Börse Kauflaune treibt den Dax über 13.000 Punkte

Nach dem großen Zinsschritt der EZB legte der Dax deutlich zu und schließt zum Wochenende über der 13.000-Punkte-Marke. Auch die US-Börsen notieren beflügelt von Kursgewinnen bei Tech-Aktien im Plus. Der Bitcoin steigt auf 21.000 US-Dollar.
Dax im Plus: Der große Zinsschritt der EZB war erwartet worden

Dax im Plus: Der große Zinsschritt der EZB war erwartet worden

Foto: Arne Dedert / dpa

Mit einem deutlichen Sprung über die Marke von 13.000 Punkten hat sich der Dax  am Freitag ins Wochenende verabschiedet. Marktteilnehmer freuten sich über Konjunkturdaten aus China, wo sich der Inflationsdruck im August überraschend abgeschwächt hatte. Auch das entschlossene Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die hohe Inflation entfaltete weiterhin positive Wirkung.

Zum Handelsschluss gewann der deutsche Leitindex 1,43 Prozent auf 13.088 Zähler. Ausgehend von seinem Vortagestief bei unter 12.700 Punkten holte der Dax damit rund 400 Punkte auf, sodass ihm auf Wochensicht noch ein Plus von 0,3 Prozent gelang. Der MDax  legte um 2,29 Prozent auf 25.701 Zähler zu. Der EuroStoxx 50  gewann ebenfalls deutlich um 1,64 Prozent auf 3570 Punkte.

"Während ein Teil der Anleger mit der Aussicht auf weiter steigende Zinsen den Aktienmarkt vorerst meidet, sieht der andere Teil den nun konsequenten und konzertierten Kampf der Notenbanken als ein gutes Signal für die Zukunft und greift ungeachtet der Rezessionsgefahren bei deutschen Aktien zu", fasste Börsenbeobachter Jürgen Molnar von Robomarkets die Lage zusammen.

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Fresenius an der Dax-Spitze

Im Dax gewannen am Freitag die vom Start weg gefragten Aktien des Krankenhaus- und Gesundheitskonzerns Fresenius 3,9 Prozent. Analyst Justin Smith von der französischen Bank Societe Generale (SocGen) hält die Papiere für zu niedrig bewertet, die Geschäftsaussichten etwa der Tochter Kabi seien nicht angemessen berücksichtigt. Der Experte untermauerte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 92 Euro, dies ist mehr als das Dreieinhalbfache des aktuellen Aktienkurses.

Deutsche Telekom profitierten mit ähnlich hohem Zuwachs von guten Nachrichten von der Tochter T-Mobile US, die ein Aktienrückkaufprogramm von umgerechnet bis zu rund 14 Milliarden US-Dollar angekündigt hat.

Bank-Aktien legten im Umfeld steigender Zinsen abermals zu. Für Deutsche Bank ging es um 3,3 Prozent nach oben, die Commerzbank-Papiere schlugen sich im MDax mit einem Zuwachs von fast 4 Prozent noch besser.

Der sinkende Gaspreis lieferte den Aktien des wegen der Energiekrise angeschlagenen Uniper-Konzerns Rückenwind. Sie setzten ihre Erholung von dem am Mittwoch erreichten Rekordtief mit einem Kursplus von 12,3 Prozent fort. Weil dem Konzern russisches Gas fehlt, muss er derzeit Gas teuer am Markt erwerben, um seine Kundenverträge zu erfüllen. Ein niedrigerer Preis spielt Uniper deshalb in die Hände.

Unangefochten auf dem Spitzenplatz im Kleinwerteindex SDax lagen die Papiere des Elektronikhändlers Ceconomy, die ihre am Vortag begonnene Erholungsrallye mit einem Plus von mehr als 17 Prozent fortsetzten – vorangegangen war allerdings eine nahezu kontinuierliche Talfahrt seit Ende 2021 und ein Rekordtief zur Wochenmitte.

Erholungskurs an der Wall Street

Die US-Aktienmärkte sind am Freitag auf Erholungskurs geblieben. Die in den vergangenen Wochen noch dominanten Inflationssorgen haben zuletzt etwas nachgelassen, sodass Händlern zufolge nun Schnäppchenjäger auf den Plan getreten seien und die vermeintlich günstigen Kurse zum Einstieg genutzt hätten. Zu der insgesamt guten Stimmung an den globalen Aktienmärkten zum Wochenschluss trug bei, dass sich die Teuerung in China im August überraschend abgeschwächt hat.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial stieg um 1,2 Prozent auf 32.161 Punkte. Damit deutet sich nach drei Verlustwochen wieder ein Wochengewinn an. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag um 1,6 Prozent auf 4086 Punkte nach oben. Der Index der technologielastigen Nasdaq gewann 2,2 Prozent auf 12.118 Zähler.

Unter den Einzelwerten schnellten die Aktien von Zscaler an der Nasdaq-100-Spitze um rund 19 Prozent in die Höhe. Der Spezialist für Informationssicherheit in der Cloud hatte mit seinen Geschäftszahlen positiv überrascht und einen starken Ausblick präsentiert.

Zweitbester Wert im Index waren die Anteilsscheine von Docusign, die um knapp 9 Prozent anzogen. Der Anbieter von elektronischen Signaturen stockte nach unerwartet guten Ergebnissen seine Ziele auf.

Tesla-Anleger reagierten positiv auf Pläne des Konzerns, eine Lithium-Raffinerie in Texas zu errichten. Die Aktien legten 3,3 Prozent zu. In der möglichen Anlage an der Küste des US-Bundesstaats soll das für Autobatterien benötigte Metall bearbeitet werden. Damit würde Tesla die Versorgung mit einer der wichtigsten Komponenten zum Fahrzeugbau sicherstellen.

Am Index-Ende aber fielen die Papiere von T-Mobile US um mehr als 1 Prozent. Das Mobilfunkunternehmen will zwar eigene Aktien in zweistelliger Milliardenhöhe zurückkaufen und könnte damit seiner Mutter Deutsche Telekom ein Stück weit zur langersehnten Mehrheit verhelfen. Das Volumen des angekündigten Aktienrückkaufs hat Analysten zufolge aber enttäuscht.

Noch deutlicher abwärts ging es für Papiere des Waffenherstellers Smith & Wesson und des Onlinehändlers Zumiez, die rund fünf beziehungsweise fast drei Prozent einbüßten. Beide Unternehmen enttäuschten mit ihren Ergebnissen.

Konjunkturdaten stützen in Asien

Kursgewinne der Wall Street und ermutigende chinesische Konjunkturdaten geben den asiatischen Börsen Auftrieb. Der japanische Nikkei-Index  und die Börse Shanghai stiegen am Freitag um jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 28.234 Zähler beziehungsweise 3259 Punkte. Investoren seien erleichtert, dass US-Anleger nicht mit einem Ausverkauf auf die jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell reagiert hätten, sagte ein Börsianer. Dieser hatte die Entschlossenheit der US-Notenbank im Kampf gegen die Inflation bekräftigt und weitere Zinserhöhungen angekündigt.

Positiv werteten Investoren außerdem den Rückgang der Inflation in China. "Das gibt der People's Bank of China (PBoC) Raum für eine lockere Geldpolitik", sagte Volkswirtin Erin Xin von der Bank HSBC. Außerdem will die Regierung Staatsmedien zufolge unter anderem mit Steuersenkungen der wegen der Corona-Lockdowns schwächelnden Wirtschaft unter die Arme greifen.

Bitcoin mit Kurssprung auf über 21.000 Dollar

Die insgesamt bessere Stimmung an den Finanzmärkten hat auch die Kurse von Kryptowährungen steigen lassen. Die Digitalwährung Bitcoin legte am Freitag kräftig zu. Am Abend notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 21.190 US-Dollar und damit mehr als 9 Prozent höher als am Vortag. Die Schwankungen am Kryptomarkt sind in den vergangenen Tagen noch höher als die Volatilität am Aktienmarkt.

Bitcoin

Der Bitcoin ist allerdings seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Ölpreise steigen wieder

Die Ölpreise sind am Freitag merklich gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am späten Nachmittag 91,84 US-Dollar. Das waren 2,69 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 2,64 Dollar auf 85,18 Dollar.

Im Wochenverlauf gaben die Ölpreise trotz der Erholung am Freitag merklich nach. Sie bewegen sich weiter in der Nähe mehrmonatiger Tiefstände. Während ein Fass Brent in etwa so wenig kostet wie zuletzt im Februar, wird für ein Barrel WTI annähernd so wenig gezahlt wie seit Januar nicht mehr.

Mit Nachrichtenagenturen
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