Kurssturz an der Börse Dax und Dow stürzen, Bitcoin und Gold brechen ein

Der Dax hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Am Freitag fällt er auf das niedrigste Niveau seit Mai 2020 und schließt knapp über 12.000 Punkten. Auch an der Wall Street geht es wegen der Rezessionssorgen abwärts. Der Goldpreis fällt auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren, der Bitcoin unter die Marke von 19.000 US-Dollar.
Kurssturz an der Börse: Der Dax fällt auf ein Zwei-Jahres-Tief

Kurssturz an der Börse: Der Dax fällt auf ein Zwei-Jahres-Tief

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Arne Dedert / dpa

Zins- und Rezessionsängste haben Europas Börsen im Klammergriff. Der Dax  tauchte am Freitag um 2 Prozent auf 12.284 Punkte ab und stand so tief wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. An den übrigen Börsen Europas und in den USA ging es ähnlich stark abwärts. Der Ölpreis rauschte auf ein Acht-Monats-Tief, während die als Weltleitwährung Dollar ein frisches 22-Jahres-Hoch erklomm.

Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel lotete am Freitag ebenfalls neue Tiefstände aus. Er fiel im Handelsverlauf auf das niedrigste Niveau seit Mai 2020 und stand zum Schlussgong mit 3 Prozent im Minus bei 22.542 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  erreichte ein Tief seit fast zwei Jahren und schloss mit minus 2,3 Prozent auf 33489 Zähler.

"Die Anleger sehen sich mit einer Zinswende in noch nie dagewesenem Tempo konfrontiert und bleiben dem Aktienmarkt fern. Und wer drin ist, bleibt zwar noch gelassen, wird aber immer nervöser", sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus RoboMarkets. In der abgelaufenen Woche hatten die Zentralbanken in den USA, Großbritannien und der Schweiz die Zinsen im Kampf gegen die steigende Teuerung angehoben, was die Angst der Anleger vor einem Abwürgen des weltweiten Konjunkturmotors schürte. Hinzu kommt der eskalierende Ukraine-Krieg. Mit der Teilmobilmachung der Streitkräfte durch den russischen Präsidenten schalte der Konflikt einen Gang höher, sagte Molnar. Auf Wochensicht verlor der Dax 3,6 Prozent.

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Goldpreis markiert tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren

Der Goldpreis ist am Freitag stark gefallen und hat den tiefsten seit mehr als zwei Jahren erreicht. Marktbeobachter erklärten die Talfahrt kurz vor dem Wochenende mit einem starken Anstieg der Zinsen an den Kapitalmärkten, was festverzinsliche Papiere für Anleger attraktiver macht als Anlagen in Gold.

Im Mittagshandel fiel der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls um rund 27 Dollar auf 1644 Dollar, nachdem die Notierung zuvor bei 1641 Dollar den tiefsten Stand seit April 2020 erreicht hatte. Zeitgleich zur Talfahrt beim Goldpreis zeigte sich am Markt für Staatsanleihen ein starker Anstieg der Renditen.

"Angesichts der schnellen Anhebung der Zinsen kann Gold als zinslose Anlage derzeit nicht punkten", kommentierten Rohstoffexperten der Commerzbank die aktuelle Marktentwicklung. Auslöser für den starken Anstieg der Kapitalmarktzinsen sind jüngste Zinserhöhungen durch führende Notenbanken.

Düstere Prognosen bringen Aktien zum Absturz

Am deutschen Aktienmarkt sorgten Rekord-Kursstürze von Varta und Hypoport von 34 und knapp 46 Prozent für Aufsehen. Der Batteriehersteller und der Finanzvermittler kassierten ihre Gesamtjahresziele. Jungheinrich lieferten mit einem hoffnungsvollen Ausblick einen kleinen Lichtblick. Die Aktien des Gabelstapler-Herstellers sprangen an die Spitze des MDax und legten 3,5 Prozent zu.

In Zürich rutschten die Titel von Credit Suisse um 12,4 Prozent ab, zeitweise waren sie mit 4,04 Franken so billig wie nie gewesen. Insidern zufolge lotet die krisengeschüttelte Bank eine Kapitalerhöhung aus, die Analysten zufolge ein Volumen von bis zu vier Milliarden Franken (4,2 Milliarden Euro) haben könnte.

Wall Street mit Verlusten, Dow Jones unter 30.000 Punkten

Die Angst vor einer Rezession hat auch die Aktienmärkte in den USA weiter fest im Griff. Mit Blick auf eine drohende Rezession verkauften Investoren auch am Freitag Aktien. Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel auf ein Tief seit Ende 2020, zum europäischen Handelsschluss stand er mit mehr als zwei Prozent im Minus bei 29.396 Punkten.

Damit sinkt der Dow vor dem Wochenende wieder unter die 30.000er Punkte Marke, die er am Vortag zum Schlusskurs noch halten konnte. Befeuert werden die Sorgen der Marktteilnehmer weiter von dem entschiedenen Vorgehen der US-Notenbank Fed, die im Kampf gegen die Inflation auch wirtschaftliche Schäden in Kauf nimmt. Auf Wochensicht bahnt sich für den US-Leitindex ein Verlust von mehr als dreieinhalb Prozent an.

Der marktbreite S&P 500 verlor 2,4 Prozent auf 3665 Zähler. Für die Technologiewerte ging es ebenfalls bergab: Der Nasdaq 100 fiel um 2,1 Prozent auf 11.259 Punkte.

Bitcoin fällt unter 19.000 Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin ist am Freitag ebenfalls unter Druck geraten und rutschte auf der Handelsplattform Coinbase  auf 18.685 Dollar ab – ein Minus von rund 1,7 Prozent. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 90,28 US-Dollar. Das waren 18 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 28 Cent auf 83,21 Dollar.

Belastet werden die Erdölpreise schon seit einiger Zeit durch die trüben Konjunkturaussichten. Die Folgen des Ukraine-Kriegs und die deutlichen Zinsanhebungen vieler Notenbanken lasten auf der konjunkturellen Entwicklung und damit auf der Nachfrage nach Rohöl und Ölprodukten wie Benzin oder Diesel. Da zugleich aber das Angebot relativ knapp ist, bewegen sich die Ölpreise immer noch auf hohem Niveau.

Mit Nachrichtenagenturen
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