Wochenausblick Börse Dax-Anleger wägen eine Jahresendrallye ab – trägt die Kauflaune?

Nachdem der Dax sein diesjähriges Minus reduziert hat, rückt die Frage nach einer Weihnachtsrally in den Mittelpunkt. Wichtig für die Geldpolitik nächste Woche wird das erwartete Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed, der Ifo-Geschäftsklimaindex sowie diverse Einkaufsmanagerindizes.
Stimmungsmäßig ist der Knoten an der Börse momentan geplatzt

Stimmungsmäßig ist der Knoten an der Börse momentan geplatzt

Foto: Brendan McDermid / REUTERS

In den kommenden Tagen rückt die Frage nach einer Weihnachtsrally bei Anlegern in den Mittelpunkt. Nachdem der Dax  sein diesjähriges Minus von bis zu einem Viertel auf unter zehn Prozent reduziert hat, könnte die Stimmungslage dafür sprechen, dass das Jahresminus noch weiter eingegrenzt wird. Der diesjährige Abwärtstrend gilt aus technischer Sicht seit einigen Tagen als nach oben durchbrochen und zum 200-Tage-Durchschnitt hat sich der Leitindex ein komfortables Polster angelegt. Die Indikatorlinie war im November zu Zeiten des Ukraine-Kriegs erstmals wieder überschritten worden. Sie gilt als mittelfristiger Trendgeber.

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"Die Krisen, die die Finanzmärkte seit langem belasten, sind zwar noch nicht gelöst", schrieb der Kapitalmarktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. Stimmungsmäßig sei der Knoten aber geplatzt. Es gebe zwar kurzfristig Signale einer Überhitzung, sodass vorübergehende Rücksetzer möglich seien. "Nach rund 20 Prozent Kursplus in sieben Wochen ist eine Konsolidierung aber nichts Ungewöhnliches und sogar gesund." Laut Halver spricht für eine Jahresendrally, dass bei Investoren noch viel Geld im Seitenaus geparkt sei.

Andererseits wurde mit dem Anstieg aber auch schon ein gewisser Optimismus eingepreist, den die harten Fakten noch nicht widerspiegeln. Die Inflation bleibt hoch und die Zinsen werden zunächst weiter steigen, da sind sich die Experten einig. Was bleibt sind Zweifel, ob der geldpolitische Zinsgipfel wie erhofft bald erreicht ist. "Eine schlechte Nachricht oder enttäuschende Zahl könnte deshalb in den kommenden Tagen das Ventil sein, um etwas von der heißen Luft aus den Kursen wieder entweichen zu lassen", warnt Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.

Richtungsweisend: Sitzungsprotokoll der Fed, Ifo-Geschäftsklima und Einkaufsmanagerindizes

Das am Mittwoch erwartete Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed dürfte vor diesem Hintergrund einmal mehr kritisch auf mögliche Signale der Notenbanker abgeklopft werden. Im Dezember steht ein Zinsentscheid in diesem Jahr noch aus. Richtungweisend für die Geldpolitik und damit auch für die Aktienmärkte könnten im Laufe der Woche auch diverse Einkaufsmanagerindizes und das Ifo-Geschäftsklima in Deutschland werden. Die Berichtssaison der Unternehmen ist unterdessen überwiegend gelaufen, hier dürften die Schlagzeilen deutlich weniger werden.

Geht es nach der Helaba, wird in den kommenden Tagen aber auch die Erkenntnis sehr wichtig, wie die US-Verbraucher im Weihnachtgeschäft auf die hohen Preissteigerungen reagieren. "Die Berichtswoche dürfte davon geprägt sein, ob die Amerikaner nach den hohen Kosten für ihr Thanksgiving-Essen noch Mittel übrig haben", schrieb Claudia Windt von der hessisch-thüringischen Landesbank.

Wenn am Donnerstag in den USA der Handel pausiert wegen Thanksgiving, bedeutet das für viele US-Anleger ein langes Wochenende, weil auch am Freitag an der Wall Street nur verkürzt gehandelt wird. Damit bleibt am "Black Friday" Zeit, um das Weihnachtsgeschäft einzuläuten. Es könnte an diesem Tag nach zwei von Corona geprägten Jahren wieder befreiter zugehen, wenn da nicht das Dauerthema Inflation und die Frage nach den Auswirkungen auf das Konsumverhalten wäre.

Moderate Gewinne an der Wall Street

Die Wall Street hat am Freitag moderate Gewinne verbucht. Die überwiegend mit Technologieaktien bestückten Nasdaq-Börsen hielten sich stabil. Ein Ausbruch aus der seit einer Woche laufenden Seitwärtsbewegung gelang damit nicht. Die Mitte Oktober gestartete Rally stockt nach wie vor und den Aktienmärkten fehlt eine klare Richtung. Wesentlicher Impulsgeber bleibt damit die Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Vor allem Aussagen von Fed-Mitgliedern hatten die Stimmung zuletzt gedämpft. Auch Chinas Umgang mit der Corona-Pandemie hat das Potenzial, die Märkte in die eine oder andere Richtung zu schicken.

Der Dow Jones Industrial beendete den Handel mit plus 0,59 Prozent auf 33 745,69 Punkte und hielt sich damit auf dem Niveau von vor einer Woche. In den vier Wochen zuvor war der bekannteste Wall-Street-Index in Summe um fast 20 Prozent hochgeschnellt.

Der S&P 500 schloss am Freitag 0,48 Prozent höher auf 3965,34 Zählern. Der Nasdaq 100 hielt sich mit 11 677,02 Punkten auf Vortagesniveau. Auf Wochensicht bedeutet das einen Verlust von 1,2 Prozent. Ihm hatte die vorangegangene Rally seit dem Tief Mitte Oktober in der Spitze ein Plus von 15 Prozent beschert.Börsen in Asien gaben nach

Börsen in Asien gaben nach

Die wichtigsten Börsen Asiens haben am Freitag nachgegeben. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten chinesischen Unternehmen an den Festlandbörsen fiel zuletzt um 0,2 Prozent und der Hang-Seng-Index in der Sonderverwaltungszone Hongkong sank um ein halbes Prozent. In Japan schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  0,1 Prozent tiefer. Moderate Gewinne gab es in Australien.

Bitcoin unter Druck

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 16,618 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise

Die Ölpreise haben am Freitag an die jüngsten Verluste angeknüpft und sind nach einem verhaltenen Start erneut abgesackt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete 87,30 US-Dollar. Das waren 2,48 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 2,36 Dollar auf 79,30 Dollar. Die Preise für beide Ölsorten rutschten damit auf das Niveau von Anfang Oktober ab.

Am Donnerstag war die Notierung für Rohöl aus der Nordsee bereits deutlich gefallen und erstmals seit Oktober unter die Marke von 90 Dollar gerutscht. Ein starker Dollar, Rezessionsgefahren in den USA und steigende Corona-Fälle in China hatten die Ölpreise in der Spitze mehr als 3 Dollar nach unten gedrückt.

Mit Nachrichtenagenturen
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