Börse Dax dreht nach Gewinnen an der Wall Street ins Plus

Der Dax dreht nach seinem Kurssturz zu Handelsschluss ins Plus. Der Grund dafür sind Gewinne an den US-Börsen. Investoren sehen in Anleihen wieder Alternativen zu Aktien. Die Renditen auf zehnjährige US-Staatsanleihen sind mit 4,1 Prozent so hoch wie seit der Finanzkrise seit 2008 nicht mehr.
Höchst nervös: Die Anleger drücken den Dax am Morgen mit weiteren Verkäufen unter die Marke von 12.000 Punkten

Höchst nervös: Die Anleger drücken den Dax am Morgen mit weiteren Verkäufen unter die Marke von 12.000 Punkten

Foto: Boris Roessler / dpa

Der Dax  hat sich am Mittwoch im späten Handel aus dem Sumpf der Inflations-, Zins- und Konjunktursorgen vorerst befreit. Nachdem der deutsche Leitindex am Vormittag erstmals seit November 2020 unter die psychologisch bedeutende Marke von 12.000 Punkten gefallen war, konnte er am Nachmittag seine Verluste sukzessive reduzieren, die runde Marke wieder überschreiten und letztlich sogar ins Plus drehen. Am Ende gewann der Dax 0,4 Prozent auf 12.183 Punkte und schloss fast auf seinem Tageshoch. Der MDax  verlor letztlich 0,07 Prozent auf 22.326,58 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  gewann zuletzt 0,3 Prozent an Wert.

Börsianer machten zwei Gründe für die spätere Erholung aus: Die klaren Gewinne an der New Yorker Wall Street und die überraschend wieder aufgenommenen Anleihekäufe der Bank of England. "Dies ist ein erstes vorsichtiges Zeichen, dass die Zentralbanken in den nächsten Wochen kapitulieren und doch wieder zu Quantitative Easing (QE) zurückkehren könnten", kommentierte Analyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets.

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Sorgen wachsen wegen möglicher Pipeline-Sabotage

Die Sorgen wurde am Mittwoch verschärft von Lecks an den beiden Ostsee-Gaspipelines, die mit einem möglichen Sabotageakt in Verbindung gebracht werden. Über Nord Stream 1 wird derzeit zwar ohnehin kein russisches Gas geliefert und Nord Stream 2 war noch gar nicht in Betrieb. Generell steigen damit aber die Bedenken, wie anfällig das gesamte europäische Energienetz sein könnte.

Deutsche Bank und Commerzbank stark unter Druck

Auf Unternehmensseite gab es größere Kursverluste im Bankensektor, wie die 4,4 Prozent tieferen Papiere der Deutschen Bank als Dax-Schlusslicht zeigten. Ähnlich stark erwischte es jene der Commerzbank mit 5 Prozent Minus. Die polnische Tochter mBank wird das Geldinstitut auch im dritten Quartal belasten wegen einer gebildeten zusätzlichen Vorsorge in Höhe von umgerechnet rund 490 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die Belastungen im dritten Quartal auf 780 Millionen Euro, rechnete die Commerzbank vor.

Die Deutsche Bank und ihre Fondstochter DWS werden außerdem von US-Behörden wegen der Nutzung unerlaubter Kommunikationskanäle zur Kasse gebeten und müssen 125 Millionen Dollar Strafe zahlen. Insgesamt sind 16 Wall-Street-Institute betroffen, die Strafe beträgt insgesamt 1,1 Milliarden Dollar.

Thyssenkrupp und Salzgitter verlieren zweistellig

Noch weiter abwärts ging es im Stahlsektor wegen einer Branchenstudie der US-Bank JPMorgan: Die Titel von Thyssenkrupp sackten um 10 Prozent ab. Für den noch stärker auf Stahl fokussierten Salzgitter-Konzern belief sich der Kursrutsch sogar auf fast 14 Prozent.

Gewinner waren am Mittwoch selten, vor allem in der Gesundheitsbranche gab es aber einige positive Ausnahmen. Die Titel von Merck KGaA etwa waren im Dax mit plus 0,4 Prozent einer der wenigen Gewinner neben den knapp 1 Prozent höheren Papieren des Laborausrüsters Sartorius.

Porsche-Zeichnungsfrist endet

Beim Börsengang der Porsche AG wird derweil die Schlussphase eingeläutet: Am Mittwoch endet die Zeichnungsfrist für die Papiere des Sportwagenbauers. Der Ausgabepreis dürfte im Laufe des Tages bekannt gegeben werden, bevor am Donnerstag dann die Erstnotiz geplant ist. Von Bedeutung ist dies neben den Papieren des Mutterkonzerns Volkswagen auch für jene der VW-Holding Porsche SE.

Anleihen statt Aktien: Zehnjährige US-Anleihen bieten mehr als 4 Prozent Rendite

Für Investoren werden angesichts steigender Zinsen Anleihen als Alternative zu Aktien wieder interessant, wie auch die US-Bank Goldman Sachs jüngst betont hatte. Die Renditen auf zehnjährige US-Treasuries klettterten am Dienstag auf 4,019 Prozent und lagen damit so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Die zehnjährigen Bundespapiere markierten mit 2,309 Prozent den höchsten Stand seit knapp elf Jahren. Treiber sind die steigenden Zinssätze der Zentralbanken weltweit, die im Kampf gegen die Inflation die geldpolitischen Zügel spürbar straffen.

Auch die britischen Gilts waren zuletzt stark gestiegen, nachdem die neue Wirtschaftsstrategie mit steigender Verschuldung unter anderem beim Internationalen Währungsfonds (IWF) auf Kritik gestoßen war. Das Pfund steuerte auf den größten Monatsverlust seit der Brexit-Abstimmung 2016 zu, notierte mit 1,0682 Dollar aber über seinem am Montag markierten Rekordtief.

Anleger kehren an Wall Street zurück

Nach mehreren Verlusttagen in Folge kehren Anleger an die Wall Street zurück. Mut machte ihnen am Mittwoch das vorläufige Ende des Ausverkaufs der US-Staatsanleihen. Ein Kursrutsch bei Apple dämpfte ihre Kauflaune am Mittwoch allerdings.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones stieg um 1,5 Prozent auf 29.583 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq rücken ähnlich stark vor.

Könne der Aktienmarkt seine Gewinne verteidigen, fragte Hugh Johnson, Chef-Volkswirt des Research-Hauses Johnson Economics. "Nun, vielleicht für ein paar Tage. Angesichts der wachsenden Sorgen um die Konjunktur können wir den Ausdruck 'über den Berg' noch nicht verwenden."

Nasdaq 100

Apple dämpft Stimmung im Tech-Sektor, Biogen-Kurssprung beflügelt Pharma-Sektor

Die Aktien von Apple rutschten um drei Prozent ab. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge strich der Elektronik-Konzern seine Pläne, die Produktion des iPhone 14 in der zweiten Jahreshälfte zu steigern. "Jede Schwäche bei der Nachfrage von Apple-Produkten hat große Auswirkungen auf andere Bereiche wie Computerchips und sogar die Aussichten für den Einzelhandel", sagte Patrick Armstrong, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Plurimi. Die Papiere von Apple-Zulieferern wie Qualcomm, Skyworks oder Cirrus fielen um jeweils rund 2,6 Prozent.

Für viel Bewegung sorgten neue Studiendaten in der Pharmabranche. Der US-Konzern Biogen und sein japanischer Forschungspartner Eisai Co hatten mit Spannung erwartete Daten aus einer Studie mit dem neuen Alzheimer-Medikament Lecanemab veröffentlicht. Das Medikament kann demnach das Fortschreiten der Krankheit deutlich verlangsamen, die Unternehmen planen bereits den Zulassungsantrag. Die Nachrichten katapultierten Biogen-Aktien zeitweise gut 43 Prozent nach oben.

Bitcoin notiert deutlich unter 19.000 Punkte

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Coinbase  zuletzt bei 18.740 US-Dollar und damit rund 7,2 Prozent im Vortagesvergleich. Im November vergangenen Jahres erreichte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben wieder nach

Die Ölpreise haben sich am Dienstag von ihren starken Abschlägen der vergangenen Handelstage ein Stück weit erholt. Gegen Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  85,46 US-Dollar. Das waren 1,40 Dollar mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 1,08 Dollar auf 77,79 Dollar.

Nach einem kurzen Anstieg haben die Ölpreise am Mittwoch wieder nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  84,80 US-Dollar. Das waren 1,47 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,34 Dollar auf 77,16 Dollar.

Die Ölpreise bewegen sich damit wieder in der Nähe ihrer tiefsten Stände seit Januar. Die wichtigsten Gründe für die deutlichen Abschläge in den vergangenen Wochen sind die trüben Konjunkturaussichten und die vielerorts stark steigenden Zinsen. Hinzu kommt der starke US-Dollar, der Erdöl für Interessenten aus Ländern außerhalb des Dollarraums wechselkursbedingt verteuert und die Nachfrage drückt.

Aufgrund der fallenden Preise sind am Rohölmarkt zunehmend Spekulationen über eine Förderkürzung durch den Ölverbund Opec+ zu vernehmen. Die rund 20 Länder, angeführt von Saudi-Arabien und Russland, wollen in einer Woche über ihre Förderpolitik entscheiden.

Mit Nachrichtenagenturen
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