Börse Inflationssorgen lasten auf Dax

Die Furcht vor einem wirtschaftlichen Rückschlag durch anziehende Inflation setzt den Aktienmärkten zu. Der starke Anstieg des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt, kann das Minus im Dax begrenzen.
Händlerin an der Frankfurter Börse: Bleibt der Bullenmarkt erhalten - trotz der jüngsten Inflationssorgen?

Händlerin an der Frankfurter Börse: Bleibt der Bullenmarkt erhalten - trotz der jüngsten Inflationssorgen?

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der Dax hat am Montag einen sehr schwachen Wochenauftakt weitgehend abgewendet. Im Frühhandel war er um mehr als 1 Prozent bis an die Marke von 13.800 Punkte abgesackt, dann aber half ihm ein erfreulicher Ifo-Index wieder auf die Beine. Mit einem Schlussstand von 13.950 Punkten reduzierte der Leitindex sein Minus letztlich auf 0,31 Prozent.

Dax

Kopfschmerzen bereitete Investoren der Ausverkauf an den Anleihemärkten, der im Gegenzug die Renditen und damit die Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen in die Höhe trieb. Die weltweit richtungsweisenden zehnjährigen US-Bonds rentierten mit plus 1,394 Prozent so hoch wie zuletzt vor rund einem Jahr. Die Rendite ihrer deutschen Pendants markierte mit minus 0,278 Prozent zeitweise den höchsten Stand seit achteinhalb Monaten. Das Bekenntnis der Europäischen Zentralbank zu ihren Anleihekäufen ließ Investoren aber aufatmen. EZB-Chefin Christine Lagarde betont, ihr Haus beobachte die Entwicklung der Bond-Renditen genau und werde weiter günstige Finanzierungsbedingungen für alle Sektoren sichern. Am Abend rentierten die Bundesanleihen bei minus 0,342 Prozent.

Steigende Rohstoffpreise schüren Inflationsängste

"Die Inflation wird von zwei Faktoren getrieben", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Der erste sei die ultra-lockere Geldpolitik der Notenbanken und der zweite die steigenden Preise für Rohstoffe, vor allem Öl. Die Sorte Brent aus der Nordsee gewann 2,5 Prozent auf 64,50 Dollar je Barrel (159 Liter) und war damit rund 70 Prozent teurer als Anfang November 2020.

Spekulationen auf eine anziehende Nachfrage des weltgrößten Abnehmers China hievte den Preis für das Industriemetall Kupfer auf ein Neuneinhalb-Jahres-Hoch von 9269,50 Dollar je Tonne. Das auch als Inflationsschutz dienende Gold rückte 1,5 Prozent auf 1809 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) vor.

Für bessere Stimmung an den Aktienmärkten sorgte wohl auch die Nachricht, dass die Stimmung in den deutschen Unternehmen im Februar trotz der Corona-Beschränkungen den höchsten Stand seit Oktober erreichte. Als Stütze kam hinzu, dass die britische Regierung einen Fahrplan zur Lockerung der Corona-Maßnahmen vorstellte.

In der zweiten Börsenreihe fiel das Minus am Ende wegen der Zusammensetzung der Index schwerwiegender aus. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen büßte 1,11 Prozent auf 32.024 Punkte ein. Auf europäischer Bühne gab der EuroStoxx 50  um 0,37 Prozent auf 3699 Punkte nach. Die Leitindizes in Paris und London schlossen ebenfalls etwas leichter. In New York holte der Dow Jones Industrial seine frühen Verluste bis zuletzt auf, Tech-Werte blieben dort aber unter Druck.

Unter den Einzelwerten am Aktienmarkt büßten im Dax die Continental -Papiere knapp 2Prozent ein und zählten damit zu den schwächsten Werten. Wegen eines Verlustes auf Konzernebene will der Autozulieferer und Reifenhersteller für das Corona-Jahr 2020 keine Dividende zahlen. Analysten sahen in dem Schritt vor allem ein Zugeständnis an die Belegschaft wegen geplanter Werksschließungen.

Delivery-Aktie rutscht fast 7 Prozent ab

Schlusslicht unter den 30 Dax-Titeln waren aber Delivery Hero  mit einem Abschlag von 6,8 Prozent. Der Kursrutsch bei dem Essenslieferdienst ging einher damit, dass bisher in der Pandemie als Krisengewinner geltende Aktien im größeren Stil abgestoßen wurden.

Umgekehrt waren bislang große Corona-Verlierer in der Hoffnung auf Lockerungen sehr gefragt, allen voran betraf dies den von der Krise schwer gebeutelten Reisesektor. Im MDax folgten Fraport  und Lufthansa  dem um bis zu 3,5 Prozent nach oben. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Montag einen Fahrplan zum schrittweisen Aufheben des Lockdowns in Großbritannien vorgestellt.

Auch die Airbus -Aktien profitierten mit einem Anstieg um 4,4 Prozent von dem Optimismus in der Reisebranche. Varta indes litten im MDax unter negativen Analystenurteilen, sie büßten als größter Index-Verlierer 10,7 Prozent ein.

Euro legt zu

USD/EUR

Der Euro legte angesichts der robusten Ifo-Daten zu, die Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,2150 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2133 (Freitag: 1,2139) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8242 (0,8238) Euro. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,37 Prozent am Vortag auf minus 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,09 Prozent auf 144,80 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,40 Prozent auf 174,69 Punkte zu.

Im Auge behalten die Investoren auch Bitcoin, nachdem die Cyberdevise erneut eine Schallmauer durchbrochen hatte. Am Freitag waren laut Datenanbieter Coinmarketcap alle im Umlauf befindlichen Bitcoin zusammen erstmals mehr als eine Billion Dollar wert gewesen. Einige Investoren beim "digitalen Gold" zu und verhalfen der ältesten und wichtigsten Cyber-Devise zu einem Rekordhoch von 58.445,23 Dollar. Einsetzende Gewinnmitnahmen drückten den Kurs bis zum Abend auf 53.492 Dollar. "Ein Ende der Rally bedeutet dies aber nicht", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Schnäppchenjäger könnten die Gunst der Stunde nutzen.

mit Nachrichtenagenturen
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