Börse Zinsentscheid und Ukraine-Konflikt drücken den Dax ins Minus

Ein nahezu ergebnisloses Treffen der Außenminister der Ukraine und Russlands sowie der EZB-Zinsentscheid lassen die Vortagsgewinne an der Börse abschmelzen. Dow Jones fällt wieder durch Inflationssorgen.
Börse Frankfurt: Der Ukraine-Krieg sorgt für starke Schwankungen im Dax

Börse Frankfurt: Der Ukraine-Krieg sorgt für starke Schwankungen im Dax

Foto: Boris Roessler / dpa

Nach der kräftigen Erholung vom Vortag hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Neben enttäuschten Hoffnungen auf Fortschritte bei der Beendigung des Ukraine-Krieges drückten auch Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die Stimmung. Ein Treffen des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in der Türkei brachte keine wesentliche Annäherung beider Seiten. Die EZB steuert trotz neuer Risiken für die Konjunktur auf ein Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zu.

Der Dax schloss mit einem Minus von 2,93 Prozent bei 13.442 Punkten. Zur Wochenmitte hatte er noch eine fulminante Erholungsrally hingelegt und war um acht Prozent gestiegen. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor am Donnerstag 1,92 Prozent auf 29.466 Punkte.

Auch an den anderen europäischen Leitbörsen kam es zu erheblichen Einbußen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 3,04 Prozent auf 3651,39 Punkte.

Die EZB fährt ihre milliardenschweren Anleihekäufe früher zurück als geplant und stellt deren Ende für Sommer in Aussicht. Angesichts der neuen Unsicherheiten für die Konjunktur durch den Ukraine-Konflikt hatten etliche Volkswirte eigentlich damit gerechnet, dass die EZB abwarten würde.

Keine Fortschritte beim Außenministertreffen

Das mit Spannung erwartete Außenministertreffen der Ukraine und Russlands im türkischen Antalya war nach anderthalb Stunden beendet. Nach Angaben des ukrainischen Ministers Dmytro Kuleba gab es keine entscheidenden Fortschritte. Es sei auch nicht gelungen, humanitäre Korridore für die Stadt Mariupol am Asowschen Meer zu vereinbaren, sagte Kuleba nach dem Treffen.

Banken büßen ein

Bankenaktien konnten ihre Verluste nach den EZB-Aussagen etwas eindämmen. Im MDax verloren Commerzbank 3,7 Prozent, während Deutsche Bank im Dax lediglich 0,7 Prozent einbüßten. Letztere hatte mitgeteilt, ihre Risiken im Russland-Geschäft angesichts des Ukraine-Konflikts für überschaubar zu halten. Zudem setzte sie sich für die kommenden Jahre höhere Ziele.

Außerdem ging die Berichtssaison in Deutschland weiter. Vorläufige Jahreszahlen ließen die Aktien von BMW um 5,5 Prozent absacken. Der Autobauer steigerte den Gewinn wie erwartet deutlich und will die Dividende kräftig erhöhen. Anleger störten sich aber an der jüngsten Entwicklung der operativen Marge im Auto-Kerngeschäft.

An der MDax-Spitze lag der Düngemittel und Salzkonzern K+S dank eines Kursanstiegs um knapp elf Prozent. Analyst Markus Mayer von der Baader Bank betonte, dass die vorgeschlagene Dividende etwas besser als erwartet ausgefallen sei.

Die Aktien von Hannover Rück fielen um 5,7 Prozent. Der Rückversicherer will nach einem Gewinnsprung im zweiten Corona-Jahr die Dividende kräftig auf insgesamt 5,75 Euro je Aktie anheben. Die darin enthaltene Sonderdividende falle aber niedriger als erhofft aus, monierte das Analysehaus Jefferies.

Die Anteilscheine von Hugo Boss büßten 7,1 Prozent ein, obwohl der Modekonzern für das vergangene Jahr eine deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerung berichtet hatte. Auch bei Compugroup mussten die Anteilseigner trotz guter Jahreszahlen einen Kursrückgang von 6,2 Prozent verkraften.

Dax

Bitcoin fällt wieder unter 40.000

Die älteste Cyber-Devise Bitcoin verliert auf der Handelsplattform Bitstamp  auf 39.234 Dollar. Ethereum verbilligt sich um 5 Prozent auf 2572 Dollar. Am Mittwoch hatten die Anleger auf ein Ausbleiben von strengen US-Beschränkungen für Kryptowährungen gesetzt und die Preise nach oben getrieben.

Bitcoin

Bitcoin

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben Kryptowährungen wieder zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt. Vor einer Woche notierte Bitcoin allerdings noch bei 44.000 US-Dollar.

US-Börsen fallen wieder

Der erneute Anstieg der US-Inflation setzt der Wall Street zu. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 fielen am Donnerstag um jeweils etwa ein Prozent.

Nach den Gewinnen vom Vortag sind die Kurse an den US-Börsen am Donnerstag wieder gefallen. Die Hoffnung vom Mittwoch auf eine Annäherung Russlands und der Ukraine hat sich zunächst zerschlagen. Das Treffen der Außenminister beider Länder in Antalya in der Türkei brachte keine wesentlichen Fortschritte. Der Dow Jones Industrial verlor im frühen Handel 1,00 Prozent auf 32.953 Punkte.

Der marktbreite S&P 500 gab um 0,9 Prozent auf 4239 Punkte nach. Der technologielastige Nasdaq 100 sank mit minus 1,42 Prozent auf 13.547 Zähler etwas stärker. Hier belasteten steigende Kapitalmarktrenditen, die die Refinanzierung wachstumsstarker Unternehmen verteuern können.

Die US-Verbraucherpreise stiegen im Februar wie erwartet auf 7,9 Prozent, den höchsten Stand seit 40 Jahren. "Während noch bis kurzem davon ausgegangen werden konnte, dass die Teuerungsraten fallen, hat der Krieg in der Ukraine die Situation merklich verändert", sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Die Notenbank Fed werde die Leitzinsen daher in den kommenden Monaten mehrfach anheben.

Vor diesem Hintergrund gerieten vor allem Technologiewerte wie Apple, die Google-Mutter Alphabet oder die Facebook-Mutter Meta unter Druck, deren Aktien sich um etwa 1,5 Prozent verbilligten. Höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

Gegen den Branchentrend gewannen die Titel von Amazon fast fünf Prozent. Der Online-Händler will durch einen Aktiensplit für Kleinanleger attraktiver werden und eigene Aktien im Volumen von zehn Milliarden Dollar zurückkaufen.

Nasdaq

Nasdaq

Asiatische Börsen im Aufwind

Die Hoffnung auf eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine hat die asiatischen Märke am Donnerstag beflügelt. "Äußerungen Russlands und der Ukraine geben Anlass zur Hoffnung, dass ein Kompromiss möglich ist", sagte Ray Attrill, Leiter Devisenstrategie bei der National Australia Bank (NAB). Der Nikkei-Index gewann knapp 4 Prozent auf 25.690 Zähler, nachdem er an den vergangenen vier Handelstagen 7 Prozent an Wert eingebüßt hatte. Der breiter gefasste Topix-Index rückte ebenfalls um 4 Prozent vor. Die Börse in Shanghai stieg um 1,2 Prozent. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 1,2 Prozent.

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Extreme Preisbewegungen beim Ölpreis

Die Ölpreise haben am Donnerstag zugelegt. Sie notierten zuletzt jedoch merklich unter ihren Tageshöchstständen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wurde am frühen Abend mit 113 US-Dollar gehandelt. Das waren 2,08 Dollar mehr als am Vortag. Zeitweise waren der Preise noch bis auf 118 Dollar gestiegen. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,38 Dollar auf 110 Dollar.

Am Ölmarkt bleibt der Krieg in der Ukraine das beherrschende Thema. Das mit Spannung erwartete Treffen der Außenminister von Russland und der Ukraine in der Türkei hatte keine wesentlichen Fortschritte gebracht. Beide Seiten zeigten sich allerdings grundsätzlich bereit für weitere Gespräche. Die Ölpreise hatten im europäischen Vormittagshandel deutlich zugelegt.

Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank wies darauf hin, dass aus den Fördergebieten außerhalb Russlands mehr Öl auf den Markt kommen könnte. So würde eine denkbare Einigung in den Atomverhandlungen mit dem Iran eine Aufhebung der US-Sanktionen gegen die iranischen Ölexporte erlauben.

Brent

Brent

In Venezuela soll der Staatskonzern PDVSA bis Ende des Jahres wieder zwei Millionen Barrel Rohöl pro Tag fördern, sagte Präsident Nicolás Maduro. Auch die Produktion von Rohölderivaten und Gas soll im laufenden Jahr angekurbelt werden. Der südamerikanische Krisenstaat verfügt nach derzeitigen Erkenntnissen über die größten Ölreserven der Welt. Wegen Sanktionen, Missmanagement und Korruption war die tägliche Fördermenge allerdings auf zuletzt 668 000 Barrel Öl pro Tag gesunken.

In den vergangenen Tagen war es am Ölmarkt zu extremen Preisbewegungen gekommen. Am Montag hatten die Erdölpreise drastisch zugelegt und das höchste Niveau seit dem Jahr 2008 erreicht. Am Mittwoch folgte ein scharfer Einbruch der Ölpreise, nachdem am Markt Hoffnungen auf eine vorsichtige Annäherung zwischen Russland und der Ukraine aufgekommen waren. Experten gehen davon aus, dass die starken Preisschwankungen angesichts der hohen Verunsicherung anhalten dürften.

Mit Nachrichtenagenturen