Börse Dax reduziert Verluste nach US-Inflationsdaten

Der Dax schließt zwar im Minus, hat die US-Inflationsdaten am Mittwoch nach ersten, starken Verlusten aber gut verdaut. Auch an der Wall Street kommen die Aktienindizes wieder zurück. Der Bitcoin nähert sich der Marke von 19.000 Dollar, der Ölpreis erholt sich leicht.
Händlerin an der Frankfurter Börse: Die hohe Inflation in den USA belastet den Dax zunächst stark, zum Abend reduziert er seine Verluste

Händlerin an der Frankfurter Börse: Die hohe Inflation in den USA belastet den Dax zunächst stark, zum Abend reduziert er seine Verluste

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Arne Dedert / dpa

Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch tiefer geschlossen. Die enttäuschenden US-Inflationszahlen wirkten nur vorübergehend als zusätzliche Belastung. Direkt nach den Daten war der Dax  zwar um mehr als zwei Prozent abgesackt, konnte sich im späten Handel aber von diesem Schock erholen. Letztlich verlor der Leitindex 1,16 Prozent auf 12.756 Punkte und damit nur etwas mehr als kurz vor den US-Daten. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen schloss mit einem Minus von 0,98 Prozent auf 25.503 Zähler. Der EuroStoxx 50  fiel um rund 1,0 Prozent. Die Leitindizes in Paris und London büßten jeweils rund 0,7 Prozent ein.

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Die Verbraucherpreise in der weltgrößten Volkswirtschaft stiegen im Juni um 9,1 Prozent und erreichten den höchsten Wert seit über 40 Jahren. Ökonomen hatten eine Inflationsrate von 8,8 erwartet. Damit steht die US-Notenbank Fed weiter unter Druck, ihre Geldpolitik zu straffen. Weiter steigende Zinsen könnten indes die Konjunktur abwürgen und schmälern auch die Attraktivität von Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen.

Kommt jetzt der XXL-Zinschritt in den USA?

Zum Handelsschluss in Europa konnten die Aktienindizes an der Wall Street ihre Verluste reduzieren: Der US-Leitindex Dow Jones Industrial halbierte das Minus zuletzt auf 0,62 Prozent oder 30.789 Zähler. Der Index hatte zuletzt bereits drei Tage in Folge nachgegeben. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 war mit einem Minus von 2 Prozent in den Handel gestartet, konnte seine Verluste jedoch ebenfalls auf zuletzt 0,11 Prozent eingrenzen. Mit der hohen Inflation von 9,1 Prozent verstärkt sich der Druck auf die US-Notenbank, die Leitzinsen rasch und kräftig anzuheben.

"Die US-Notenbank hat spätestens seit heute neue Argumente erhalten, um das rasche Tempo im Zinserhöhungszyklus weiter hochzuhalten", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Einem weiteren XXL-Zinsschritt steht Ende des Monats auf der Notenbanksitzung womöglich wenig entgegen."

Am deutschen Markt prägten zur Wochenmitte Geschäftszahlen der Unternehmen das Geschehen. Der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer punktete bei den Anlegern mit besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen und bestätigten Jahreszielen. Zudem gibt sich das Unternehmen mit Blick auf die Erdgasversorgung optimistisch. Die Aktien endeten als MDax-Spitzenreiter 3,1 Prozent höher.

Im Nebenwerte-Index SDax sackten die Anteilscheine von Auto1 nach starken Schwankungen letztlich um 3,9 Prozent ab. Der Online-Gebrauchtwagenhändler konnte im vergangenen Quartal zwar mehr Autos verkaufen als ein Jahr zuvor, doch die Dynamik im Vergleich zum Vorquartal ließ etwas nach.

Eine Kooperation mit dem französischen Autobauer Renault bescherte dem Zulieferer Vitesco einen Kursgewinn von 1,8 Prozent. Dabei geht es um die Entwicklung von Leistungselektronik für Elektro- und Hybridantriebe. Deutsche Automobilwerte zeigten sich mit dem Marktumfeld indes generell schwach.

Bitcoin unter 20.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist weiter unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Kryptowährung zuletzt rund 3 Prozent niedriger bei 19.318 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise erholen sich etwas von Talfahrt

Die Ölpreise sind am Mittwoch gestiegen und haben sich damit etwas von der Talfahrt vom Vortag erholen können. Gegen Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  100,17 US-Dollar. Das waren 68 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 70 Cent auf 96,54 Dollar.

Die aktuelle Nachfrageprognose der Internationale Energieagentur (IEA) hat die Ölpreise nicht weiter belastet. Der Interessenverband führender Industriestaaten hat in seinem aktuellen Monatsbericht die Erwartung an die weltweite Nachfrage in diesem Jahr leicht gesenkt, von zuvor 99,4 Millionen Barrel pro Tag auf nur noch 99,2 Millionen Barrel. Für das kommende Jahr wurde die Prognose von 101,6 Millionen auf 101,3 Millionen nach unten gesetzt.

Am Vortag war der Preis für Rohöl aus der Nordsee noch um etwa sechs Dollar eingebrochen. Sowohl der Preis für US-Öl als auch für Brent-Öl waren unter die Marke von 100 Dollar gerutscht. Als Ursache gilt die Furcht vor einem Konjunktureinbruch wegen der drohenden Energiekrise in Europa und harter Corona-Maßnahmen in China. Zum Wochenstart hatte Russland wegen routinemäßigen Wartungsarbeiten die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 gestoppt und damit die Sorgen über die Zukunft der Energieversorgung in Europa weiter angefacht.

Marktbeobachter wollen einen weiteren Rückgang der Ölpreise nicht ausschließen. Derzeit werde der Ölmarkt von Konjunktursorgen getrieben, sagte Rohstoffexperte Warren Patterson von der Bank ING. Daher seien kurzfristig weitere Preisrückgänge wahrscheinlich.

Mit Nachrichtenagenturen
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