Börse Kurssturz im Dax wegen Putins Gas-Embargo

Der Arbeitsmarkt in den USA zeigt sich robuster als erwartet, und der Dax schloss mit deutlichem Gewinn. Nach Xetra-Handelsschluss brach der Dax aber erneut ein: Grund ist der von Wladimir Putin und Gazprom verhängte Gas-Stopp.
Kurssturz im Dax: Nach seinem Erholungsversuch ist der Dax erneut eingebrochen. Gazprom hat die Gaslieferungen nach Europa gestoppt

Kurssturz im Dax: Nach seinem Erholungsversuch ist der Dax erneut eingebrochen. Gazprom hat die Gaslieferungen nach Europa gestoppt

Foto: AFP

Rauf- und wieder runter: Der Dax  ist am Freitag im späten Handel erneut eingebrochen. Der deutsche Leitindex stürzte bis zum Abend unter die Marke von 12.700 Zähler, nachdem er zuvor noch mehr als 3 Prozent zugelegt hatte und über die Marke von 13.050 Zählern geklettert war. Auch die US-Börsen bauten am Abend ihre Verluste aus, nachdem der russische Gaskonzern Gazprom bekannt gegeben hatte, wegen angeblicher "Wartungarbeiten" bis auf Weiteres kein Gas mehr nach Deutschland und Europa zu liefern. Putin und sein Handlanger, Gazprom-Chef Alexei Miller, verschärfen damit den Wirtschaftskrieg gegen Europa.

Der Dax verlor binnen kurzer Zeit rund 400 Punkte (für Sie ersichtlich im folgenden Chart, wenn Sie im Chart rechts oben die Einstellung "Xetra" auf die Abendkurse der BNP Paribas umstellen). Ordentliche Kursgewinne gab es zunächst nur bis 17.30 Uhr im Xetra-Handel: Positiv aufgenommene US-Konjunkturdaten hatten Europas Aktienmärkten Rückenwind verliehen. Der Dax  kletterte bis zum Xetra-Handelsschluss um 3,3 Prozent auf 13.050 Punkte, während der EuroStoxx um rund 2,6 Prozent zulegte. Doch binnen weniger Minuten war diese Erholung wieder zunichte, und der Kurssturz der vergangenen Tage setzte sich fort.

Anlass für den erneuten Kursrutsch war die Nachricht des russischen Gasriesen Gazprom, die Pipeline Nord Stream 1 am Samstag nach dreitägiger Wartung doch nicht wieder in Betrieb zu nehmen. An der Pipeline sei angeblich ein Leck entdeckt worden, teilte Gazprom per Social-Media-Kanal Telegram mit. Der Betrieb bleibe daher vorerst ausgesetzt. Die Bundesregierung hält dies für vorgeschoben.

Am Freitag hatten zuvor US-Jobdaten das Bild an der Börse bestimmt. Am boomenden US-Arbeitsmarkt sind im August noch etwas mehr Stellen geschaffen worden als erwartet. Im vergangenen Monat kamen 315.000 neue Jobs hinzu, wie die Regierung am Freitag in Washington mitteilte. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote stieg allerdings auf 3,7 von zuvor 3,5 Prozent.

Bahn frei für weiteren großen Zinsschritt der Fed

Der Anstieg der neuen Arbeitsplätze außerhalb der US-Landwirtschaft fiel zwar etwa höher aus als erwartet. "Aber gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote auf 3,7 von 3,5 Prozent gestiegen", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Das sei das ideale Szenario für Anleger, die nun darauf spekulierten, dass die Notenbank Fed die Zinsen wohl kaum längerfristig aggressiv anheben werde. Für die nächste Zinssitzung der US-Notenbank bedeute dies nun aber einen weiteren großen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten.

Erzeugerpreise in der Eurozone im Rekordtempo gestiegen

Aber auch in der Eurozone bahnt sich möglicherweise ein höheres Tempo der Zinserhöhungen an, der nächste Entscheid steht hier an diesem Donnerstag an. Vor diesem Hintergrund sind die neuen Daten zu den Erzeugerpreisen wichtig. Laut dem Statistikamt Eurostat sind die Preise, die Hersteller für ihre Waren erhalten, zum Vorjahresmonat um 37,9 Prozent gestiegen. Das ist der stärkste Schub seit Bestehen der Währungsunion. Im Mai und Juni hatte sich der Preisauftrieb etwas abgeschwächt, nachdem die Preise bereits im April mit Rekordgeschwindigkeit gestiegen war.

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Nikon kauft Lübecker SLM Solutions

Auf Unternehmensseite sorgte ein Übernahmeangebot für SLM Solutions für Gesprächsstoff: Die Papiere sprangen um 72,5 Prozent auf 19,66 Euro nach oben. Sie näherten sich damit dem 20 Euro hohen Barangebot des japanischen Nikon-Konzerns, der einen weltweit führenden Anbieter für 3D-Metalldruck schaffen will.

Bei Aktien von Adidas und Puma verwiesen Händler auf starke Quartalszahlen des nordamerikanischen Wettbewerbers Lululemon, der auch seinen Ausblick anhob. Mit einem Anstieg um knapp 1 Prozent entwickelten sich Adidas unterdurchschnittlich. Puma-Titel zogen stärker als der Dax um 2,4 Prozent an. Lululemon selbst legte um rund 10 Prozent zu.

Eon im Blick – Diskussion über Verlängerung der Atomkraft-Laufzeiten

Als weniger zyklische Branche erholten sich aber auch die Versorger – unter anderem wegen der anhaltenden Diskussion über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke. Zwei Meiler könnten laut dem "Handelsblatt" am Netz bleiben, ein Börsianer glaubt dabei an ein Kraftwerk von Eon. Die Eon-Titel setzten sich mit einem Kurssprung um 3 Prozent an die Dax-Spitze, bevor sie am späten Abend ihre Gewinne komplett wieder abgaben. In Frankreich dagegen spitzt sich das Atom-Debakel rund um den Versorger EDF dagegen weiter zu.

US-Börse dreht erneut ins Minus

Nach zunächst festem Start haben die US-Börsen am Freitag ihren Kursrutsch fortgesetzt. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial büßte zwischenzeitliche Gewinne von mehr als 1 Prozent ein und fiel zuletzt um 1,1 Prozent unter die Marke von 31 400 Punkten. Damit hat der bekannteste Wall-Street-Index binnen einer Woche knapp 4 Prozent an Wert verloren.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag um 1 Prozent auf 3930 Punkte abwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 1,6 Prozent auf 12 068 Zähler.

Die Papiere von Broadcom gewannen nach vorgelegten Zahlen zum dritten Geschäftsquartal gegen den allgemein schwachen Markttrend fast zwei Prozent. Der Chipkonzern habe starke Resultate vorgelegt, urteilte der Experte Stacy Rasgon vom Analysehaus Bernstein Research. Die Halbleiter-Umsätze hätten die Erwartungen übertroffen. Insgesamt sei der Nachfrage-Ausblick zudem robust geblieben und auch die Ziele für das vierte Quartal nannte Rasgon "stark".

Unter den Einzelwerten standen Lululemon mit einem Plus von zeitweise bis zu 10 Prozent im Fokus, nachdem der Sportbekleidungshersteller aus Kanada seinen Quartalsbericht vorgelegt und die Jahresziele angehoben hatte. Die Nachfrage von einkommensstarken Konsumenten sei hoch geblieben, sagte ein Händler. Analyst Michael Binetti von der Credit Suisse schrieb: Unter dem Strich habe das Unternehmen eine herausragende Stärke gezeigt in einem deutlich schwächer werdenden Einzelhandelsumfeld.

Bitcoin pendelt um 20.000 US-Dollar-Marke

Die Digitalwährung Bitcoin kommt nicht vom Fleck. Die Cyberdevise notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 20.097 US-Dollar und damit etwas höher als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise steigen wieder

Die Ölpreise sind am Freitag nach mehreren Tagen mit Abschlägen wieder gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  94,20 US-Dollar. Das waren 1,84 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 1,71 Dollar auf 88,32 Dollar.

In den vergangenen Tagen waren die Erdölpreise deutlich unter Druck geraten. Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren, darunter Sorgen über die globale Wirtschaftsentwicklung und der andauernde Kampf vieler Zentralbanken gegen die hohe Inflation. Hinzu kam der starke Dollar, der das in der US-Währung gehandelte Rohöl für viele Interessenten wechselkursbedingt verteuerte und auf der Nachfrage lastete.

Zunehmend rückt die Angebotspolitik des Ölverbunds Opec+ in den Mittelpunkt. Die rund 20 Staaten wollen an diesem Montag über ihre Förderpolitik beraten. Saudi-Arabien, eines der tonangebenden Mitglieder, hatte unlängst die Möglichkeit einer geringeren Förderung zur Sprache gebracht. Hintergrund sind die zuletzt im Trend gefallenen Erdölpreise, wenngleich das Preisniveau aufgrund des Ukraine-Kriegs weiter hoch ist.

Mit Nachrichtenagenturen
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