Börsenschluss Maue US-Börsen machen Dax-Erholung zunichte

Ein durchwachsener US-Handelsauftakt beendete den Erholungsversuch am deutschen Aktienmarkt. Der Dax und der Bitcoin schlossen leicht im Minus. Deutlich zugelegt hat dagegen die Inflationsrate, der Ölpreis - und Biontech.
Auf und Ab: An der Börse ist es im September unruhiger geworden

Auf und Ab: An der Börse ist es im September unruhiger geworden

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Ein durchwachsener Handelsauftakt an der Wall Street hat am Freitag dem jüngsten Erholungsversuch am deutschen Aktienmarkt ein Ende gesetzt. Der Dax , der noch im Tagesverlauf Gewinne verbuchen konnte, fiel am Abend im Einklang mit dem US-Leitindex Dow Jones Industrial ins Minus. Zum Schlussgong stand das wichtigste deutsche Börsenbarometer mit einem moderaten Abschlag von 0,09 Prozent bei 15.609,81 Zählern.

Dax

Nach schwierigen und von Konjunktursorgen geprägten fünf Handelstagen kommt der Dax damit auf einen Wochenverlust von etwas mehr als ein Prozent. Die Anleger seien zunehmend über die Wachstumsaussichten besorgt sowie über die Auswirkungen, die anhaltende Preissteigerungen und Unterbrechungen der Lieferketten auf das Ausgabeverhalten und die Löhne haben könnten, schrieb Michael Hewson von CMC Markets. "Auch die steigenden Energiepreise geben Anlass zur Sorge."

Der MDax  mit den mittelgroßen deutschen Börsenwerten ging am Freitag ebenfalls mit einem kleinen Verlust von 0,08 Prozent auf 36.092,12 Punkten in das Wochenende.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Inflationsrate in Deutschland auf 28-Jahres-Hoch

Unterdessen ist die Inflationsrate in Deutschland mit 3,9 Prozent im August auf den höchsten Stand seit fast 28 Jahren gestiegen. Volkswirte erwarten in den nächsten Monaten weiter steigende Teuerungsraten, werten den Anstieg der Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft aber als vorübergehendes Phänomen.

Aus Branchensicht waren am Freitag Technologiewerte besonders gefragt, während Aktien aus dem Telekommunikationssektor am meisten gemieden wurden.

Bei der Deutschen Telekom wich die erste Freude über einen Deal mit dem japanischen Softbank-Konzern der Ernüchterung. Seit dem ersten Sprung nach oben am Dienstag geht es kontinuierlich bergab. Am Freitag verloren die Papiere weitere 1,8 Prozent und erreichten mit 17,37 Euro ein Tief seit fünf Wochen.

FMC kräftig im Minus, Biontech steigt wegen Kinder-Impfungen

Ein negativer Analystenkommentar drückte die Aktien von Fresenius Medical Care  ans Dax-Ende. Die Aktien fielen um 4,8 Prozent auf 61,78 Euro, den tiefsten Stand seit mehr als fünf Monaten. Sollte die Zahl an Covid-19-Toten im zweiten Halbjahr höher ausfallen als bislang angenommen, werde das die Umsatzprognose des Konzerns belasten, sagten die Analysten von JP Morgan. Dialysepatienten sind besonders anfällig für Covid-19. Die Titel des Mutterkonzerns Fresenius gaben anderthalb Prozent nach.

Aktien des Impfstoffherstellers BioNTech stiegen um 2,5 Prozent. Der Pharmakonzern treibt den Einsatz seines Corona-Impfstoffs auch für jüngere Kinder voran. Schon ab Mitte Oktober könnten in Deutschland die ersten Kinder unter zwölf Jahren mit dem Mittel geimpft werden, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten redaktionellen Fassung eines Interviews der BioNTech-Mitgründerin und Medizin-Vorständin Özlem Türeci mit dem "Spiegel".

US-Börsen können Gewinne nicht halten - Biden telefoniert mit Xi Jinping

An der Wall Street konnten Dow Jones & Co ihre anfänglichen Kursgewinne am Freitag nicht halten. Die im August etwas stärker als erwartet angezogene Teuerung ließ Händlern zufolge wieder Inflationssorgen aufkommen.

Als gutes Zeichen werteten die Investoren hingegen die erste direkte Kontaktaufnahme von US-Präsident Joe Biden mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping seit fast sieben Monaten. Das könne als eine Annäherung im Handelsstreit der beiden Nationen gewertet werden, sagten Börsianer. Positiv stimmte die Anleger zudem, dass die Europäische Zentralbank das Tempo ihrer Krisen-Anleihenkäufe nur moderat verringern will.

Eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Notfall-Programms fällten die Euro-Wächter noch nicht. "Dieses äußerst vorsichtige Vorgehen zeigt, dass die Börsianer von der EZB auf absehbare Zeit nicht mit all zu viel Gegenwind rechnen müssen", prognostizierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte PEPP-Programm ist eines der Hauptinstrumente der EZB, um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Corona-Krise zu stützen.

Nasdaq

Bitcoin verbilligt sich moderat

Bitcoin verbilligte sich auf der Plattform Bitstamp  um 1,7 Prozent auf 45.403 Dollar. "Die Anleger zeigen sich angesichts einer turbulenten Woche müde und erschöpft", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Am Dienstag hatte El Salvador die Kryptowährung als erstes Land zum offiziellen Zahlungsmittel gemacht, begleitet von Protesten und technischen Störungen auf Handelsplattformen. Das habe sich als "Eigentor" für die Branche entpuppt, hieß esZeitweise hatte Bitcoin so viel verloren wie seit dem Börsen-Crash von März 2020 nicht mehr, auf Wochensicht betrug das Minus rund zehn Prozent. "Es ist und bleibt eine Handelswoche des Grauens", sagte Emden. Regulierer könnten sich gezwungen seien, härter durchzugreifen. "Es drohen weitere Verluste."

Bitcoin

Für Unruhe am Kryptomarkt sorgt auch, dass die US-Börsenaufsicht SEC mit einer Klage gegen die Kryptowährungsbörse Coinbase droht. Auslöser des Streits ist ein geplantes Coinbase-Programm, in dessen Rahmen Eigner von Bitcoin & Co diese gegen Zinsen verleihen. Die Behörde betrachtet ein solches Angebot den Angaben zufolge als Wertpapier. Coinbase verschob daraufhin den Start seines "Lend"-Programms.

Ölpreise steigen - China greift auf Reserven zurück

An den Rohstoffmärkten verteuerte sich die Öl-Sorte Brent um rund zwei Prozent auf 72,85 Dollar je Barrel. Versorgungsengpässe durch den Wirbelsturm "Ida" halfen den Preisen nach oben. Wegen Verzögerungen beim Wiederhochfahren der Ölförderung müsse auch in den kommenden Wochen mit einem eingeschränkten Angebot gerechnet werden, sagt Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates.

Brent

Unterstützung erhielten die Erdölpreise vor dem Wochenende durch den US-Dollar, der etwas schwächer tendierte. Ein fallender Dollarkurs sorgt häufig für eine stärkere Nachfrage aus Ländern, die nicht in der US-Währung bezahlen. Rohöl wird international in Dollar gehandelt. Auch von der guten Aktienmarktstimmung in Asien profitierten die Rohölpreise.

Mit Nachrichtenagenturen