Börse Dax springt, Dow baut Gewinne aus, Bitcoin steigt zweistellig

Hoffnungen auf ein mögliches baldiges Ende der Kämpfe in der Ukraine stützen die Börsen. Dax und Dow Jones notieren am Freitagnachmittag klar im Plus. Vor allem die Aktien von Energieversorgern sind gefragt. Auch die Kryptowährung Bitcoin vollzieht einen Kurssprung.
Börse in Frankfurt: Der Dax legt am Freitag deutlich zu

Börse in Frankfurt: Der Dax legt am Freitag deutlich zu

Foto: Lisi Niesner / REUTERS

Die Hoffnung auf eine Dialogbereitschaft Russlands in der Ukraine-Krise geben dem Dax  einen Schub. Der Index stieg am Freitag bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) um 3,7 Prozent auf 14.567 Punkte, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin sich scheinbar gesprächsbereit zeigt. Moskau sei bereit, eine russische Delegation zu den Gesprächen in die belarussische Hauptstadt Minsk zu schicken, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das Angebot für ein Treffen dem russischen Staatschef Wladimir Putin zweimal unterbreitet. Gastgeber des Treffens in Minsk wäre dann der belarussische Diktator Lukaschenko, ein treuer Vasall Putins. Die Ukraine brachte als Ort für ein Treffen Polens Hauptstadt Warschau ins Gespräch.

Zudem habe der bisherige Verzicht auf Sanktionen gegen russische Energiekonzerne sowie der Verzicht auf den Ausschluss Russlands aus dem Zahlungsnetzwerk Swift die Märkte aufatmen lassen, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Auch der US-Leitindex Dow Jones startete am Freitag mit Gewinnen. Der Nasdaq 100, der bereits am Vortag kräftig zugelegt hatte, legte ebenfalls zu. Am Kryptomarkt stieg die Kryptowährung Bitcoin um knapp 10 Prozent auf knapp 40.000 US-Dollar.

Dax

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Allerdings sei weiter unklar, ob die Börsen ihre Talsohle bereits durchschritten hätten, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Von daher wird spannend zu beobachten, ob diejenigen, die jetzt gekauft haben, langfristig orientierte Anleger sind oder ob die Aktien in einer weiteren Erholung schnell wieder auf den Markt geworfen werden."

Energiewerte legen zu - RWE und Uniper im Plus

Die mit dem Krieg in der Ukraine einhergehende Gefahr für die Energiesicherheit Europas hat am Freitag die Aktien von Versorgern mit hohen Kursgewinnen in den Fokus gerückt. Deutschland ist stark abhängig von russischem Gas. Alternativen sind gefragt, wenn diese Abhängigkeit verringert werden soll.

Insgesamt stehe langfristig ein Umbau der europäischen Energieversorgung an, sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Der von Russland ausgehende Angriffskrieg in der Ukraine ändere die geopolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen für Europa grundlegend.

Spekulationen um eine Verlängerung der Laufzeiten von Kohlekraftwerken zur vorübergehenden Deckung von Defiziten machten am Freitag die Runde. Gleichzeitig dürfte die Politik den Ausbau der Erneuerbaren Energien forcieren. Die bereits vor dem Kriegsausbruch hohen Strom- und Gaspreise könnten zunächst weiter steigen.

Von diesen Szenarien profitiert insbesondere der Versorger RWE , dessen Aktien am Freitag mit 40,54 Euro auf ein Hoch seit Sommer 2011 kletterten und zuletzt an der Dax-Spitze noch sieben Prozent höher standen. Zudem gewannen Eon vier Prozent. Im MDax erholten sich Uniper mit einem Plus von fast sieben Prozent etwas von ihrem Kurssturz in dieser Woche.

Für die Aktien von VW und der Holdinggesellschaft Porsche ging es um jeweils etwa drei Prozent hoch, denn die obersten Gremien des VW-Konzerns stimmten einem Börsengang der Sportwagentochter Porsche AG zu. Die Umsetzbarkeit wird nun konkret geprüft.

Bitcoin steigt nahe 40.000 US-Dollar

Digitalwährungen wie Bitcoin hatten am Donnerstag mit deutlichen Kursverlusten auf den Angriff Russlands auf die Ukraine reagiert. Am Freitag stieg der Kurs der ältesten und nach Marktwert größten Kryptowährung Bitcoin jedoch wieder um knapp 10 Prozent auf knapp 40.000 US-Dollar. Auch andere Kryptowährungen legten zu.

Bitcoin

US-Börsen auf Erholungskurs

Anleger an der Wall Street haben sich am Freitag vorsichtig vorangetastet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag zuletzt 1,8 Prozent höher. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,6 Prozent auf 4313 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq 100 legte dum 0,6 Prozent zu.

Einem Agenturbericht zufolge ist Russland zu Gesprächen mit der Ukraine bereit. Börsianer hofften auf einen unblutigen Fall der Ukraine. "Investoren schauen jetzt auf den Markt, als ob Russland die Ukraine kontrollieren wird, und versuchen abzuschätzen, was das für die Weltwirtschaft und was das für die Energiepreise bedeutet", sagte Rick Meckler, Partner bei Cherry Lane Investments. Finanztitel und Aktien großer Tech-Konzerne wanderten zurück in die Depots. Bank of America gewannen 1,9 Prozent, Tesla zogen 0,8 Prozent an. Den zweiten Tag in Folge griffen Investoren bei Rüstungsfirmen zu. Die Aktien von Lockheed Martin, Northrop Grumman und L3Harris Technologies stiegen um bis zu 1,2 Prozent.

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Experten von Goldman Sachs verweisen darauf, dass sich die Sanktionen des Westens und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Märkte angesichts der Rohstoff-Engpässe im Vergleich zum Krieg um die ukrainische Halbinsel Krim im Jahr 2014 unterscheiden werden. Außerdem dürfte der Deglobalisierungstrend, den die geopolitischen Risiken widerspiegelten, die andere große weltweite Sorge noch verstärken: den Inflationsdruck.

Asiatische Märkte erholt

Die wichtigsten Aktienmärkte in Asien haben sich am Freitag überwiegen von den Kursverlusten am Vortag im Zuge des Krieges in Europa erholt. Der erste Schock an den Märkten durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine scheint überwunden. In Tokio schloss der Leitindex Nikkei 225 1,9 Prozent höher. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland legte um ein Prozent zu, während der Hang-Seng-Index in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong 0,4 Prozent einbüßte.

Ölpreis weiter über 100 US-Dollar

Die Ölpreise haben am Freitag weiter zugelegt. Die am Vortag noch markierten Höchststände seit 2014 deutlich jenseits der 100-Dollar-Marke aber wurden noch nicht erreicht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um 2,03 US-Dollar auf 101,11 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 1,78 Dollar auf 94,60 Dollar zu.

Brent

Mit Nachrichtenagenturen