Kaufrausch an der Börse Europas Aktienmärkte auf Rekordjagd, Tesla-Aktie über 1000 Euro

An der Wall Street fallen symbolträchtige Rekorde, auch der deutsche Aktienmarkt verbucht ein sattes Plus. Die Tesla-Aktie übersteigt 1000 Euro.
Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Die Rekordjagd geht weiter

Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Die Rekordjagd geht weiter

Foto: Frank Rumpenhorst / picture-alliance/ dpa

Rekordjagd an der Börse: Das Ende des Zollstreits zwischen den USA und der EU hat dem Dax  am Montag einen starken Start in den Monat November beschert. Mit einem Plus von 0,75 Prozent auf 15.806,29 Zähler ging der Leitindex aus dem Handel. Seit seinem Zwischentief vor knapp vier Wochen hat er damit inzwischen wieder fast 1000 Punkte gewonnen. In der Spitze war es für das deutsche Börsenbarometer am Morgen bis knapp unter 15.850 Punkte hochgegangen. Da fehlten keine 200 Punkte mehr bis zu seinem Rekordhoch, das vor zweieinhalb Monaten erreicht wurde. Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel gewann zum Wochenauftakt 0,8 Prozent auf 35.117,27 Punkte. Der EuroStoxx 50  gewann 0,7 Prozent auf 4280,47 Punkte. Er festigte damit seinen höchsten Stand seit 2008.

Dax

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An der Wall Street fielen mehrere Rekordmarken. Der Dow Jones Industrial  schaffte es im Frühhandel erstmals kurz über die Marke von 36.000 Punkten. "Dow 36.000" war der Titel eines 1999 erschienen und viel geschmähten Buchs zum Börsenhype der Dotcom-Blase. Die Autoren sagten damals den heute erreichten Punktestand des New Yorker Leitindex voraus, allerdings innerhalb weniger Jahre. Aktien seien risikolos und müssten daher ebenso wie Staatsanleihen bewertet werden, argumentierten Kevin Hassett (später Wirtschaftsberater unter Präsident Trump) und James Glassman. Sobald sich die Erkenntnis durchsetze, würden die Kurse sich vervierfachen - tatsächlich stürzten sie aber kurz nach Erscheinen des Buchs ab. Dass die symbolische Marke nun erreicht wurde, sorgte für viele meist ironische Kommentare. Zuletzt lag der Dow Jones noch 0,1 Prozent im Plus bei 35.865 Punkten.

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Auch der breiter gefasste S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq erreichten im frühen Handel neue Rekordwerte, traten dann aber auf der Stelle oder drehten ins Minus. Der Fokus der Anleger liegt Händlern zufolge auf der bevorstehenden Fed-Sitzung, bei der die Zentralbank voraussichtlich die Reduzierung ihres monatlichen Anleihekaufprogramms ankündigen wird. Diese im Fachjargon als Tapering bekannte Operation zum Herunterfahren der Anleihenkäufe markiert eine geldpolitische Trendwende, die an den Finanzmärkten bereits Spekulationen auf eine Zinserhöhung im nächsten Jahr auslöste.

Die Einigung zwischen der EU und den USA im Streit um Stahl- und Aluminiumimporte ermunterte Anleger zum Einstieg in den Sektor. Ohne diese wären zum 1. Dezember Strafzölle auf US-Produkte wie Whiskey oder Motorräder fällig geworden. Die Titel von Harley-Davidson zogen um mehr als zehn Prozent an.

Die vorläufige Zulassung des Coronavirus-Impfstoffs von Novavax in Indonesien bescherte der Pharmafirma einen Kurssprung. Die Aktien stiegen um mehr als 13 Prozent. Indonesien ist das erste Land, dass dieses Serum freigibt. Novavax-Chef Stanley Erck erklärte, er rechne mit weiteren Zulassungen in Ländern wie Indien oder Philippinen binnen Wochen. In Kanada und Europa liefen ebenfalls Zulassungsverfahren, mit der US-Behörde FDA sei man im Dialog über einen baldigen Start.

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Nasdaq

Tesla-Aktie über 1000 Euro

Stärkster Treiber im Nasdaq-Index war erneut die Aktie von Tesla . Das Papier des Elektroauto-Pioniers kletterte um weitere mehr als 6 Prozent nach oben auf 1190 Dollar. Auch in Euro gerechnet, wurde damit ein vierstelliger Wert erreicht: 1027 Euro. Laut dem "Bloomberg Billionaires Index"  wuchs das Vermögen des Tesla-Chefs und -Großaktionärs Elon Musk (50) um gut neun Milliarden auf 311 Milliarden Dollar. Damit führt Musk die globale Reichstenliste mit mehr als 100 Milliarden Dollar Abstand vor Amazon-Gründer Jeff Bezos an. Musk stritt sich am Sonntag auf Twitter mit David Beasley, dem Leiter des UN-Welternährungsprogramms. Beasley hatte erklärt, Musk und andere Milliardäre könnten einmalig sechs Milliarden Dollar spenden und damit 42 Millionen Menschen vor dem Verhungern retten. Musk entgegnete nun, er würde sofort Tesla-Aktien im Wert von sechs Milliarden Dollar verkaufen, wenn man ihn überzeuge, dass damit der Welthunger zu beseitigen sei - gab sich mit Beasleys Erklärungen aber nicht zufrieden.

Tesla

Starkes Plus für Hapag-Lloyd und Eventim

Im Dax hatten waren die Papiere von Siemens Healthineers Spitzenreiter mit plus 2,7 Prozent. Der Medizintechnikkonzern und Dax-Neuling legt an diesem Donnerstag seine Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vor. Am Markt sind Experten positiv gestimmt, und das nicht nur für einen guten Jahresabschluss, sondern auch für das neue Geschäftsjahr.

Die Aktien von Hapag-Lloyd sprangen nach einer am Freitagnachmittag deutlich angehobenen Prognose für den Jahresgewinn um 6,9 Prozent hoch. Reedereiwerte präsentierten sich insgesamt stark. Auch die Anteilscheine des dänischen Konkurrenten Møller-Mærsk waren gefragt, ebenso die Titel des Hamburger Hafenlogistikers HHLA, die um 2,1 Prozent stiegen. Laut Deutsche-Bank-Analyst Andy Chu dürfte für die Branche auch 2022 ein hervorragendes Jahr werden. Die durchschnittlichen Frachtraten könnten nochmals deutlich anziehen.

In den Blick gerieten auch die Anteile von CTS Eventim, die um 5,6 Prozent stiegen und sich damit ihrem Rekordhoch von 67,72 Euro aus der zweiten Oktober-Hälfte wieder stark annäherten. Laut Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect profitiert die Aktie von der Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität, was Großveranstaltungen betreffe. "Die Ticketverkäufe für 2022 haben begonnen, und CTS Eventim ist hierzulande der einzige Wert aus der Branche, auf den da gesetzt werden kann."

Euro unter 1,16 Dollar

Der Euro wurde am frühen Abend mit 1,1594 US-Dollar gehandelt. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1578 (Freitag: 1,1645) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8637 (0,8587) Euro. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,22 Prozent am Freitag auf minus 0,21 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,08 Prozent auf 143,41 Punkte. Der Bund-Future stieg zuletzt um 0,01 Prozent auf 168,39 Punkte.

Erdgas wird wieder teurer

Nervosität herrschte unterdessen an den Rohstoffmärkten. So stieg der Kurs des europäisches Erdgas-Terminkontrakts um 15 Prozent auf 74,35 Euro je Megawattstunde, bevor er nachmittags unter 62 Euro sank und sich zuletzt über 68 Euro stabilisierte. Auslöser der Rallye war, das Daten am Messpunkt Mallnow zufolge seit Samstag kein Erdgas mehr durch die russische Jamal-Pipeline kommt, die durch Polen führt. Der russische Gaskonzern Gazprom reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage dazu. Gazprom hatte am Samstag erklärt, alle Anfrage der Kunden seien erfüllt worden. Auch Polen hatte erklärt, die Verträge würden eingehalten.

Ölpreise legen etwas zu

Die Ölpreise sind am Montag mit Aufschlägen in die neue Handelswoche gegangen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Januar 84,72 US-Dollar. Das war genau ein Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Lieferung im Dezember stieg um 75 Cent auf 84,32 Dollar.

Brent

Marktbeobachter begründeten den freundlichen Wochenauftakt mit der guten Stimmung an den Aktienmärkten. Andere riskante Anlageklassen wie Rohstoffe profitierten davon. Hinzu kam ein deutlich schwächerer US-Dollar. Das in der amerikanischen Währung gehandelte Erdöl wurde somit günstiger für Interessenten außerhalb des Dollarraums. Die Nachfrage von dort stieg infolgedessen.

Am Markt wurde auch auf die Treibstoffreserven in China verwiesen, die zuletzt gesunken waren. Das Land könnte stärker am Ölmarkt zukaufen, um die Reserven wieder aufzufüllen, hieß es. Dies habe den Ölpreisen zusätzlichen Auftrieb verliehen.

Mit Nachrichtenagenturen
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