Börse Dax schließt im Minus, Bitcoin legt zu

Vor der EZB-Sitzung am Donnerstag gibt der Dax nach. Die Kryptowährung Bitcoin erholt sich dagegen von ihrem Kursrutsch. An der Wall Street halten sich Anleger vor dem "Super Thursday" mit Käufen zurück.
Bitcoin: Die Partystimmung ist seit Mitte April verflogen

Bitcoin: Die Partystimmung ist seit Mitte April verflogen

Foto: CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH / EPA

Einen Tag vor US-Inflationsdaten und der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte Zurückhaltung geübt. Die Währungshüter der Eurozone dürften allerdings Experten zufolge ihre lockere Geldpolitik erst einmal beibehalten - trotz der wirtschaftlichen Erholung und der steigenden Inflation.

Der Leitindex Dax  schaffte es am Mittwoch nur vorübergehend in die Gewinnzone und schloss 0,38 Prozent tiefer bei 15.581 Punkten. Damit zollte er seinen jüngsten Rekordständen weiter Tribut. Derweil verzeichnete der MDax  der mittelgroßen Unternehmen am Ende ein Plus von 0,06 Prozent auf 33.804 Punkte - auch er hatte zuletzt Bestmarken aufgestellt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  verabschiedete sich fast unverändert aus dem Handel.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Windeln.de: Anleger machen Kasse

Nach dem Kursanstieg um mehrere Hundert Prozent binnen weniger Tage machen einige Anleger bei der Aktie von Windeln.de Kasse. Die Aktien fielen zuletzt um 13 Prozent auf 5,10 Euro, nachdem sie zur Eröffnung noch bis auf knapp 7 Euro gestiegen waren. Die Fallhöhe bleibt extrem hoch: Vergangene Woche hatte die Aktie noch bei 1,10 Euro notiert. Ähnlich wie beim US-Videospielehändler Gamestop oder der Kinokette AMC wurde die extreme Kursrallye von Privatanlegern getrieben, die sich in einschlägigen Internetforen gegenseitig zu Käufen ermuntert haben. Bei solchen sogenannten Meme-Aktien beruhen die starken Kursgewinne vor allem auf dem Social Media Hype um schnelles Geld, nicht aber auf fundamentalen Daten des jeweiligen Unternehmens. Wie beim Glücksspiel auch können spekulative Anleger, die sich daran beteiligen, binnen weniger Stunden große Gewinne, aber auch extreme Verluste erzielen.

Merck auf Rekordkurs

Im Dax setzten sich die Titel von Merck KGaA mit knapp 3 Prozent Plus an die Spitze - damit ging ihre Rekordjagd weiter. Neben dem Pharma- und Chemiekonzern zählten andere Branchengrößen ebenfalls zu den Favoriten der Anleger: Die Aktien des Medizinunternehmens Fresenius und seiner Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) legten jeweils um knapp ein Prozent zu, und die Anteilscheine des Pharma- und Agrarchemiekonzerns Bayer gewannen rund ein halbes Prozent. Schlusslicht im Leitindex war indes der Kunststoffkonzern Covestro mit einem Minus von über 3 Prozent.

Bitcoin legt wieder zu

Die Kryptowährung Bitcoin notierte am Mittwoch leicht erholt und kletterte wieder über die Marke von 35.000 US-Dollar. Am Vorabend hatte Bitcoin zeitweise noch bei rund 31.000 US-Dollar notiert, dann setzte eine Stabilisierung ein. Zuletzt notierte der Bitcoin bei 36.337 US-Dollar. Sollte die psychologisch wichtige runde Marke von 30.000 US-Dollar halten, sei eine kurzfristige Erholung möglich, hieß es am Markt. Das Rekordhoch von Mitte April bei knapp 65.000 Dollar bleibt klar außer Reichweite.

Eine schärfere Regulierung in China setzt den Kryptomarkt seit Tagen unter Druck. Zugleich hat die Regierung El Salvadors eine Gesetzesinitiative für die Nutzung der Kryptowährung Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel im Parlament eingebracht. Die Abgeordneten des Finanzausschusses gaben kurz darauf am Dienstagabend (Ortszeit) ihre Zustimmung, wie das Parlament auf Twitter mitteilte. Die Regierungspartei Nuevas Ideas (Neue Ideen) hat seit Mai eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, das aus nur einer Kammer besteht.

Bitcoin

US-Börsen kaum verändert

Moderate Gewinne haben die US-Aktienmärkte am Mittwoch gezeigt. Der Leitindex Dow Jones Industrial lag mit 0,03 Prozent auf 34.612 Punkte leicht im Plus und setzte damit das Pendeln um die Marke von 34.600 Zählern der vergangenen Handelstage fort. Der den breiten Markt abbildende S&P 500 legte um 0,13 Prozent auf 4232 Zähler zu. Etwas weiter aufwärts ging es an der technologielastigen Börse Nasdaq, der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte um 0,38 Prozent auf 13.862 Punkte vor.

Laut dem Strategen Simon Deeley von der Bank RBC bleibt die allgemeine Risikobereitschaft der Anleger "im neutralen Bereich". Am Mittwoch stünden zunächst auch keine wirklich relevanten Wirtschaftsdaten als mögliche Kurstreiber auf der Agenda, bevor sich am Donnerstag die Aufmerksamkeit auf der Entwicklung der US-Verbraucherpreise im Mai richten dürfte. Deeley verwies auf einen starken Anstieg um 4,2 Prozent im April. Viel diskutiert wird unter Anlegern derzeit die Frage, wie nachhaltig dieser Preisanstieg ist - und inwiefern dies die US-Notenbank Fed mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik unter Druck setzt.

Nasdaq

Börsen in Asien uneinheitlich

Die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte haben am Mittwoch uneinheitlich tendiert. Sie folgten damit einer trägen Wall Street. Die Veränderungen an den einzelnen Börsen hielten sich insgesamt in Grenzen, wobei die Verlierer die Gewinner überwogen. Analyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda begründete das zurückhaltende Geschäft mit den US-Verbraucherpreisen am Donnerstag. Angesichts der Inflationssorgen an den Finanzmärkten kommt den Zahlen erhöhte Bedeutung zu. Warnsignale von der Inflationsseite hatten an den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten immer wieder für Irritationen gesorgt.

Einen Vorgeschmack auf inflationäre Risiken lieferten die Erzeugerpreise in China. Diese waren im Mai so stark angestiegen wie seit 13 Jahren nicht mehr. Wie das Statistikamt in Peking am Mittwoch mitteilte, legten die Preise auf Großhandelsebene um 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu - noch einmal etwas mehr als im April, als die Preise bereits um 6,8 Prozent gestiegen waren. Die Frage sei nun, ob die chinesischen Produzenten die Preise auf die Verbraucher umschlagen könnten, merkte Halley an. Bislang ist dies nicht der Fall: Die chinesischen Verbraucherpreise stiegen im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,3 Prozent. Hier hatten Experten mit einem etwas höherem Plus gerechnet.

An der Tokioter Börse schloss der Nikkei 225 mit einem Minus von 0,35 Prozent bei 28.860 Punkten. Der CSI-300-Index, der die Aktien der 300 größten börsennotierten Unternehmen vom chinesischen Festland beinhaltet, sank zuletzt um 0,16 Prozent auf 5223,83 Punkte. Der Hang-Seng-Index in der Sonderverwaltungszone Hongkong verlor im späten Handel 0,28 Prozent auf 28 699,81 Zähler. Leichte Gewinne verzeichneten dagegen indische Aktien.

Ölpreise geben Gewinne ab

Die Ölpreise haben am Mittwoch anfängliche Gewinne abgegeben. Zuvor waren sie noch auf mehrjährige Höchststände gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 72,11 US-Dollar. Das waren 11 Cent weniger als am Vortag. Mit 72,87 Dollar war der Brent-Preis zuvor noch auf den höchsten Stand seit gut zwei Jahren gestiegen. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 23 Cent auf 69,82 Dollar. WTI hatte zuvor noch mit 70,01 Dollar den höchsten Stand seit Oktober 2018 erreicht.

Brent

Der am Mittwoch wöchentliche Ölbericht des US-Energienministeriums belastete die Ölpreise etwas. Zwar sind die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche stärker als erwartet gefallen. Gleichzeitig sind jedoch die Benzin- und Destillatebestände deutlich stärker gestiegen als erwartet. Experten verwiesen auf den sommerlichen Reiseverkehr, der zu einer steigenden Nachfrage nach Treibstoff führe.

Für den jüngsten Anstieg sorgt seit Längerem die vielerorts entspanntere Corona-Lage, insbesondere in den USA, China und weiten Teilen Europas. Dagegen ist die Lage in einigen asiatischen Ländern und vielen Staaten Südamerikas teils sehr angespannt.

Die Rohstoffexperten der Commerzbank begründen die steigenden Ölpreise mit drei Faktoren: Für Preisauftrieb sorgten die Knappheit am Ölmarkt infolge der starken Nachfrageerholung, die disziplinierte Einhaltung der Produktionsquoten durch den Ölverbund Opec+ und die unzureichende Reaktion der Nicht-Opec-Produzenten. Vor allem in den USA war die Förderung zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

mit Nachrichtenagenturen
Mehr lesen über Verwandte Artikel