Neue Regierung verärgert Anleger Griechische Börse bricht ein - und Nobelpreisträger Shiller rät zum Einstieg

Nach den ersten Amtshandlungen der neuen griechischen Links-Rechts-Regierung ist die Börse in Athen eingebrochen. Eine Überreaktion, meint US-Nobelpreisträger Robert Shiller: Die Bewertungen lägen inzwischen unter allem, was er bislang in den USA gesehen habe.
Gegen den Trend: Robert Shiller erhielt 2013 den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Forschung über Wertpapierpreise

Gegen den Trend: Robert Shiller erhielt 2013 den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Forschung über Wertpapierpreise

Foto: © Michelle McLoughlin / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Kaum hat die neue Links-Rechts-Regierung in Griechenland erste Pläne vorgestellt, sind die Finanzmärkte des Landes regelrecht abgestürzt. Am Mittwoch erlitten sowohl die Aktien als auch die Kurse von Staatsanleihen starke Verluste. Der Börsen-Leitindex ASE in Athen brach am Nachmittag um knapp 9 Prozent ein.

Für Nobelpreisträger Robert Shiller zeigen die Investoren damit allerdings möglicherweise eine Überreaktion. "Investitionen in Griechenland fühlen sich vielleicht nicht richtig an", sagte der US-Ökonom laut Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Aktienkurse in Griechenland lägen inzwischen jedoch unter allem, was er bislang in den USA gesehen habe. Das lasse ein "spektakuläres Investment" vermuten.

Die Kurse in Athen spiegelten nicht die Gewinnaussichten der griechischen Firmen wider, so Shiller, der auf einer Veranstaltung der Barclays Bank sprach, weiter. Entweder man agiere wie die Masse der Investoren, oder man entscheide sich für die Alternative, quasi mechanisch Investments zu machen, die eigentlich falsch aussähen. Nach dem Prinzip mache es ebenso Sinn in Russland, Portugal und Italien zu investieren.

In Athen zeigte auch der Handel mit griechischen Staatsanleihen eine heftige Reaktion auf die ersten Entscheidungen der neuen Regierung. Die Papiere wurden von vielen Anlegern abgestoßen. Die starken Verkäufe führten zu fallenden Kursen. Im Gegenzug stiegen die Renditen kräftig. Bei Papieren mit einer Laufzeit von zehn Jahren sorgten die Verkäufe im freien Handel für einen Anstieg der Rendite um 0,92 Prozentpunkte auf 10,15 Prozent.

Athen stoppt Privatisierungen

Der Zins am freien Markt hat damit wieder das Niveau erreicht, das er vor der Ankündigung des massiven Kaufprogramms von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) erreicht hatte.

Die Renditen signalisieren den faktischen Preis, den Staaten für neue Schulden am Kapitalmarkt zahlen müssen - über 7 Prozent gelten sie als längerfristig nicht mehr tragbar. Griechenland ist schon seit Jahren auf Kredithilfsprogramme der internationalen Geldgeber angewiesen. Am freien Markt werden bereits laufende Staatsanleihen gehandelt.

Vor der ersten Sitzung des neuen Kabinetts am Mittwoch in Athen waren erste Pläne der neuen Regierung zum Stopp von Privatisierungen bekannt geworden. Zunächst betreffe dies die Elektrizitätsgesellschaft DEI, sagte der griechische Energie- und Umweltminister Panagiotis Lafazanis dem Rundfunksender Skai. Zudem sollen auch die griechischen Staatseisenbahnen nicht verkauft werden. Außerdem gibt es Meldungen, dass eine 320 Millionen Euro schwere chinesische Investition im Container-Hafen von Piräus gestoppt werden soll.

Außerdem hatte Tsipras in seinem Kabinett einem scharfen Kritikern der Sparpolitik die Zuständigkeit für Finanzen gegeben. Das beunruhigt die Anleger. Der Ökonom Giannis Varoufakis soll als Finanzminister Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern führen.

cr/dpa-afx
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