Börse Finanzwerte und Old Economy stützen Dax

Der Dax legt am Dienstag weiter zu. Anleger verkaufen Tech-Aktien und kaufen Finanzwerte sowie konjunktursensible Werte. Verluste bei Pfizer belasten den Dow Jones.

Die Rotation am Aktienmarkt vom Technologie-Sektor zu Aktien von Banken und der «Old Economy» hat am Dienstag ihre Fortsetzung gefunden. Das stützte den Dax, der den Xetra-Handel (17.30 Uhr) mit plus 0,24 Prozent auf 15 242 Punkte beendete. Der MDax der mittelgroßen Werte legte um 0,40 Prozent auf 33 257 Zähler zu.

Eines der Hauptthemen am Markt sei die bevorstehende Zinswende sowohl in den USA als auch in Europa und darauf hätten sich die Marktteilnehmer erneut konzentriert, sagte Experte Andreas Lipkow von der Bank Comdirect. Dadurch nähmen Investoren Abstand von Technologietiteln und richteten ihr Augenmerk auf die zinssensitiven Unternehmen aus dem Finanz- und Bankensektor.

Im deutschen Leitindex waren denn auch die Papiere der Deutschen Bank vorne mit einem Kurszuwachs von ast fünf Prozent. Zyklische Aktien blieben mit Blick auf eine potenzielle Konjunkturwiederbelebung in Europa auf den Wunschlisten der Marktteilnehmer, so Comdirect-Fachmann Lipkow.

Dax

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Gerüchte um Automotive-Sparte treiben Continental

Im deutschen Aktienindex Dax lagen die Papiere von Continental ebenfalls knapp 5 Prozent im Plus. Hintergrund sind Spekulationen auf einen Teilbörsengang des Geschäftsfelds automatisiertes Fahren. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass der Autozulieferer einen Teilbörsengang erwägt. "Das ist natürlich fantasiegeladen", sagte ein Händler. Auf den zweiten Blick gebe es aber noch viele Fragezeichen. Zuvor hatte sich bereits Continental-Chefkontrolleur Wolfgang Reitzle zu einem möglichen Umbau bei Continental geäußert.

Tui-Papiere auf Achterbahnfahrt

Auf Achterbahnfahrt gingen die Tui-Papiere. Nach Zahlenvorlage zogen die Titel zunächst um bis zu 3,8 Prozent an, bevor sie ins Minus drehten und bis zu 5,2 Prozent abrutschten. TUI-Chef Fritz Joussen erwartet einen starken Sommer auf Vorkrisenniveau. "Nur ob damit auch die Hoffnung verbunden sein kann und darf, dass der Aktienkurs wieder auf das Niveau vor der Krise zurückkehrt, dahinter muss man heute durchaus noch ein großes Fragezeichen setzen", sagte CMC Markets-Analyst Konstantin Oldenburger.

Rohstoffpreise ziehen weiter an

An den Rohstoffmärkten hielten weiter anziehende Preise die Anleger in Atem. Die Furcht vor Engpässen trieb den Aluminium-Preis auf den höchsten Stand seit fast vier Monaten. Im Schlepptau legte der Bergbausektor rund drei Prozent zu. Titel der Branchenriesen Rio Tinto und Glencore verteuerten sich um mehr als drei Prozent.

Von gestiegenen Preisen profitierte auch BP. Die hohen Öl- und Gaspreise bescherten dem britischen Ölmulti 2021 mit 12,8 Milliarden Dollar das beste Ergebnis der vergangenen acht Jahre. Die Aktie zog rund ein Prozent an. "Die heutigen Zahlen sind eine willkommene Nachricht für die Aktionäre, nach der Horrorshow von 2020", konstatierte Analyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Bitcoin steigt auf 44.000 US-Dollar

Die Kryptowährung Bitcoin war am Montag deutlich gestiegen, startete dann aber am Dienstag wieder etwas schwächer. Zuletzt notierte Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 44.000 US-Dollar. Seit ihrem Tief Ende Januar bei 33.000 US-Dollar hat Bitcoin bereits wieder enorm an Wert gewonnen. Händler wiesen darauf hin, dass Bitcoin mit dem jüngsten Anstieg wieder die charttechnisch bedeutsame 50-Tage-Linie überschritten hat. Dies könnte für Anschlusskäufe sorgen.

Bitcoin

Wenig Bewegung an den US-Börsen

Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 kamen zur Eröffnung der US-Börsen am Dienstag kaum vom Fleck. "Kursrallys bei wenig profitablen Unternehmen aufgrund des Liquiditätsüberschusses, der die Spekulation auf hohe Gewinne in einer mehr oder weniger fernen Zukunft erlaubt, dürften zumindest vorerst der Vergangenheit angehören", sagte Olivier de Berranger, Chef-Anleger des Vermögensverwalters La Financiere de l’Echiquier. Ein Ausverkauf müsse dennoch nicht befürchtet werden. "Die gute Wertentwicklung von Alphabet und Amazon nach hervorragenden Ergebnismeldungen belegt, dass es auch in einem weniger günstigen geldpolitischen Umfeld keinerlei Grund gibt, warum die Börsenkurse mit dem Tempo der Unternehmen nicht mithalten sollten."

Auf die Zahlen von Pfizer regierten Anleger aber enttäuscht, obwohl der Pharmakonzern sich nach einer Umsatz-Verdoppelung auf Rekordkurs sieht. Der Ausblick für die Einnahmen aus dem Covid-Impfstoff und der Pille zur Behandlung von Corona-Patienten blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Es bleibe abzuwarten, ob die Umsätze mit Corona-Produkten langfristig nachhaltig seien, kommentierte Analyst Chris Schott von der Bank JPMorgan. Pfizer-Aktien verloren zunächst knapp sechs Prozent.

Coty erfreute Investoren dagegen mit angehobenen Gesamtjahreszielen. Die Aktien des Kosmetikkonzerns, an dem die deutsche Milliardärsfamilie Reimann maßgeblich beteiligt ist, stiegen um drei Prozent. Das Unternehmen stellte für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn von 0,22 bis 0,26 statt 0,20 bis 0,24 Dollar je Aktie in Aussicht. Wegen der Pandemie-Beschränkungen blieb der Umsatz im abgelaufenen Quartal mit 1,58 Milliarden Dollar hinter den Erwartungen zurück.

Nasdaq

Anleger in Asien zurückhaltend

In Tokio ging der Nikkei-Index 0,1 Prozent fester mit 27.285 Punkten aus dem Handel. Anleger nutzten Kursrückschläge, um bei Technologieaktien einzusteigen. Der Tech-Investor Softbank musste seine anfänglichen Gewinne aber wieder abgeben. Softbank verbuchte zuletzt einen deutlichen Gewinnrückgang. Auch der Verkauf des Chip-Designers Arm an den US-Konzern Nvidia ist vom Tisch. Mehrere Wettbewerbsbehörden hatten Bedenken wegen des von Softbank geplanten Deals geäußert. Die Börse in Shanghai konnte dagegen anfängliche Verluste wieder wettmachen und notierte knapp ein Prozent fester. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen lag dagegen 0,6 Prozent im Minus. Anleger zeigten sich wegen US-Sanktionen gegen weitere 33 chinesische Unternehmen verunsichert.

Ölpreise weiterhin auf hohem Niveau

Die Ölpreise haben am Dienstag im frühen Handel etwas zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet 92,79 US-Dollar. Das waren 10 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 16 Cent auf 91,48 Dollar.

Die Anleger am Ölmarkt blicken aktuell nach Wien. In der österreichischen Hauptstadt werden die Verhandlungen über die Rettung des Atomabkommens mit dem Iran fortgesetzt. Dabei geht es darum, US-Wirtschaftssanktionen aufzuheben und im Gegenzug das iranische Atomprogramm wieder einzuschränken. Vertrauensbildende Gesten von Washington und Teheran hatten zuletzt einen gewissen Optimismus ausgelöst. Falls das Abkommen wiederbelebt wird, könnte der Iran nach Aufhebung der Sanktionen wieder deutlich mehr Erdöl exportieren.

Generell befinden sich die Ölpreise bereits seit Anfang Dezember im Aufwind. Der Markt ist derzeit von einer robusten Nachfrage und einem knappen Angebot gekennzeichnet. Zuletzt hatten die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland die Preise mit einem Risikoaufschlag versehen.

Brent

Sorgen machen sich Ölhändler vor allem über die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland, weshalb die Rohölpreise zurzeit mit einem Risikoaufschlag für den Fall einer Eskalation versehen sind.

mit Nachrichtenagenturen