Börse Dax schließt leicht im Minus, Wall Street stützt

Anleger erwarten, dass die Fed am Mittwoch die Zinsen erhöht. Am Nachmittag grenzt der Dax seine Verluste ein, denn die US-Börsen sorgen für bessere Stimmung.
Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Der Dax verringert seine Verluste

Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Der Dax verringert seine Verluste

Foto: MAXIMILIAN VON LACHNER / EPA

Der Dax hat am Dienstag knapp unter seinem Vortagesniveau geschlossen und damit seine Tagesverluste deutlich verringert. Unterstützung erhielt der deutsche Leitindex vor allem von den US-Börsen, die angesichts weiter spürbar rückläufiger Ölpreise kräftig zulegten.

Mit einem kleinen Minus von 0,09 Prozent auf 13.917 Punkten ging der deutsche Leitindex aus dem Handel. Der MDax verlor 0,56 Prozent auf 30 354 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zeigte sich ähnlich stabil wie der Dax mit einem Minus von 0,08 Prozent auf 3738 Zähler. In Paris und London fielen die Verluste ein wenig höher aus. In den USA legten zum europäischen Börsenschluss der Dow Jones Industrial um 1,4 Prozent zu und die technologielastige Nasdaq-Börse sogar um rund 2,5 Prozent.

Belastend für Europas Börsen und damit auch für den Dax bleibt nach wie vor der Krieg in der Ukraine. Er dürfte auch weiterhin für kräftige Kursschwankungen sorgen. Doch nach wie vor überwiegen die vorsichtigen Hoffnungen der Anleger, denn die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine laufen weiter.

Dax

Fed steht vor der Zinswende

Die Börsianer bereiten sich darauf vor, dass die US-Notenbank den Leitzins am Mittwoch um einen Viertel Prozentpunkt anhebt. "Alles andere wäre eine Überraschung", sagte Jens Franck, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters NordIX. Daher würden Investoren die anschließenden Äußerungen des Fed-Chefs Jerome Powell auf die Goldwaage legen. "Insbesondere neu hinzukommende Inflationsrisiken, die sich im Zuge der aktuellen geopolitischen Situation gebildet haben, und Risiken für die konjunkturelle Entwicklung dürften durchaus von Belang sein."

Luxusgüter-Hersteller unter Druck

Die Sorgen seien aber unbegründet, da die Regierung in Peking bei ihrer Pandemie-Bekämpfung Erfolge vorzuweisen habe, gab Anlage-Experte Ben Sheehan vom Vermögensverwalter abrdn zu bedenken. "Während der Konsum aufgrund der ständigen Abriegelungsmaßnahmen mit Gegenwind zu kämpfen hatte, blieb die Industrieaktivität robust, und China konnte seiner Rolle als verlässlicher Partner im globalen Handel treu bleiben."

Europäische Luxusgüter-Hersteller gerieten wegen der Lockdowns in China allerdings unter die Räder. Für sie ist das Land einer der wichtigsten Absatzmärkte. Die Aktien von LVMH, Kering und Richemont gaben bis zu zwei Prozent nach.

Fraport deutlich schwächer, Wacker Chemie gefragt

Bei den deutschen Aktienwerten stach Fraport mit einem Minus von 6 Prozent heraus. Die Zahlen des Flughafenbetreibers für 2021 hätten zwar positiv überrascht, kommentierte DZ Bank-Analyst Dirk Schlamp. Der Ausblick enttäusche aber. Die Titel von Wacker Chemie legten dagegen 5,1 Prozent zu, obwohl der Spezialchemiekonzern vor einem Rückgang des operativen Gewinns auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro warnte, Der Mittelwert daraus liege aber über den Markterwartungen, gab Analyst Markus Mayer von der Baader Helvea Bank zu bedenken.

Die Hoffnung auf eine Annäherung der beiden Kriegsparteien hatte dem Dax noch am Vortag einen starken Wochenstart beschert. Dabei hatte der deutsche Leitindex sich kurzzeitig sogar der Marke von 14.100 Punkten angenähert und sich damit seit dem bisherigen Krisentief im Ukraine-Krieg vor einer Woche bei 12.438 Punkten um gut 13 Prozent erholt.

US-Börsen im Plus – Zinswende erwartet

Einen Tag vor der erwarteten Zinserhöhung der Notenbank Fed decken sich Anleger mit US-Aktien ein. Sie hofften auf eine Waffenruhe in der Ukraine und reagierten erleichtert auf den nachlassenden Preisdruck durch den Rückgang der Energiepreise. Sorgen bereitete ihnen allerdings das Wiederaufflackern der Pandemie in China.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 stiegen am Dienstag um jeweils knapp 1,5 Prozent auf 33.357 beziehungsweise 4231 Punkte. Der technologielastige Nasdaq legte fast zwei Prozent zu.

An der Börse gilt als sicher, dass die Fed den Schüsselsatz am Mittwoch um einen Viertel Prozentpunkt anheben wird. "Wir reden schon etwa ein Jahr lang über Zinserhöhungen", sagte Christopher Grisanti, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters MAI. "Es ist gut für den Markt, dass sie endlich kommt und wir sie hinter uns bringen." Er hoffe darauf, dass die Notenbanker bei aller Sorge um die Inflation für die kommenden Monate eine behutsame Straffung der Geldpolitik signalisieren.

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US-Airlines gefragt

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählten American Airlines, Delta und United, deren Titel sich um bis zu zehn Prozent verteuerten. Einige Fluggesellschaften hatten dank einer robusten Nachfrage ihre Umsatzprognosen angehoben. Dies gleiche die gestiegenen Treibstoffpreise aus, schrieb Analystin Sheila Kahyaoglu von der Investmentbank Jefferies. Außerdem traue sie vor allem Delta zu, höhere Kosten an die Kunden weitergeben zu können.

Bitcoin knapp über 39.000 Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin pendelt weiter unter der Marke von 40.000 US-Dollar. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Kryptowährung zuletzt etwas schwächer bei 39.160 US-Dollar. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben Cyberdevisen wieder zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt. Mitte vergangener Woche notierte der Bitcoin allerdings noch bei 44.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben weiter deutlich nach

Am Rohölmarkt erwarteten Investoren vor diesem Hintergrund auch einen Dämpfer für die Nachfrage. Zugleich nahm die Furcht vor Liefer-Ausfällen ab, was den Ölpreis weiter drückte. Brent  -Öl aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu 6,4 Prozent auf 100,05 Dollar pro Barrel. Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel erstmals seit Anfang März wieder unter die 100-Dollar-Marke und gab rund sechs Prozent auf 96,89 Dollar je Barrel nach.

Brent

Schon am Vortag waren die Ölpreise deutlich gefallen. Von ihren mehrjährigen Höchstständen, die sie im Zuge des Ukraine-Kriegs vor gut einer Woche markiert hatten, haben sich die Preise mittlerweile deutlich entfernt. Ein Fass Brent hatte in der Spitze rund 139 Dollar gekostet, ein Fass WTI war bis zu rund 130 Dollar wert gewesen.

Mit Nachrichtenagenturen