"Bärenmarkt-Rallye" Dax steigt um acht Prozent

Anleger trauen sich zurück an den Aktienmarkt, auch von den US-Börsen gibt es Rückenwind – der deutsche Leitindex notiert am Mittwoch mit 8 Prozent im Plus. Auch die Kryptowährung Bitcoin haussiert.
Börse Frankfurt: Der Ukraine-Krieg sorgt für starke Schwankungen im Dax, am Mittwoch gehen die Kurse steil nach oben

Börse Frankfurt: Der Ukraine-Krieg sorgt für starke Schwankungen im Dax, am Mittwoch gehen die Kurse steil nach oben

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Die Hoffnung auf eine Annäherung der Kriegsparteien Russland und Ukraine hat den deutschen Aktienmarkt nach zuletzt herben Verlusten nach oben katapultiert. Der Dax machte am Mittwoch mehr als 1000 Punkte gut, der deutsche Leitindex schloss auf seinem Tageshoch mit einem Plus von 7,92 Prozent bei 13.848 Punkten. Es war der höchste prozentuale Tagesgewinn des Börsenbarometers seit knapp zwei Jahren. Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Mittwoch um 6,65 Prozent auf 30.044 Punkte aufwärts. Auch am Kryptomarkt gab es eine Kursrally: Bitcoin und Co legten jeweils um knapp 10 Prozent zu.

Laut dem Kreml strebt Russland keinen Machtwechsel mehr in der Ukraine an. Diese hatte zuvor die Bereitschaft über Verhandlungen über einen Neutralitätsstatus signalisiert. An diesem Donnerstag wollen sich der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba zu Gesprächen in der Türkei treffen.

Auf europäischer Bühne kam es ebenfalls zu kräftigen Kursanstiegen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 7,44 Prozent auf 3766 Punkte. Der Pariser Leitindex rückte um 7,1 Prozent vor. Der FTSE 100 in London gewann gebremst von Kursverlusten bei schwer gewichteten Rohstofftiteln hingegen nur 3,3 Prozent. In den USA zeigte sich der Dow Jones Industrial zum Börsenschluss in Europa 2,2 Prozent höher.

Dax

Bitcoin mit Kurssprung über die Marke von 42.000 US-Dollar

Für Kryptowährungen geht es nach den jüngsten Verlusten wieder deutlich bergauf: Bitcoin stieg auf der Handelsplattform Bitstamp  am Mittwoch zuletzt auf 42.300 US-Dollar. Das war ein Plus von rund 10 Prozent binnen 24 Stunden. Anleger setzen hier auf ein Ausbleiben von strengen US-Beschränkungen für Kryptowährungen. Einer Pressemitteilung des US-Finanzministeriums zufolge soll versucht werden, Cyber-Devisen ins Finanzsystem zu integrieren.

Bitcoin

Bitcoin

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben Kryptowährungen wieder zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt. Vor einer Woche notierte Bitcoin allerdings noch bei 44.000 US-Dollar.

Adidas -Aktien gewinnen zweistellig

In Deutschland richteten sich die Blicke auf etliche Unternehmenszahlen. Unter anderem berichteten die Dax-Mitglieder Deutsche Post, Adidas, Continental und Brenntag über ihre Geschäftsentwicklung.

Bei den Titeln der Deutschen Post konnten sich die Aktionäre über ein Plus von 12,5 Prozent freuen. Der Logistikkonzern erzielte 2021 ein operatives Rekordergebnis (Ebit) und schlug zudem eine Dividendenanhebung vor.

Dass Continental nach zwei schwachen Jahren wieder schwarze Zahlen schrieb, ließ die Anteilscheine des Autozulieferers und Reifenherstellers um unterdurchschnittliche 6 Prozent steigen. Noch geht der Konzern für 2022 von weiter anziehenden Geschäften aus.

Die Papiere von Brenntag gewannen sieben Prozent. Der Chemikalienhändler berichtete für 2021 sowohl für den Umsatz als auch für den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen einen sprunghaften Anstieg. Zudem soll die Gewinnausschüttung steigen.

US-Börsen im Plus

Kleine Hoffnungsschimmer im Krieg in der Ukraine haben am Mittwoch eine Erholung an den US-Börsen ausgelöst. Nach vier verlustreichen Börsentagen legte der Dow Jones Industrial im frühen Handel um mehr als 2 Prozent zu. Stützend wirkte sich auch der Rückgang der Energiepreise nach deren jüngster Rekordjagd aus.

Als ein Lichtblick erscheint den Anlegern das geplante Treffen der Außenminister der Ukraine und Russlands an diesem Donnerstag im türkischen Antalya. Zudem deutet die Regierung in Kiew inzwischen an, dass sie nicht mehr auf einer sofortigen Nato-Mitgliedschaft beharrt und schließt eine Neutralität des Landes nicht aus – was zumindest einem Teil der russischen Forderungen entsprechen würde.

Der marktbreite S&P 500 rückte angesichts dieser Entwicklung um 2 Prozent auf 4254 Punkte vor. Der technologielastigen Nasdaq 100 stieg mit 2,38 Prozent auf 13.584 Zähler noch etwas stärker.

Nasdaq

Nasdaq

Asiatische Börsen geben nach

Angesichts des Importstopps der USA für Öl aus Russland und Sorgen über steigende Energiepreise haben die wichtigsten Aktienmärkte in Asien am Mittwoch nachgegeben. Vor allem die Märkte in China und Hongkong standen kräftig unter Druck. Der Hang Seng Index in Hongkong büßte zuletzt 2,6 Prozent ein. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland sank um 2,4 Prozent. Etwas besser war die Stimmung in Japan. In Tokio schloss der Leitindex Nikkei 225 nach den jüngsten Verlusten nur mit einem leichten Abschlag von 0,3 Prozent.

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Ölpreis fällt wieder

-Spekulationen auf eine Entspannung des Angebotsengpasses schicken den Ölpreis auf Talfahrt. Die Sorten Brent und WTI verbilligen sich um jeweils etwa 20 Prozent. Zuvor hatte der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in den USA mitgeteilt, sein Land sei für eine Ausweitung der Produktion. "Sie können wahrscheinlich rasch 800.000 Barrel pro Tag zusätzlich auf den Markt bringen", sagt Bob Yawger, Manager bei der Investmentbank Mizhuo. "Damit bringen sie uns ein Siebtel des Weges voran beim Ersatz des russischen Angebots."

Brent

Brent

Mit Nachrichtenagenturen