Kursrutsch an der Börse Dax und Dow Jones tauchen ab

Putins Rubel-Forderungen entnerven Börsianer: Der Dax baut seine Verluste aus. In den USA schließen Dow Jones und Nasdaq ebenfalls tief im Minus.
Börse in Frankfurt: Der Dax hat im ersten Quartal rund 10 Prozent eingebüßt

Börse in Frankfurt: Der Dax hat im ersten Quartal rund 10 Prozent eingebüßt

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Erneuter Kursrutsch: Dax und EuroStoxx50 haben ihre Verluste am Donnerstag ausgebaut. Der Dax schloss fast auf seinem Tagestief 1,3 Prozent niedriger bei 14 414 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel endete am Donnerstag mit einem Minus von 1,61 Prozent bei 31 011 Zählern. Da die US-Börsen im späten Handel ihre Verluste ausbauten, dürfte der Dax am Freitag zum Handelsstart seine Talfahrt fortsetzen und Richtung 14.300 Zähler fallen.

Wegen des Ukraine-Kriegs stehen Europas Börsen vor dem größten Quartalsverlust seit dem coronabedingten Börsen-Crash vom Frühjahr 2020. Dax und EuroStoxx50 verlieren im Vergleich zum Jahreswechsel jeweils knapp zehn Prozent. Im Auftaktquartal 2020 waren sie um mehr als 25 Prozent eingebrochen.

Der europäische Erdgas-Future verteuert sich um 7,3 Prozent auf 124,90 Euro je Megawattstunde. US-Erdgas gewinnt 2,6 Prozent und notiert mit 5,7520 Dollar je Million BTU so hoch wie zuletzt vor zwei Monaten. Dem russischen Präsidenten und Kriegstreiber Putin zufolge müssen russische Gas-Lieferungen ab Freitag in Rubel bezahlt werden. Die westlichen Abnehmer lehnen diese Umstellung ab.

Dax

Die Marktteilnehmer dürften aber weiterhin Vorsicht walten lassen. Denn die Kämpfe in der Ukraine gehen weiter und ein Durchbruch in den Verhandlungen ist nicht absehbar, auch wenn Russland jüngst ankündigte, die Kampfhandlungen bei Kiew zu reduzieren. Laut den Experten der Commerzbank gibt es weiterhin "kein Signal einer Deeskalation". Sorgen bereitet den Unternehmen auch die Energieversorgung, denn für künftige Gas-Zahlungen an Russland tickt die Uhr. Ab dem 1. April soll ein Gesetz gelten, wonach Gas-Lieferungen in Rubel zu begleichen sind. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat nach einem Gespräch mit Kreml-Chef Wladimir Putin allerdings bekräftigt, dass Deutschland die Gaslieferungen weiter in Euro oder Dollar bezahlen werde.

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"Anhaltend höhere Preise als Folge des Krieges – nicht nur bei Energie, sondern auch bei Agrar- und Industrierohstoffen – werden das globale Wachstum dämpfen und den Abschwung beschleunigen", schreiben die Experten von Jupiter Asset Management. "Wir halten eine Rezession in Europa nun für so gut wie sicher und in den USA auf längere Sicht für sehr wahrscheinlich."

"Rezession in Europa so gut wie sicher"

Am Ölmarkt ließ vor allem die Spekulation auf eine massive Freigabe von US-Öl die Preise purzeln. Insidern zufolge erwägt die USA die Freigabe von bis zu 180 Millionen Barrel Öl aus den nationalen Notreserven über mehrere Monate, um die hohen Kraftstoffpreise zu deckeln. Zudem sorgte ein für Freitag angesetztes Treffen der Internationalen Energieagentur (IEA), auf dem voraussichtlich über eine koordinierte Freigabe von Notfallreserven gesprochen wird, für Aufregung. "Sollte es tatsächlich zu dieser gigantischen Freigabe der Notfallreserven kommen, wäre der Ölmarkt im zweiten Quartal nicht mehr unterversorgt und im dritten Quartal sogar überversorgt, wenn man die aktuellen Prognosen der IEA zurate zieht", erläuterte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Allerdings dürften die staatlichen Notfallreserven dann auch sehr stark absinken.

US-Börsen geben deutlich nach

Die US-Börsen haben am Donnerstag ihre Vortagesverluste kräftig ausgeweitet und minimal über ihrem Tagestief geschlossen. Der Dow Jones Industrial sackte wieder deutlich unter 35 000 Punkte. Druck kam vor allem in der letzten Handelsstunde auf. Seit Jahresbeginn verzeichneten die wichtigsten Indizes bisher allesamt ein deutliches Minus. Die Monatsbilanz für den Monat März blieb dennoch positiv.

Der Dow Jones ging am letzten Tag im März mit einem Abschlag von 1,56 Prozent auf 34 678 Punkte aus dem Handel. Der S&P 500 fiel um 1,57 Prozent auf 4530 Punkte. Der Nasdaq 100 gab um 1,55 Prozent auf 14 838 Punkte nach.

Der fortdauernde Krieg Russlands gegen die Ukraine belastete auch am Donnerstag die Anlegerstimmung. Immer noch ist eine Deeskalation nicht in Sicht. Vielmehr hieß es aus dem Pentagon, dass die ukrainische Hauptstadt Kiew weiter stark durch russische Luftangriffe gefährdet sei. Russlands Gerede von Deeskalation sei «schöne Rhetorik», so ein hochrangiger Pentagon-Vertreter.

US-Präsident Joe Biden sagte, es gebe keine Beweise, dass Russland seine Truppen wie angekündigt aus der Umgebung von Kiew abziehe. Der Kreml-Diktator und Kriegsverbrecher Wladimir Putin setze stattdessen auf Lüge und Täuschung.

Nasdaq

Behält der Anlagestratege Peter Oppenheimer von Goldman Sachs Recht, gibt es zunächst jedoch zumindest an der Wall Street kaum noch Kurspotenzial. Etwas mehr traut Oppenheimer Aktien in Europa und vor allem Asien zu. Die jüngste Erholung sei allerdings nicht irrational, betont Oppenheimer unter anderem mit Blick auf weiter negative Realzinsen und einer Aktienbewertung, die hinter der Gewinnentwicklung der Unternehmen hinterhergehinkt sei.

Verluste an Asiens Börsen

Die asiatischen Börsen haben am Donnerstag nach der weltweiten Rallye diese Woche nachgegeben. "An den US-Märkten, von denen wir uns leiten lassen, spiegeln die Verkäufe eine anhaltende Einschätzung der Inflationsgefahren und der Maßnahmen der Fed wider", sagte Rob Carnell, Chefökonom bei ING in Singapur. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,2 Prozent tiefer bei 27.978 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,2 Prozent und lag bei 1963 Punkten.

Bitcoin dreht klar ins Minus

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin hatte am Mittag noch bei 47.500 Dollar notiert, drehte dann aber ebenso wie die Aktienmärkte klar ins Minus. Auf Sicht einer Woche liegt Bitcoin jedoch noch knapp im grünen Bereich.

Bitcoin

Ölpreise rutschen ab

Von dem im Tagesverlauf anstehenden Treffen der Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, erwarteten Experten dagegen nicht allzu viel. Es wird damit gerechnet, dass die Gruppe an ihrer Politik einer maßvollen Ausweitung der Fördermengen festhalten wird.

Nordseeöl Brent verbilligte sich um mehr als fünf Prozent auf 107,39 Dollar je Fass (159 Liter). US-Öl WTI kostete in der Spitze mit 100,53 Dollar 6,8 Prozent weniger. Die Preise waren durch den Krieg in der Ukraine in den vergangenen Wochen massiv nach oben getrieben worden. Der Index für die europäische Öl- und Gasbranche fiel am Donnerstag um 1,6 Prozent. Aktien von Ölkonzernen wie BP, Shell und TotalEnergies gaben zeitweise zwischen 2,1 und 1,7 Prozent nach.

Brent

Gold verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1918 Dollar je Feinunze. Im Falle einer Freigabe großer Mengen strategischer Ölreserven, dürften die Inflationssorgen etwas zurückgedrängt werden und Gold erstmal weniger gefragt sein, sagten Experten.

Mit Nachrichtenagenturen