Börse Ausverkauf bei Hellofresh

Der Dax schließt nach der EZB-Entscheidung mit leichten Verlusten. Der Laborausrüster Sartorius kann die Investoren mit seinen Zahlen überzeugen, SAP kann dies offensichtlich nicht. Die Aktie von Hellofresh kommt erneut unter die Räder, auch die Titel von Uniper verlieren zweistellig - trotz bevorstehender Rettung.
Kochboxen von Hellofresh: Knapp 10 Prozent verlor die Dax-Aktie am Mittwoch, um weitere 14 Prozent brach das Papier am Donnerstag ein - die Gewinnwarnung für das Gesamtjahr hat die Anleger offenbar massiv enttäuscht

Kochboxen von Hellofresh: Knapp 10 Prozent verlor die Dax-Aktie am Mittwoch, um weitere 14 Prozent brach das Papier am Donnerstag ein - die Gewinnwarnung für das Gesamtjahr hat die Anleger offenbar massiv enttäuscht

Foto: DPD

Die zwei zentralen Themen der Woche, Gaslieferungen und EZB-Leitzinsentscheidung, haben am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag für einen volatilen Handel gesorgt. Letztlich schloss der Dax  mit einem Verlust von 0,27 Prozent auf 13.246 Punkte. Der MDax  der mittelgroßen Börsenunternehmen gab um 0,15 Prozent auf 26.656 Zähler nach. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  ging es um 0,31 Prozent auf 3596 Punkte nach oben. Der deutsche Leitindex und der europäische Index hatten am Nachmittag noch deutlich im Minus notiert.

Positive Impulse für den Markt lieferte am Morgen zunächst die Nachricht, dass wieder russisches Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 fließt. Am Nachmittag löste die deutliche Erhöhung der Leitzinsen in der Eurozone ein deutlich nervöses Auf und Ab aus. Die neuerliche Regierungskrise in Italien sorgte für zusätzliche Unsicherheit unter den Anlegern.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte angesichts der hohen Inflation die Leitzinsen von 0 Prozent auf 0,50 Prozent angehoben und damit deutlicher als viele erwartet hatten. Dieser erste Zinsschritt seit elf Jahren wurde am Markt überwiegend begrüßt. "Die EZB hat heute die Ära der Negativzinsen in Europa beendet", kommentierte Wolfgang Bauer, Fondsmanager im Public Fixed Income Team bei M&G Investments. Dass der Zinsschritt doppelt so stark ausgefallen sei wie im Juni angekündigt, sei ein Beleg für die Schwere der Inflationsdynamik und ein Beleg dafür, dass sich die Währungshüter der Eindämmung der Inflation verpflichtet fühlten. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass die EZB immer noch eine deutlich moderatere Geldpolitik betreibe als andere große Zentralbanken.

US-Aktienindizes uneinheitlich, Tesla-Aktie steigt deutlich

Die US-Börsen sind waren am Donnerstag mit leichten Verlusten in den Handel gestartet. Zum Handelsschluss in Europa notierten der Dow Jones mit 0,30 Prozent auf 31.722 Zähler leicht in der Verlustzone. Der Index für die Technologiewerte, der Nasdaq 100 war ins Plus gedreht und notierte 0,40 Prozent fester bei 11.945 Punkten.

Die Aktien von Tesla gewannen zuletzt fast 8 Prozent. Für das zweite Quartal berichtete der Elektroautobauer auch dank Preiserhöhungen trotz Corona-Lockdowns in China und Lieferketten-Problemen eine annähernde Verdoppelung des Quartalsgewinns, womit er die Analystenschätzungen übertraf. Zum Jahresauftakt war dieser zwar noch höher ausgefallen. Doch das Unternehmen rechnet mit einer "rekordbrechenden" zweiten Jahreshälfte.

SAP überzeugt Anleger offenbar nicht

Unter den Einzelwerten im Dax zog die Aktie von Europas größtem Softwarehersteller SAP Aufmerksamkeit auf sich. Sie büßte als drittschwächster Wert 2,8 Prozent ein. Im zweiten Quartal gingen die Ergebnisse wegen Russland und einem schwachen Lizenzgeschäft deutlich zurück. Für das Gesamtjahr strich das Management zudem seine Prognose für das operative Ergebnis zusammen.

Sartorius nach Zahlen mit Kurssprung

Der Pharma- und Laborausrüster Sartorius bleibt weiter auf Wachstumskurs. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten auch dank Übernahmen im Jahresvergleich um knapp 27 Prozent und übertraf die Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen bestätigte zudem den Jahresausblick. Die Sartorius-Papiere stiegen als Dax-Spitzenreiter um knapp 8 Prozent. Berenberg-Analyst Odysseas Manesiotis sprach von einem starken Zahlenwerk. Weiterhin beeindruckend sei vor allem die Sparte BPS.

Ausverkauf bei Hellofresh geht weiter

Für Hellofresh dagegen ging es um weitere 14,0 Prozent auf 25,74 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit April 2020 abwärts. Die goldenen Zeiten Ende des vergangenen Jahres, als die Aktie noch knapp unter 100 Euro notierte, sind vorbei. Nach der Umsatz- und Gewinnwarnung des Kochboxenlieferanten am Vortag folgten an diesem Donnerstag zahlreiche negative Analystenkommentare.

Uniper-Aktie auf Talfahrt

Bei den Aktienwerten stand Uniper erneut im Rampenlicht. Die staatliche Rettung des angeschlagenen Gas-Versorgers steht Insidern zufolge kurz bevor. Die Papiere rutschten dennoch um gut zehn Prozent ab, nachdem sie in den vorangegangen beiden Tagen zeitweise 34 Prozent zugelegt hatten. Auf der Verliererseite standen auch SAP. Nach einer Prognosesenkung fielen die Aktien des Softwareriesen um 2,8 Prozent. "Das Umsatz-Wachstum vor allem im wichtigen Cloud-Geschäft deutet aber darauf hin, dass das Geschäft im Großen und Ganzen gut läuft", sagte ein Börsianer.

Regierungskrise in Italien – Anleger werfen Bonds aus Depot

Verkompliziert wurden die Aussichten vom Bruch der Regierungskoalition in Italien. Anders als vor einer Woche werde Staatspräsident Sergio Mattarella das Rücktrittsangebot von Ministerpräsident Mario Draghi diesmal wohl annehmen, prognostizierte Commerzbank-Analyst Marco Wagner. Er rechne für September oder Oktober mit Neuwahlen. "Damit dürfte der Antrieb für die Reformen, die Draghi auf den Weg gebracht hat, weitgehend dahin sein."

Daher warfen Investoren italienische Staatsanleihen in hohem Bogen aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bonds zeitweise auf ein Vier-Wochen-Hoch von 3,752 Prozent. Dies setzte den italienischen Banken zu, die traditionell viele dieser Papiere halten. Der Mailänder Branchenindex rutschte um drei Prozent ab.

Das von der EZB vorgestellte Anti-Fragmentierungstool TPI, das ein Auseinanderlaufen der Bond-Renditen einzelner Euro-Staaten verhindern soll, bremste den Ausverkauf italienischer Anleihen vorerst nicht. Es sei zwar erfreulich, dass unbegrenzte Wertpapierkäufe möglich seien, sagte Paul Diggle, leitender Ökonom beim Vermögensverwalter abrdn. Es bleibe aber unklar, ob die Regierungskrise in Italien eine 'unerwünschte, ungeordnete Marktdynamik' sei, die den Einsatz des TPI rechtfertige.

Ölpreise deutlich schwächer, WTI unter 100 US-Dollar

Die Ölpreise sind am Donnerstag unter Druck geblieben. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  103,88 US-Dollar. Das waren 3,05 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 3,68 Dollar auf 96,20 Dollar.

Druck erzeugten unter anderem Lagerdaten aus den USA. Am Mittwochn hatte das Energieministerium einen deutlichen wöchentlichen Aufbau der Benzinvorräte gemeldet. Die Zahlen sprechen für einen etwas schwächeren Benzinverbrauch in den USA, was eine Folge der gestiegenen Preise sein könnte. Zudem schürten die steigenden Corona-Infektionen in China die Sorge, dass die Nachfrage in dem wichtigen Verbrauchsland sinken könnte.

Grundsätzlich sind die Erdölpreise in den vergangenen Wochen durch die Aussicht auf wirtschaftlichen Gegenwind und eine vielerorts straffere Geldpolitik belastet worden. Erst am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank die Zinsen überraschend deutlich angehoben.

Die Ölpreise bewegen sich aber immer noch auf hohem Niveau. Seit Jahresbeginn haben sie wegen des Ukraine-Kriegs und Sanktionen westlicher Staaten gegen Russland deutlich zugelegt.

Bitcoin gibt leicht nach

Die Digitalwährung Bitcoin ist nach ihrer jüngsten Erholung wieder unter Druck geraten. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 22.931 US-Dollar. Das waren 3 Prozent weniger als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

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Mit Nachrichtenagenturen
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