschaftlichen Kosten zu belegen, teilt das US-Präsidialamt am Abend mit. Teilnehmer des Gesprächs am frühen Abend deutscher Zeit waren neben Biden unter anderem auch Bundeskanzler Olaf Scholz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Boris Johnson, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel. Russland reagierte mit der Aufforderung, der Westen solle aufhören, "Lügen zu verbreiten".

Dax

Delivery Hero setzt Kurssturz fort

Die Aktie von Delivery Hero, die gestern mehr als 30 Prozent ihres Börsenwertes verloren hatte, setzte am Freitag ihren Kurssturz fort und gab weiter um 11,8 Prozent nach. Mit einer Marktkapitalisierung von nur noch knapp über zehn Milliarden Euro droht Delivery Hero nun der Ausschluss aus dem deutschen Leitindex. Allerdings könnte es nach Aussage von Analysten auch die Aktie von Beiersdorf treffen. Nachfolgen könnten die Titel von Daimler Truck. Dem vom ehemaligen Daimler-Konzern abgespaltenen Lkw-Bauer gelang in nur knapp zwei Monaten nach seiner Erstnotierung an diesem Freitag der Sprung in den MDax. Für den März erwarten Index-Experten dann seinen Aufstieg in den Dax.

Mercedes-Benz-Aktie gefragt

Die Aktie von Mercedes-Benz legte an der Dax-Spitze um 6,7 Prozent zu. Die Geschäfte des Autoherstellers sind im vergangenen Jahr trotz der Probleme mit der Chipversorgung besser gelaufen als erwartet. Das Unternehmen übertraf mit einem starken vierten Quartal die Prognose für die Profitabilität im Automobilbau, wie der Konzern am Freitag überraschend anhand von Eckdaten mitteilte. In die Karten spielt Mercedes-Benz vor allem die hohen Autopreise bei Neu- und Gebrauchtwagen sowie der Fokus auf teure Modelle wie die S-Klasse und Maybach.

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US-Börsen sacken erneut ab

Die Unsicherheit der Anleger an der Wall Street ist angesichts des starken Preisauftriebs und vor den erwarteten geldpolitischen Straffungen durch die US-Notenbank (Fed) hoch. Das war am Freitag erneut zu spüren. Nach einem freundlichen Start drehten die wichtigsten Indizes in die Verlustzone. Besonders schwach zeigten sich einmal mehr die wachstumsstarken Technologiewerte. Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgte die Verschärfung der Ukraine-Krise.

Der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial büßte bis Handelsschluss 1,5 Prozent auf 34.738 Punkte ein. Der den breiten Markt abdeckende Index S&P 500 gab nach einem stabilen Verlauf zuletzt um 1,4 Prozent auf 4439 Punkte nach.

Der Technologie-Index Nasdaq 100 sackte am Freitag um weitere 2,8 Prozent auf 13.791 Punkte ab, was im Wochenverlauf einen Verlust von etwas mehr als 3 Prozent bedeutet.

Tesla verliert 25 Prozent binnen fünf Wochen

Techriesen wie Microsoft, Apple, Nvidia und Tesla gerieten am Freitag jeweils stark unter Druck. Der Elektroautobauer Tesla fiel um 4 Prozent auf 860 US-Dollar und hat seit seinem Hoch zum Jahresbeginn bei knapp 1200 Dollar mehr als 25 Prozent an Wert eingebüßt.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Verbraucherpreise in den USA im Januar gegenüber dem Vormonat um überraschend starke 7,5 Prozent gestiegen waren – das bedeutet die höchste Inflationsrate seit gut 40 Jahren. Sie liegt damit weiter deutlich über dem zweiprozentigen Inflationsziel der US-Notenbank Fed. Die Währungshüter haben deshalb trotz der anhaltenden Corona-Pandemie bereits für den März eine erste Leitzinserhöhung in der Pandemie signalisiert und geraten nun immer mehr unter Zugzwang.

Nasdaq

Adidas-Konkurrent Under Armour nach Zahlen unter Druck

Unternehmensnachrichten waren vor dem Wochenende etwas dünner gesät. Der Sportartikelhersteller Under Armour verschreckte die Anleger mit seinen Geschäftszahlen. Die Aktie sackte um etwas mehr als zehn Prozent ab, der Konkurrent von Adidas und Nike litt im Weihnachtsquartal unter rückläufigen Ergebnissen. Da half auch das angehobene Umsatzziel für das laufende Quartal nicht.

Asiens Anleger vorsichtig

Die überraschend hohe Inflation und damit die Aussicht auf eine rasche geldpolitische Straffung in den USA hat am Freitag auch die Investoren an den Börsen Asiens vorsichtiger gestimmt. In China sank der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland zuletzt um 0,8 Prozent auf 4604 Punkte. Für den Hang-Seng-Index in der Sonderverwaltungsregion Hongkong ging es im späten Handel um 0,6 Prozent auf 24 776 Punkte nach unten.

Bitcoin verliert deutlich

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin hat ihren jüngsten Höhenflug zunächst unterbrochen. Auf der Plattform Coinmarketcap notierte der Bitcoin zuletzt bei 42.193 Dollar, deutlich weniger als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November 2021 erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise sind am Freitag gestiegen Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 93,25 US-Dollar. Das waren 1,85 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,92 Dollar auf 91,80 Dollar. Die Preise nähern sich so ihren zuletzt erreichten Mehrjahreshochs wieder an.

Brent

Mit Nachrichtenagenturen